Atheisten in den USA
Das verschwiegene Viertel
Timothy Shields
Kann man im "Land der Freien" leben, ohne sich zu Gott zu bekennen? Eine neue Studie deutet darauf hin, dass Atheisten ihre Religionsfreiheit lieber für sich behalten. Und dass sie viel mehr sind als bislang angenommen.
Glauben Sie an Gott? In aufgeklärteren Weltregionen ist dies eine Frage, die für Partygespräche taugt und für stille Stunden unterm Sternenhimmel. Die Einen glauben, die Anderen nicht, die Dritten wissen nicht recht, und fragt man die Ersten, woran genau sie glauben, führt das Gespräch recht bald in nebulöse, doch wiederum auch gemütliche Gespräche. Seien wir froh, dass es so ist. Es gibt immer noch Länder auf der Erde, in denen es tödlich sein kann, sich vom imaginären Freund loszusagen, und es gibt Länder wie die Vereinigten Staaten, wo man die Frage nicht ganz angstfrei beantworten kann.
Das Telefon klingelt, irgendwo in Amerika. "Glauben Sie an Gott?", will die freundliche Stimme vom Umfrageinstitut wissen. In einem Land, das sich den Oberschöpfer auf die Geldnoten druckt, überlegt man da zweimal. Selbst wenn die Nachbarn es nicht mitbekommen, selbst wenn die Daten anonymisiert in die Umfrage eingehen, kann es doch immer noch ein Widerstreben geben, sich zur Glaubensfreiheit zu bekennen. Wie sonst könne wir uns erklären, dass die USA nach wie vor auf ihren ersten bekennenden Atheisten im Kongress warten? Ohne himmlischen Segen ist man schnell allein im Gottesstaat USA, und wo der Glaube fehlt, will er wenigstens behauptet werden. In den Schulen wird gebetet, selbst in der Nationalhymne ist ja nicht nur Platz für Blut, Bomben, Schlachten und die stinkenden Fußstapfen der Feinde – auch hier wird natürlich auf den großen Weltenlenker vertraut. Und in den Erhebungen der renommierten Umfrageinstitute Gallup und Pew lagen die Atheisten bei zehn oder gar nur schwindenden drei Prozent.
Wen wundert es, dass die Psychologen Will Gervais und Maxine Najle von der "University of Kentucky" den Umfragezahlen misstraut haben? "Wir sollten von niemandem erwarten, dass er einem Fremden am Telefon eine ehrliche Antwort auf diese Frage gibt", so Gervais. Also haben die Forscher eine neue Studie durchgeführt - mit einem indirekten Messverfahren: Zwei Vergleichsgruppen bekommen einen Katalog voller unverfänglicher Selbstauskünfte vorgelegt ("Ich besitze einen Hund", "Ich mag moderne Kunst", etc.), und nur eine der beiden Gruppen findet auch das Bekenntnis zu Gott in ihrem Fragenkatalog vor. Keine Frage muss direkt beantwortet werden, die Befragten liefern nur eine Zahl: Wie viele der Aussagen auf sie selber zutreffen.
Der Abgleich der beiden Gruppen lässt Rückschluss auf die Anzahl von Gläubigen und Nichtgläubigen zu. Und siehe da: Alles deutet darauf hin, dass die Zahl der Atheisten weit über dem liegt, was die bisherigen Meinungsumfragen ergaben. Am wahrscheinlichsten ist eine Zahl von 26 Prozent. Wenn man das auf die 435 Kongressmitglieder umrechnen darf, müssten dort 113 religionsfreie Menschen sitzen. Zugegeben hat es in den letzten Jahren nur einer, und zwar nach seinem Ausscheiden, der Demokrat Barney Frank. Ein Vierteljahrhundert zuvor war er einen anderen großen Schritt gegangen und hatte sich als schwul geoutet. Das scheint ihm weniger Angst gemacht zu haben als das Bekenntnis zum gottlosen Selberdenken. Ohne Gott nämlich, oder wenigstens das Lippenbekenntnis zu ihm, kann die politische Karriere in Amerika schnell vorbei sein.
Kommentare (10)
Netiquette für Kommentare
was nur 26%, das sind ja 74%
was nur 26%, das sind ja 74% zu wenig
Sich als Atheist zu bekennen,
Sich als Atheist zu bekennen, bringt immer Schwierigkeiten mit sich: es gehört sich einfach nicht und man wird sofort als Ketzer beschimpft von jenen, die noch nicht einmal wissen, was eigentlich ein Ketzer ist. "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns." Ganz einfache
Rechtfertigungslehre. "Die Bibel muss nicht bewiesen werden" Pfarrer Muchlinsky auf evangelisch de. Es gehört ein große Portion Scheinheiligkeit dazu, sich zu einem Gott zu bekennen, den sich die Gläubigen jedoch so hinbasteln, wie er ihnen am besten in den eigenen Kram passt. Es stört die Gläubigen, das die Atheisten nicht basteln.
Über die Christen: Unter ihren Schafspelzen sind sie reißende Wölfe. Johann Wolfgang zu Goethe.
