Kommentar

Religion ist Privatsache

Horst Seehofer (2015)
Horst Seehofer (2015)

Herr Seehofer hat recht. Er hat nur vergessen, hinzuzufügen, dass auch andere Religionen nicht zu Deutschland gehören. Es ist absolut unsinnig, eine Ideologie oder eine Religion einem festen Landstrich zuzuordnen. In dem Fall hätte man die ca. 100 in Deutschland ausgeübten weiteren Religionen auch erwähnen sollen.

Diese Debatte ist von Anfang an falsch geführt. Ich wünsche mir eine Presse, die wenigstens mal darauf hinweisen würde, dass dieses Deutschland keine feste Größe ist oder war. Man denke nur an die letzten 200 Jahre. Aber nein, da werden großflächig bebilderte Zeitungsartikel geschrieben, die beweisen sollen, dass "der Islam" (unter sich zerstritten und in mörderische interne Kämpfe verwickelt) zu Deutschland gehört.

Man kann gewissermaßen vorhersagen, was einzelne Politiker dazu sagen werden. Frau Merkel wird sich auf das sogenannte christlich-jüdische Abendland beziehen. Doch was soll das gewesen sein? Bis weit ins 2. Jahrtausend gab es weder ein Deutschland noch ein christliches Fundament. Geschweige denn ein jüdisches. Nach wie vor gab es germanische und slawische Gottheiten und das Christentum wurde den meisten Gebieten militärisch aufgezwungen, bis sie sich 30 Jahre lang gegenseitig abschlachteten.

Dazu kommt die Unsitte, neuerdings die Menschen nach ihrer angenommenen Religionszugehörigkeit zu bezeichnen. Woher will man wissen, dass die hier lebenden Türken, Araber, Syrer alle Muslime sind? Und warum werden die hier lebenden Deutschen nur allzu oft als Christen bezeichnet, wo doch inzwischen statistisch festgestellt wurde, dass 35% der Deutschen konfessionslos sind?

Politiker sollten sich ans Grundgesetz halten. Religion ist Privatsache, sofern ihre Angehörigen nicht gegen das GG verstoßen. Dies öffentlich genau zu beachten, wäre hilfreich und oft genug notwendig.

Kommentare (14)

Klarsicht(ig) (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 14:28

„mittelbare Muslime“

Im Verhältnis zum Rechtssubjekt deutscher Staat hat jeder Bürger den Status, ein konstitutiver Teil von ihm zu sein. Da viele „konstitutive Teile“ Deutschlands (also viele Bürger, wahrscheinlich sogar die Mehrheit von ihnen) ganz klar sagen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, hat man es aufseiten der „Autoritäten“ Deutschlands und seiner sonstigen Bürger, die ständig mit ihrer gegenteiligen Meinung hausieren gehen, mit Lügnern zu tun, weil es ihnen doch bewusst und bekannt ist, dass die wirkliche Sachlage nicht so beschaffen ist, wie sie von ihnen immer wieder behauptet wird.

Da also viele Bürger nicht darin einwilligen und dem auch nicht zustimmen wollen, das der Islam zu Deutschland gehört, muss in den „Islamdebatten“ diesem Sachverhalt endlich auch Rechnung getragen werden. Es dürfte nur noch behauptet werden, dass im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Deutschlands die kleinere Anzahl seiner Bürger der Meinung ist, dass der Islam zu Deutschland gehört. Bei diesen Bürgern hat man es ganz klar mit dem Sachverhalt zu tun, dass sie es anerkennen, dass der Islam zu ihnen als Teil von Deutschland gehört. Diese Bürger müssen es sich dann auch gefallen lassen, dass man sie als „mittelbare Muslime“ bezeichnet. Die „unmittelbaren Muslime“ sind die Bürger, die ihren Lebensvollzug nach dem Inhalt der islamischen Ideologie ausgerichtet haben.

