Sherif Gaber

"Ich will jemand sein, der die Leute zum Nachdenken anregt"

Sherif Gaber in einem seiner Videobeiträge

Der ägyptische Blogger und Aktivist Sherif Gaber wird seit mehreren Jahren wegen seiner religionskritischen Haltung von Islamisten bedroht. In einem Video erklärt er, warum er sich nicht einschüchtern lässt und warum er weiterhin für die Meinungsfreiheit kämpft.

Seit 2015 betreibt Sherif Gaber einen YouTube-Kanal mit derzeit über 165.000 Abonnenten und zählt damit zu den bekanntesten Religionskritikern in Ägypten. In seinen millionenfach aufgerufenen und heiß diskutierten Videobeiträgen setzt er sich kritisch mit dem Islam auseinander und spricht über Menschenrechte, Wissenschaft und Philosophie. 

In Ägypten ist dies keine ungefährliche Angelegenheit: Vor wenigen Wochen wurde er von den Behörden festgenommen, als er aus dem Land ausreisen wollte. Vorausgegangen war eine Anzeige der islamistischen Al-Nour Partei, die den 25-Jährigen wegen "Blasphemie" hinter Gittern sehen will. Vier Tage später meldete er in einer kurzen Mitteilung seine Freilassung. Die Zeit in Haft seien die schlimmsten Tage seines Lebens, ja die "Hölle" gewesen.

Seitdem sind mehrere Wochen vergangen, in denen nichts mehr von Gaber zu hören und zu sehen war. Zwischenzeitlich wurde auch seine Website vom Netz genommen. 

Gegen den Fanatismus und für die Freiheit

Seit gestern gibt es jedoch ein neues Video von dem jungen Aktivisten. Darin erklärt er, warum er trotz der anhaltenden Lebensgefahr nicht vor den religiösen Fanatikern kapituliert und sich weiterhin in seinen Beiträgen für die freie Meinungsäußerung einsetzen will: "Ich liebe es, Videos zu machen. Und ich will jemand sein, der die Leute zum Nachdenken anregt", so Gaber.

Den Preis, den er dafür bezahlen muss, nehme er bewusst in Kauf. Denn mit seinen Videos habe er einen spürbaren Einfluss auf die reale Welt, in der offene Religionskritik bislang zur Seltenheit gehörte: "Ich habe Nachrichten von Leuten erhalten, die sich ISIS und anderen terroristischen Organisationen anschließen wollten. Und wegen meiner Videos fingen sie an, an allem zu zweifeln, was sie für die Wahrheit hielten. Also höre ich nicht auf und erstelle mehr Videos." 

Auch in der Gesellschaft insgesamt sei ein Wandel festzustellen. Das politische System in Ägypten sei längst instabil geworden und werde zwangsläufig fallen, da es auf Einschüchterung und Verfolgung statt auf Wissenschaft, Logik und Liebe aufbaue.

"Lasst Sherif nicht alleine kämpfen!"​

Angesichts der anhaltenden Gefahr und Isolation, in der sich Sherif Gaber befindet, hat der Islamkritiker und Politologe Hamed Abdel-Samad zur Solidarität aufgerufen: "Dieser junge Mann verdient Unterstützung von allen, die an Freiheit und Menschlichkeit glauben. Lasst Sherif nicht alleine kämpfen! Seid nicht gleichgültig! Verliert nicht die Hoffnung!"

Sherif Gaber selbst bittet unter seinem neuen YouTube-Video um Spenden. Nur so habe er die Möglichkeit, qualitativ hochwertige Beiträge in regelmäßigen Abständen zu produzieren. 

Kommentare (9)

Roland Fakler (nicht überprüft)

Do. 5 Jul 2018 - 13:14

Vor 200 Jahren hatten wir das Problem in Europa. Es hat viel Blut und Tränen gekostet. Nun müssen die Muslime ihre Welt verändern. Go on that way! You are on the right track! I wish you good luck!

Hallo, ich bin Araber. Ich habe alle Videos von scharif gesehen. Er ist Lüger und nicht sachlich. Wir haben viel Problem in unsere Länder, kein Demokratie, kein Freiheit und Kriege. Doppelgänger von scharif ist nur ein neues Problem von unseren Probleme.
Er ist einfach belanglos. Er hilft deine Land nicht.