Wie man aktuell an der völlig
Wie man aktuell an der völlig unangemessenen Reaktion von Martin Schulz auf den Aufruf der AfD zum Kirchenaustritt sieht, ist die Situation in Deutschland nicht anders. „unfassbar und abscheulich“ war und ist an Aussagen der AfD-Spitzen sicher vieles, das aber gehört nicht dazu. Warum meint er, sich als „Verteidiger der Kirchen“ gegen die AfD aufspielen zu müssen ? Ist es Stimmenfang nach dem Gysi-Paradoxon oder steckt er immer noch in seiner katholischen Schulbildung fest ? AfD-Schelte um jeden Preis ? Generell geht es beim Kirchenaustritt nicht um „Spaltung, Provokation und rechten Populismus“ sondern in den meisten Fällen um die formale Dokumentation der eh schon vorhandenen Kirchenferne. Ihr Verhältnis zu den Kirchen kann er ruhig der AfD selbst überlassen. Es gibt im Parteiprogramm der AfD genügend Aussagen, mit denen sie sich bei den Kirchen wieder Lieb Kind machen können:
z.B. in Punkt 6 Familien und Kinder, wo der „traditionellen Familie“ das Wort geredet wird, oder das „Nein zu „Gender-Mainstreaming” und Frühsexualisierung“
in 8.3. Dazu wüsste man gerne mal die Position von Martin Schulz. Ein Blick nach Polen zeigt uns, wie gut sich die Kirchen mit den Nationalisten verstehen, wenn sie nur die christlichen Wurzeln Europas hochhalten und für ein unbarmherziges Abtreibungsverbot eintreten.
Fazit: noch eine Hoffnung, die wir – auch oder erst recht ? - mit Martin Schulz als SPD-Vorsitzenden begraben müssen, die Hoffnung auf eine säkularere Ausrichtung der SPD ! Was aber den Stimmenfang angeht, da wo er hin will, da sind schon CDU und CSU.
Sehr richtig angemerkt. Ich
Sehr richtig angemerkt. Ich dachte auch, mich tritt ein Fährt, als ich diesen aktuellen Schulz hörte. Aber dann war schnell klar, dass er an der Unwählbarkeit der spd schlicht nichts ändert; an der der afd natürlich auch nicht.
Vielleicht wollte St. Martin
Vielleicht wollte St. Martin der Unwählbare (und zudem guter Katholik) auf diese plumpe Art seinen inzwischen wieder rückläufigen Zustimmungswerten nochmals neuen Schub verpassen (dabei wohl auf kirchlichen Segen hoffend).
Der "Pforzheimer Kreis" der
Der "Pforzheimer Kreis" der Christen in der AfD und die Dame von Storch werden schon umgehend dafür sorgen, dass diese Partei nicht "kirchenfeindlich" oder gar "antichristlich" wird. (Auch diese Sache wird nicht so heiß gegessen, wie St. Martin der Gerechtigkeits-Apostel der SPD sie gekocht hat.)
Und siehe da: 14 Tage später
Und siehe da: 14 Tage später war von diesem ganzen hektischen Kurzzeit-Rummel um die Kirchenaustritts-Forderung einiger AfD-Leute überhaupt nichts mehr zu vernehmen (in Worten: null!). Also alles nur heiße Luft, seichte Show-Effekte für das nicht weiter nachdenkende & hinterfragende Publikum, deutschnational-sozialdemokratisch-kirchlicher Komödienstadl für den rasch dahin verscheidenden Augenblick.
Und unser St. Martin aus Würselen hat bereits größte Müh & Not, um nicht politisch völlig unterzugehen.
Dies ist somit (wieder einmal) einfach nur ein Beispielfall für: bloße Vergänglichkeit. Vergangen - vergessen - vorbei.
Immer wieder selbst dran
Immer wieder selbst dran erinnern:
Du kannst dich dort gefahrlos eher als schwul glücklich outen als gottlos glücklich...
Grundsätzlich halte ich
Grundsätzlich halte ich "Glauben" oder "Nichtglauben" für eine zu respektierende private Angelegenheit. Niemand, der die eine oder andere Denkweise bevorzugt, sollte gezwungen oder auch nur dazu angehalten, eben diese öffentlich preisgeben zu müssen, auch nicht auf der Lohnsteuerkarte !!! In dem Moment allerdings, wo die religiöse Einstellung eines Menschen oder einer Gruppe zwecks politischem Machtmißbrauch benutzt wird, ist es keine Privatsache mehr und paßt auch nicht in die politische Arbeit der Staaten, die demokratisch und/oder sekular geprägt sind. Dieser Mißstand beginnt bereits beim "C" im Kürzel der sogenannten christlichen Parteien. Diese Parteien haben von einem Großteil ihres Wähler-Klientels den Zulauf lediglich aufgrund dieses "C", nicht aufgrund besonders sozialer Leistungen und Gerechtigkeit für die Arbeitnehmerschaft, welche wiederum den größten Bevölkerungsanteil eines jeden Staates stellt. Aber andererseits hilft es dieser Masse der lohnabhängigen Arbeitnehmer auch nicht weiter, die sozialdemokratischen oder linken Parteien zu wählen, da hier leider ebenso die Liebe zu Gott und Kirche in den Vordergrund gestellt werden.
Im Großen und Ganzen kann man resümieren: alles eine Wixe!
Bei uns ist es auch nicht
Bei uns ist es auch nicht viel anders: kein Regierungsmitglied traut sich, einem "Gottesdienst" fern zu bleiben.