Siehe auch:Der Islam - egal welcher - gehört nicht zu Deutschland ! 
http://klarsicht-blog.blogspot.de/2016/06/der-islam-egal-welcher-gehort-nicht-zu.html

Gruß von
Klarsicht

Arnulf Hopf (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 14:59

Die Autorin kritisiert zu Recht. Ihre Sichtweise ist ungewohnt logisch. Was allerdings in ihrer Argumentation zu kurz kommt, ist eine Unterscheidung zwischen "Deutschland" als geografisches, kulturelles oder auch staatspolitisches Konstrukt.

agender (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 15:10

Zuerst die Tatsache: Wenn ich auf web.de (weil ich dort die DE-mail habe) etwas kommentiere, was entweder §§ 216, 217 u 218 oder einen Hinweis auf die Tatsache enthält, dass Deutschland ein säkularer Staat ist/sein sollte, so habe ich UMGEHEND ein "Dieser Kommentar wurde gesperrt" im email-Eingang!
Andere Kommentare (á lá "Ich kämpfe für meine Leute, und das sind LGBTQIA, unabhängig von der Herkunft") bringen mir höchstens ein "Gutmensch" ein, aber keine Sperre mit der legalistischen Ausschlussdrohungsformel.
Bei yahoo gibt es "nur" likes und dislikes, also keine Möglichkeit, meine Meinung unlesbar zu machen.
Fazit: Es gibt genügend Deutsche, die es darauf anlegen, sowohl uns Kirchenfreie unsichtbar zu machen, als auch für junge Leute, die das Pech haben in fanatische Gruppierungen hineingeboren werden (Evangelikale oder Muslime, in grossen Zahlen, dazu noch viele aus vielen kleinen Religionen) das Entkommen so riskant wie möglich zu machen - und Herr Seehofer sowie die AfD sind die pressezitierten Meinungsmacher dafür!

Roland Weber (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 16:59

Alles richtig und alles wurde schon geschrieben - u.a. auch von mir. Um diesen Unsinn als Unsinn zu erkennen, muss man kein/e Geistesgigant/in sein, sondern nur verstehen, welche Süppchen da immer wieder gekocht werden. Denken verbraucht mehr Energie als Muskelarbeit, deshalb gehen die meisten Menschen bis heute evolutionsgeprägt äußerst sparsam mit diesem Energieverbrauch um ... und man kann jede Woche nahezu das Gleiche schreiben. Diejenigen, die sich Gedanken machen sollten, sind hier ja erst gar nicht zu finden!

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 20:35

Richtig muss es heißen: Religion "sollte Privatsache sein", aber davon sind wir Lichtjahre entfernt, angefangen vom grundgesetzlich garantierten Religionsunterricht über die staatlichen Bekenntnisschulen bis zum eigenen Staatskirchenrecht, das die Kirchen zum Staat im Staate macht. Es ist noch ein langer mühsamer Weg bis zu dem Punkt, wo Religion in Deutschland tatsächlich Privatsache ist.

Norbert Schönecker (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 20:48

Dass Religion Privatsache sei, ist völlig falsch. Ich kenne keine einzige ernsthafte Religion, die sich selbst als Privatsache versteht. Das gilt gleichermaßen für monotheistische und polytheistische Religionen wie auch für den Buddhismus. Jede Religion verlangt von ihren Mitgliedern, dass deren Glauben sichtbare Auswirkungen in ihrem Leben hat. Auch in der Öffentlichkeit. Also: Keine Privatsache.

Manche verstehen unter dem Satz "Religion ist Privatsache" nur, dass jeder Mensch selbst entscheiden dürfe, was er glaubt und wie er seinen Glauben lebt. Das würde ich auch unterstützen. Aber entspricht das wirklich dem Satz?
Würden Sie dem Satz zustimmen: "Politik ist Privatsache"? Wahrscheinlich eher nicht. Obwohl Sie sicher die Meinung vertreten, dass jeder Mensch selbst entscheiden dürfe, welche politische Meinung er vertritt.

