Der homophobe Papst

Jorge Mario Bergoglio
Jorge Mario Bergoglio

STEISSLINGEN. (hpd) Der Heilige Stuhl akzeptiert den französischen Diplomaten Laurent Stefanini nicht – wegen dessen sexueller Orientierung. Er ist im Übrigen nicht der erste Schwule, der von einer homophoben Lobby im Vatikan verhindert worden ist.

Noch mehr: Die französische "Journal du Dimanche" will sogar wissen, dass Papst Franziskus persönlich ein Machtwort gegen den Diplomaten gesprochen hat. Dieser soll im Übrigen ein bekennender Katholik sein. Und von 2001 bis 2005 war Stefanini bereits Botschaftsrat und damit zweiter Mann in der Vertretung am Heiligen Stuhl gewesen.

Präsident Hollande hatte ein Zeichen setzen wollen, als er Anfang 2015 Stefanini zum Botschafter Frankreichs beim Heiligen Stuhl nominierte. Er hätte hoffen können, dass seine Entscheidung nicht als Provokation missverstanden würde. Immerhin hatte Papst Franziskus 2013 vor Journalisten gesagt: “Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht, wer bin dann ich, um darüber zu urteilen?”

Es ist anders gekommen. Und wir erfahren erneut: Sonntagspredigten zum Fenster hinaus und konkreter päpstlicher Alltag sind auch bei Franziskus zwei paar Stiefel. Er hat nun einmal gelernt, wie er sich zu verhalten hat, um ins Bild zu passen. Unverhohlene Homophobie ist allemal nützlicher als ein wenig Verständnis für Schwule und Lesben. Denen bleiben die Türen verschlossen, zumindest wenn sie von außen kommen. Im Vatikan selbst finden sich ja schon genug Homosexuelle.

Noch eins: Die Türen zum Heiligtum der vatikanischen Diplomatie fand jene deutsche Politikerin weit offen, die ihren Doktortitel wegen einer plagiierten Dissertation hatte drangeben müssen. Andreas Kissler im September 2014: "Dass die Bundesrepublik Deutschland als ihre neue Botschafterin dem Vatikan eine überführte und uneinsichtige Plagiatorin präsentierte, zeigt dreierlei: das geringe Ansehen dieses Postens, das fehlende Renommee der Geisteswissenschaften und die moralunempfindliche Zähigkeit politischer Seilschaften." Was solls? Annette Schavan wurde mit tatkräftiger Unterstützung der Bundeskanzlerin auf den Posten der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl gehievt. Die Schande, die sie in ihrer Promotion auf sich geladen hatte, wog offenbar nichts im Vergleich mit der grundsätzlichen Schande eines Schwulen. Hoffentlich entpuppt sich Frau Schavan nicht noch als Lesbe. Dann erst wäre ihr Maß wirklich voll.

Kommentare (11)

Exilregierung … (nicht überprüft)

Fr. 10 Apr 2015 - 17:41

Ich gründe hiermit die Exilregierung des Vatikan und erkenne den Botschafter Laurent Stefanini feierlich an. Ich würde mich freuen, den neuen Botschafter in Hamburg begrüßen zu dürfen. Der Kontakt kann sicherlich über den hpd vermittelt werden.

Ziel der Exilregierung ist die Abschaffung der Diktatur und Einführung von Menschenrechten und Demokratie im Vatikanstaat und langfristig eine Wiedervereinigung mit Italien.

hpd schreibt:
„Papst Franziskus persönlich ein Machtwort gegen den Diplomaten gesprochen hat. Dieser soll im Übrigen ein bekennender Katholik sein.“
Ach, der Franziskus soll Katholik sein? Na, dann wundert mich das auch nicht.

Wolfgang (nicht überprüft)

Sa. 11 Apr 2015 - 08:01

Der Stellvertreter Gottes auf Erden vermag nichts. Er verhindert keinen Krieg, Hungersnöte lassen ihn kalt, Gewalt und Mord interessieren ihn nicht und wenn mal die Kacke ganz schön am Dampfen ist, heißt es:
"Lasset uns beten!" Aber der Penis stellt eine Gefahr für den Vatikan dar, solche Gefühle haben in der RKK nichts zu suchen. Wie lange will der Vatikan noch weiter schwurbeln, wie viele sollen noch austreten, bis die Vernunft und die Menschlichkeit im Vatikan einzieht? Ich habe absolut keinen Respekt vor der Kirche und den Theologen, denn im Namen eines Kreuzes sind zu viele Menschen hingerichtet worden.

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Sa. 11 Apr 2015 - 11:48

Wozu braucht man überhaupt einen Botschafter in einem Staat, der kein Land hat, der keine produktive Wertschöpfung hervorbringt und noch nicht einmal demokratisch ist?

Land hat der Vatikan, wenn auch recht wenig, die Wertschöpfung ist auch bei anderen Staaten nicht hoch und Demokratie herrscht in vielen Staaten nicht. Frankreich betreibt auch Botschaften in Monaco (klein), Guinea (arm) und Saudi-Arabien (undemokratisch). Es gibt allerdings andere Eigentümlichkeiten des Vatikan: Z.B. ist mir kein anderer Staat ohne Geburtenrate bekannt. Nicht nur alle bisherigen Einwohner, sondern auch alle zukünftigen haben also Migrationshintergrund.

