Klares Bekenntnis zur weltanschaulichen Neutralität des Staates gefordert

Aktionstag gegen Söders Kreuz-Verordnung

Pünktlich zum Inkrafttreten der neuen Kreuz-Verordnung in Bayern am Freitag, dem 1. Juni 2018, veranstalten die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und der Bund für Geistesfreiheit (bfg) einen "Aktionstag für ein weltoffenes Bayern und einen weltanschaulich neutralen Staat". Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly hat hierzu eine Karikatur von Markus Söder gezeichnet, der mit einer Säge das deutsche Grundgesetzbuch auf Kreuzform zurückgeschnitten hat. Am Wochenende wird das Söder-Plakat in München vielerorts zu sehen sein.

Die von der gbs unterstützte Aktionsgruppe "Das 11. Gebot", die im vergangenen Jahr mit ihrem "nackten Luther" für Furore sorgte, wird am Freitag mit dem Plakat sowie der Skulptur "Der Quengel-Bischof" durch die Fußgängerzone ziehen, während ein PR-Car mit dem Söder-Plakat von Freitag bis Dienstag durch die Münchener Innenstadt fahren und an symbolträchtigen Orten haltmachen wird. Für Presseanfragen und Fotos gibt es am Freitag folgende Gelegenheiten:

  • 09:30 Uhr: Marienplatz/Dienerstraße (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof + PR-Car)
  • 13:30 Uhr: Max-Joseph-Platz/Residenzstraße (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof)
  • 14.00 Uhr: Ecke Hofgartenstraße/Franz-Josef-Strauß-Ring: Bayerische
    Staatskanzlei (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof)
  • 17:00 Uhr: Marienplatz/Dienerstraße (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof + PR-Car)

Bei dem Termin um 14.00 Uhr an der Bayerischen Staatskanzlei soll dem bayerischen Ministerpräsidenten ein besonderes Präsent überreicht werden. Ob Markus Söder der Einladung folgen und die angebotene Möglichkeit zur Aussprache nutzen wird, ist nicht bekannt.

Abendveranstaltung mit dem Aktionskünstler Wolfram Kastner

Begleitend zum Aktionstag findet am Freitagabend um 19.30 Uhr in der Münchner Seidlvilla (Nicolaiplatz 1b) eine Veranstaltung mit dem Aktionskünstler Wolfram Kastner statt. Anlass hierfür ist die Herausgabe des Buches "Nicht ich provoziere, sondern die Zustände provozieren mich", in dem Kastners kritische Kunstaktionen zur deutschen Erinnerungskultur gewürdigt werden. Bei der Veranstaltung wird es aber sicher auch um den Widerstand gegen "Söders Kreuzzug" gehen, zumal Wolfram Kastner, etwa mit seiner Aktion "Papst und Hitler", die gefährliche Verquickung von Staat und Religion in seinen künstlerischen Interventionen immer wieder thematisiert hat.

Ein Verstoß gegen das Gebot der weltanschaulichen Neutralität

Die Veranstalter des Aktionstages, der bfg München, der bfg Bayern und die Giordano-Bruno-Stiftung, hatten den Beschluss des bayerischen Ministerpräsidenten, Kreuze in den öffentlichen Einrichtungen seines Landes aufzuhängen, bereits im April als "klaren Verstoß gegen das Gebot der weltanschaulichen Neutralität" kritisiert. In dem Zusammenhang forderte Assunta Tammelleo, stellvertretende Vorsitzende des bfg München, "die bayerische Staatsregierung auf, den Beschluss zurückzunehmen. Ansonsten werden wir als Humanisten und Konfessionsfreie alle Mittel einsetzen, um das Anbringen von Kreuzen zu verhindern." gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon sprach im Hinblick auf Söders Kreuz-Verordnung sogar von einem "Verfassungsbruch, den wir nicht klaglos hinnehmen werden! (…) Wir werden die entsprechenden Verfahren mit unseren erfahrenen Juristinnen und Juristen vom Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) begleiten und es wird uns eine Freude sein, die Prinzipien des liberalen Rechtsstaats gegen Söders Rechtspopulismus ins Feld zu führen."