Deshalb sage ich: Religion ist genausoviel oder genausowenig Privatsache wie Politik.

Ansonsten aber finde ich den Artikel durchaus gut. Besonders gefällt mir die weite historische Perspektive. Ich bin immer dafür, den Blick von der Tagespolitik auf einen größeren Horizont zu lenken. Das ist Frau Sander vortrefflich gelungen.

Hallo Herr Schönecker,

Dagmar Fenner schreibt in Ihrem Buch "Religionsethik" auf S. 36 zur Privatsphäre:

Anders als die Trennung von Kirche und Staat stellt die Privatisierung der Religion kein notwendiges Strukturmerkmal der Moderne dar, obschon sie in vielen europäischen Gesellschaften zu beobachten ist. Die "Privatheit" der Religion ist lediglich im Sinn der soeben erläuterten Trennung von Religion und Staat konstitutiv für die Moderne, wenn damit der Schutz des persönlichen Gewissensentscheids und der Religiosität der Einzelnen vor staatlicher Einmischung in Form von Drohung oder Zwang gemeint ist. Meist wird unter "Privatisierung" aber darüber hinaus die Abdrängung der Religion in die Privatsphäre verstanden. Dabei führt die Rede von "Sphäre" des Privaten und Öffentlichen aufgrund der räumlichen Metaphorik leicht in die Irre, sofern die eigene Haustür als Grenze des privaten Raums betrachtet wird. Während es nämlich öffentlich relevant ist, dass jemand in seiner Privatwohnung illegale Drogengeschäfte abwickelt, geht es niemandem etwas an, ob und mit wem jemand im öffentlichen Park spazieren geht. Inhaltlich gesprochen umfasst aber die juristisch gestützte private Sphäre Familie, Ehe oder Freundschaftsbeziehungen, die Befriedigung elementarer Bedürfnisse, Sexualität, Gedanken- und Gefühlswelt, Krankheiten und Gebrechen eines Individuums. In diesem Sinn meint die Privatisierung der Religion den Rückzug auf den Bereich der Familie, des persönlichen Innenlebens und individuellen Lebensstils. Demgegenüber meint die öffentliche Sphäre als Komplementärbereich zur Privatsphäre die soziale Sphäre mit der Regulierung des sozialen Zusammenlebens, in der die Menschen nicht als Privatpersonen, sondern in einer sozialen, gesellschaftlichen oder politischen Rolle agieren.
Eine im inhaltlichen Sinn auf die Privatsphäre begrenzte Religion schließt nun keineswegs Versammlungen von Gläubigen als Privatpersonen in der Öffentlichkeit zwecks gemeinsamer religiöser Feste oder ritueller Praktiken aus, die vielmehr vom Recht auf Religionsfreiheit gedeckt sind. In Frage stehen nur religiös motivierte Reden und Aktionen von Gläubigen in ihrer gesellschaftlichen oder politischen Rolle. Fälschlicherweise wird in liberalen westlichen Gesellschaften die öffentliche oder soziale Sphäre oft mit der politischen gleichgesetzt, obwohl sie neben der Politik auch noch die Zivilgesellschaft als gesellschaftliche Späher zwischen Saat und Familie etwa mit Bürgerinitiativen und NGOs umfasst.

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Norbert Schönecker (nicht überprüft)

Mo. 26 Mär 2018 - 11:12

Antwort auf von Ockham (nicht überprüft)

S.g. Ockham!

Danke für diesen hilfreichen Hinweis!

Ulrich Bock (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 21:23

Das nicht alle Flüchtlinge aus der Türkei und den arabischen Ländern Moslem sind, ist mir klar. Viele Menschen fliehen, weil sie Christen sind. Einige, weil sie sich vom Islam abgewandt haben und Atheisten geworden sind. Diese Menschen sind besonders gefährdet. Für den Abfall vom Glauben folgt die Todesstrafe.

