Zum Buch "Im Land der Verzweiflung" des israelischen Autors Nir Baram

Gibt es eine Perspektive im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern?

Ein Dokument des Konflikts; Die Autos bleiben draussen. Palästinenser gehen zu Fuß und kontrolliert nach Jerusalem.
"Guernica 1936 - Palestina 1948" - Zone A - Zutritt ist hier den palästinensischen Bürgern "vorbehalten"
Betlehem: Blick der Palästinenser auf Jerusalem? - keiner!
Die Grenzsperre trennt hier Jerusalem von Bethlehem und wird Parkplatz für die Palästinenser, die hinter der Mauer arbeiten.

BERLIN. (hpd) Zur Zeit des Vietnamkrieges, liess man uns in den Radionachrichten stets aufs Neue wissen, dass es Bomber “vom Typ B52” seien, die dort im Einsatz waren. Das sollte wohl eine gewisse Normalität suggerieren. Ähnliches dürfte im Spiel sein beim fortgesetzten Gebrauch des Begriffs "Nahost-Friedensprozess". Eigentlich ist er längst nur noch ein Unwort, da sinnentleert.

Während ursprünglich "Nahost-Konflikt" sich nur auf den Kampf von Israelis gegen Palästinenser und die Bedrohung Israels durch arabische Nachbarstaaten bezog, umfasst er heute weit mehr. Das Problem hat sich nicht nur in die Breite entwickelt; die Konfrontation zwischen Palästinensern und Israelis hat eine Dimension erreicht, die jede Hoffnung auf Frieden irreal erscheinen lässt.

Dennoch hat jetzt der israelischen Journalist Nir Baram eine Vorstellung entworfen, wie eine Lösung aussehen könnte.

Das Buch zeigt zunächst ausführlich und erschütternd, was sich in den Palästinensergebieten abspielt. Am Ende entwirft der Autor eine Perspektive des gemeinsamen Zusammenlebens von Israelis und Palästinensern, ohne sich auf einen staatsrechtlichen Rahmen festzulegen. Damit trägt er der bei uns kaum bekannten Tatsache Rechnung, dass die auch von Deutschland Jahrzehnte lang tolerierte Siedlungspolitik im Westjordanland zu einer inzwischen unumkehrbaren Durchmischung von Palästinensern und Israelis geführt hat. Doch die Perspektive einer Versöhnung zwischen den beiden Völkern, die ja dann auch das Ende aller terroristischen Vergeltungs- oder Verzweiflungstaten (und der entsprechenden israelischen Rache dafür) erfordern würde, kann man sich heute nicht mehr vorstellen.

Wahrscheinlicher ist die konstante Weiterführung der israelischen Politik im Westjordanland: Immer mehr Siedlungen, immer mehr schleichende Enteignungen und offen verkündete Annexionen ganz einfach, bis das ganze Westjordanland Teil des Staates Israel geworden ist. Welche Rolle Israel dann dem Gaza-Streifen zuzuweisen gedenkt, bleibt abzuwarten.

Kommentare (2)

Denkakustiker (nicht überprüft)

Di. 1 Mär 2016 - 12:04

Hier zeigt sich im besonderen der kulturgesellschaftliche Wucher der Schuld, welcher individuell zunehmend zu eingeschränktem und widersinnigem Denken zwingt. Da dieser Wucher schon verlustreich über Dekaden in symptomatische Gewalt ausufert und so in unendlicher Wechselwirkung nach Rache dürstet, wird der Wahn bestehen bleiben, bis alle Lebenskraft verbraucht ist. Und das kann noch ewig andauern.

Da hilft nur noch ein Heer von Psychopraktikern, wohlgemerkt keine Psychologen und erst recht keine Politiker, denn nur die umfassende Erfahrung beschreibt das Leben zu verstehen.

Mit besten Grüßen aus Magdeburg
Denkakustiker

Christian Walther

Der Autor (Jahrgang 1940) ist Neurobiologe im "Un-Ruhestand". Er war einige Zeit als ambulanter Hospizhelfer tätig. Dies führte ihn zum Thema "Sterbefasten", wofür er sich seither publizistisch engagiert. Darüber hinaus interessiert er sich für Weltanschauungs-Fragen. 2010 ("Unglaube genügt") hat er sich damit befasst, wie man mit Religion rational umgehen könnte. 2016 ("Was meint ihr denn mit "Humanismus"?") erörterte er sieben Aussagen, die für Humanisten von Interesse sein könnten.

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