Erstveröffentlichung auf der Webseite der GBS.

Kommentare (9)

Chris (nicht überprüft)

Mi. 30 Mai 2018 - 17:06

Ich habe selten eine so treffsichere Karikatur gesehen - genialer Einfall!!

Art Vanderley (nicht überprüft)

Mi. 30 Mai 2018 - 21:57

Super. Söder hält ein Stöckchen hin und die Atheisten springen in Scharen drüber.

tiberio (nicht überprüft)

Do. 31 Mai 2018 - 12:34

Antwort auf von Art Vanderley (nicht überprüft)

Fake-Kommentar. Erstens springt kein geistig normaler Mensch über Söders Stöckchen. Zweitens würden dann reihenweis auch sog. christliche-Werte-Christen, Juden, Muslims, Hindus, Buddhisten ... usw. drüber "springen".

Kay Krause (nicht überprüft)

Do. 31 Mai 2018 - 12:45

Antwort auf von Art Vanderley (nicht überprüft)

Nun ja, lieber Art Vanderley, aber Frage: wie hätten Sie's denn gerne?
Sind Sie etwa der Meinung, dass wir Staatsbürger grundsätzlich alles so hinnehmen sollen, wie es von katholischer Kirche und katholischer Politik auf uns heruntergeschüttet wird? Sind Sie so ein Obrigkeits-Anhänger? Wir Atheisten, wie Sie uns pauschal nennen, also wir aufgeklärten FreidenkerTUN wenigstens etwas gegen diese bigotte Söderei! Ja, wir reißen das Maul auf, wenn wir schon wieder religiös vergewaltigt werden sollen! Und ich denke, unsere Zahl müßte viel größer sein, und wir müßten das Maul viel ofter und viel weiter aufreißen! Kommentare wie der Ihre tragen keinesfalls dazu bei, die Macht dieser unseligen Glaubens-Konzerne auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.
So, und nun können Sie mir das Stöckchen hinhalten (Wahnsinnig witzig!)

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Do. 31 Mai 2018 - 14:55

Antwort auf von Art Vanderley (nicht überprüft)

Ich kann zwar Ihre Worte zwar als syntaktisch korrekt parsen, sie aber nicht semantisch dechiffrieren.

Lieber Stefan Dewald! Können Sie auch syntaktisch- semantisch dechiffrierte Kommentare schreiben? Die Anzahl der interessierten Leser, die diese dann auch verstehen , würde sich schlagartig um 100% erhöhen!
Nein, Sie müssen mir keine Übersetzung schicken, ich habe ein Wörterbuch.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Do. 31 Mai 2018 - 00:49

Schön!

Art Vanderley (nicht überprüft)

Do. 31 Mai 2018 - 20:58

@Kay Krause @tiberio
Zunächst hab ich gar damit gerechnet, daß der Kommentar überhaupt erscheint, überraschend offen von hpd.
Und natürlich war das eine Provokation, ich bitte, auch daran zu denken, daß Söder zu denen gehört, die gerne Andere mit irgendwelchem Zeug beschäftigen, an das sie selber nicht glauben und die sich über die Reaktionen dann heimlich ins Fäustchen lachen.
Gegen Reaktionen habe ich überhaupt nichts einzuwenden, schön, wenn der Diskurs etwas angekurbelt wird. "Bigotte Söderei", trifft es denn auch verbal auf den Punkt.
Hauptgrund für Söders Kreuzlichkeiten ist aber die Wahl, er denkt wohl, sich bei den ach so christlichen Bayern einschleimen zu können.
Inhaltlich dagegen halten? Ja- aber es ist hilfreich, sich viel stärker klarzumachen, von wem das Ganze kommt und warum.

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