Carola Dengel (nicht überprüft)

Mi. 21 Mär 2018 - 21:50

Noch nie gab es so viele Frauen in einer Bundesregierung incl. Kanzlerin und als Basis unserer Gesellschaftsordnung werden uns per Regierungserklärung die drei patriarchalischen monotheistischen Religionen serviert. Ich fühle mich aus diesem Lande exkommuniziert.
Vorbei die Zeit der Bekenntnisse zur Aufklärung, zum Humanismus, zu den vielen Emanzipationsbewegungen, die unsere heutige Gesellschaft ermöglicht und geprägt haben. Es ist eine neue Ära der Konfessionalisierung über uns hereingebrochen worden als Antwort und unter Ausnutzung der Religiösifizierung durch muslimische Einwanderer, die aus Gesellschaften und Staaten kommen, die keine Trennung von Staat und Religion kennen, keine Menschenrechte, geschweige denn die Gleichheit von Mann und Frau als Basis ihrer Gesellchaft zu sehen bereit sind.
Die im GG garantierten individuellen Freiheitsrechte werden ausgeschöpft, um Werte und Regeln archaischer patriarchalischer Scham- und Schleier-Kulturen durchzusetzen, um letztlich ein System der Geschlechter-Apartheid zu propagieren und durchzusetzen.

Helmut Steinbacher (nicht überprüft)

Do. 22 Mär 2018 - 00:57

Man merkt bei ihrem gutgemeinten Kommentar, dass tieferes Wissen über die angesprochene Religion fehlt, Marke: Alle Religionen sind gleich, alles ist gut.

Resnikschek Karin (nicht überprüft)

Do. 22 Mär 2018 - 08:29

Gut gebrüllt Löwin! Aber was tun gegen die Realität: früher waren die Kirchen gegen die Politisierung des Glaubens. Heute sind sie der größte - politisch agierende - Lobbyist. Langer Atem ist gefragt. Und das Proklamieren: die Freiheit von Religion ist ein Menschenrecht (AEM § 18) einschl. der Befreiung von der Bevormundung durch die Kirchen. Freiheit von Religion - das wollen die Religiösen, bes. die Katholiken nicht hören. Das aber ist so unendlich wichtig für die Menschheit. Als Alternative zur Religionenvielfalt. Und es steht im GG Art. 3 und 4. Zu indirekt, zu verschwurbelt. Also nochmals: Freiheit von Religion - selbstverständlich in Verbindung mit Verantwortung für Welt und Menschheit.
Karin Resnikschek, Tübingen

Gernot (nicht überprüft)

Do. 22 Mär 2018 - 08:40

Da kann man nur zustimmen!! Religion Privatsache! Staat von Religion getrennt! Nun, nur noch umsetzten! Alle Finanziellen Bevorteilungen der christlichen Kirchen kappen (z.B.: über 98% aller Kosten kirchlicher Einrichtungen wie Caritas oder Krankenhäuser werden staatlich finanziert), alle Christlichen Institutionen, Meinungsbildnern und sonstigen Lobbyisten aus den Schaltzentralen der Demokratie entfernen (Z.B. Rundfunkrat, Ethikrat usw.) …… und wer weiß, vielleicht wird dann endlich das humanistische Utopia möglich!/?

Thomas B. Reichert (nicht überprüft)

Do. 22 Mär 2018 - 22:07

Religion ist KEINE Privatsache - war es nie und wird es nie sein. Religion ist Politik, also ein Macht- und Herrschaftssystem.
Das gutgläubige Kind wird zuerst in staatlichen Schulen indoktriniert - später durch Staatsfernsehen (Gottesdienste, Jesus-Dokus ...) Und ewig lächelt die Macht und das Geld der Kirchen, von dem das Volk natürlich auch ein wenig ab haben möchte und so belügen sich die Menschen untereinander und singen anschliessend "Halleluja - preiset das Licht, preiset die Weisheit - preiset unser kollektives Über-L.ich.t"
P.S. Das Christentum ist nichts anderes als ein rom..... ein romantisierter Opferkult!

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