@Akbasha Lieber Akbasha
Was Sherif sagt, ist hier längst bekannt:
Die religiöse Indoktrination prägt die Menschen in den islamischen Staaten.
Sie entwickeln ein Feindbild gegen Ungläubige und Andersgläubige
Es gibt keine Meinungsfreiheit, vor allem darf die Religion nicht kritisiert werden.
In den Gefängnissen herrschen katastrophale Verhältnisse.
Homosexuelle werden in islamischen Staaten diskriminiert, in vielen verfolgt.
Man beruft sich dabei auf das Alte Testament. Im Islam war Homosexualität bis in die Kolonialzeit kein Problem. Die christlichen Kolonialmächte haben es mitgebracht.
Das größere Problem für die Behörden dürfte sein, dass Sherif Atheist ist.
Atheisten werden in Ägypten verfolgt wie Verbrecher. Siehe dazu: https://hpd.de/artikel/aegypten-atheismus-verboten-15139
Sherif macht auf mich einen sehr glaubhaften, wachen und intelligenten Eindruck.
Er versucht, sich mit Informationen aus wissenschaftlichen und philosophischen Büchern von der Enge des indoktrinierten Glaubens zu befreien.
Das würde ich dir auch empfehlen: Lese auf HPD.de oder geh auf meine Seite: rolandfakler.de
Die Religionen schaffen Grenzen zwischen den Menschen, wo es keine gibt. Wer den Menschen Informationen vorenthält muss einen Grund dafür haben: Er will sie beherrschen.
Informiere dich von allen Seiten und werde ein Mensch, kein Blindgläubiger!

Kay Krause (nicht überprüft)

Do. 5 Jul 2018 - 14:31

Meine Hochachtung, lieber Sherif!
aber Sie wissen sicher, dass nicht nur der IS, sondern auch der katholische Geheimdienst "Opus Dei" mit dem Messer hinter Ihnen steht? Auch diese Leute haben Religionskritik gar nicht gerne und schrecken vor nichts zurück.
Deren Untaten liest man nur nicht jeden Tag in der Zeitung!

David Z (nicht überprüft)

So. 8 Jul 2018 - 12:09

Antwort auf von Kay Krause (nicht überprüft)

Die Organisation "Opus Dei" kann man mit gutem Argumenten kritikwūrdig finden, nicht zuletzt auch wegen ihrer Nähe zu faschistischen Regimen, zumindest in der Vergangenheit.

Aber hier einen direkten Vergleich zum massenmordenden IS bzw dessen messerschwingenden Anhängern zu ziehen ist unredlich und mehr als unangebracht.

Christ-Off (nicht überprüft)

Do. 5 Jul 2018 - 14:48

Siehe in diesem Zusammenhang auch unseren Offenen Brief vom 5.1.2018 an die Botschaft der Arabischen Republik Ägypten, den wir zu diesem Artikel auf der Facebook-Seite der "Säkulare Aktivisten" noch einmal veröffentlichen.

Wolfgang (nicht überprüft)

Fr. 6 Jul 2018 - 16:01

Wenn jemand zum Nachdenken anregen möchte, steht er auf Glas. Denn das schwierigste
bei jeder Religon ist das Problem, die Gläubigen wollen gar nicht Denken. Denn Denken ist der Todfeind jeder Religion. Das weiß auch der Papst. Darum wird Denken fast als Todsünde angesehen.

David Z (nicht überprüft)

Sa. 7 Jul 2018 - 07:21

Sollte es jemals gelingen, den Islam zu säkularisieren, wird dies nicht in Europa passieren. Es wird durch mutige Menschen wie Sherif geschehen, die die Denkstruktur direkt in den Kernstaaten der islam. Welt aufbrechen.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Sa. 7 Jul 2018 - 13:00

Wenn es mehr Menschen wie Sheriff gäbe wäre die Welt schneller am notwendigen Weltfrieden. Solche Menschen wie er sollten die Politik in ihrem Land bestimmen
und dies gilt für alle religiösen Weltanschauungen überall. Aber ich bin sicher, dass es
eines Tages so kommen wird, da die Menschheit keine andere Überlebenschance hat.

Florian Chefai

Hier sollte eine kurze Beschreibung des Autors bzw. der Autorin stehen. Die Autoren sind noch nicht angelegt, weil im Rahmen der Migration diese Daten nicht zuverlässig aus dem Freitext-Inhalt zu extrahieren sind.

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