David (nicht überprüft)

Sa. 11 Apr 2015 - 21:30

" Die Türen zum Heiligtum der vatikanischen Diplomatie fand jene deutsche Politikerin weit offen, die ihren Doktortitel wegen einer plagiierten Dissertation hatte drangeben müssen."

Nicht nur das.

Kirche und Faschismus | Karlheinz Deschner, Kirchenkritiker:
https://www.youtube.com/watch?v=fwOYhE7pii4

Was den Vatikan ausmacht, ist mir wohl bekannt. Im Übrigen bin ich der einzige deutsche Autor, mit dem zusammen Karlheinz Deschner ein Buch geschrieben hat. Unser "Antikatechismus. 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt" wird in wenigen Wochen neu erscheinen, im tectum-Verlag von Heinz-Werner Kubitza. Sie können sich schon freuen: Da ist dann alles gesagt.

Pyniker (nicht überprüft)

So. 12 Apr 2015 - 10:31

Die RKK ist gegen Homosexualität? Das sollte schon seit mehr als 2000 Jahren bekannt sein. Wenn sich jemand nicht mit Leuten umgeben will die ihm "zuwider" sind, muss man das respektieren. Jeder Staat hat das Recht Botschafter als Persona non grata zu erklären. Ob der Vatikan überhaupt ein Staat ist, sei mal dahingestellt.
Viel interessanter finde ich, wenn es stimmt:" ..gegen den Diplomaten gesprochen hat. Dieser soll im Übrigen ein bekennender Katholik sein." Wie kann ich als Homosexueller bekennender Katholik sein? Oder als bekennender Katholik homosexuell?
Warum wollen Frauen Priester werden? Haben sie nie ihr "heiliges" Buch gelesen?
Warum wollen Menschen Mitglied oder Zugehörig zu einer Organisation sein, von der sie abgelehnt werden?
Für mich hört sich das in etwa so an, als ob Farbige unbedingt Mitglied im Ku-Klux-Klan sein wollen.

David (nicht überprüft)

Mo. 13 Apr 2015 - 09:26

Antwort auf von Pyniker (nicht überprüft)

"Wenn sich jemand nicht mit Leuten umgeben will die ihm "zuwider" sind, muss man das respektieren."

Nun, Menschen haben das Recht, innerhalb der Gesetzte ihres Vereins, Gesellschaft, Staates, so zu handeln, wie sie es für richtig halten. Aber ob man das respektieren muss, ist dann doch eine andere Frage würde ich meinen.

Ihren zweiten Gedanken teile ich: Ich werde zB. wohl auch nie verstehen, wie sich Frauen freiwillig dem Islam zuwenden können. Vermutlich liegt es daran, dass wir die Sache rein rational betrachten.

Exilregierung … (nicht überprüft)

Mo. 13 Apr 2015 - 10:40

Antwort auf von Pyniker (nicht überprüft)

Menschen verhalten sich nicht immer logisch.

In das System der Kirche passt das durchaus: Die Kirche denkt sich allerlei Verbote aus, die im Jenseits zu üblen Strafen führen (Bibel, Katechismus). Die Kirche benennt sich dann als einzige Organisation, die von diesen Strafen im Vorhinein befreien kann, so dass sie benötigt wird. Ist doch logisch, oder?

Dann müssen die Vorschriften natürlich noch so sein, dass sie unmöglich einzuhalten sind: Mann und Frau dürfen keinen Sex haben, es sei denn zur Kinderzeugung, die Singels dürfen nicht onanieren und die Gleichgeschlechtlich orientierten dürfen am besten gar nicht erst gleichgeschlechtlich orientiert sein. Vielleicht verbietet die Kirche in Zukunft ja auch noch die „befleckte“ Empfängnis und schreibt künstliche Befruchtung vor.

Siegbert (nicht überprüft)

Mo. 13 Apr 2015 - 20:05

Antwort auf von Pyniker (nicht überprüft)

Ich denke, die Antwort auf solche Fälle liegt darin begründet, dass die Betroffenen sich nicht von dem, was ihnen Heimat und Zugehörigkeit vermittelt, lösen können. Katholiken und Katholikinnen, die die Frauenordination und die Aufhebung des Zölibats wünschen, wird oft gesagt, sie sollten doch zur evangelischen Kirche wechseln, wo es genau das gibt. Aber das wollen sie nicht. Wenn man sie fragt, warum, dann kommt als einziges Argument, dass sie das eben nicht wollen, weil das was anderes sei. Soll heißen: Da fühle ich mich nicht zugehörig. Obwohl sie doch da bei Gesinnungsgenossen wären. Aber die Gesinnung besteht weniger aus dem, was sie an äußerlichen Bedingungen möchten, als aus dem, wo sie indoktriniert worden sind. Das zeigt meiner Ansicht nach die Stärke der Indoktrination. Die Leute können noch so intelligent und intellektuell sein, sie kommen davon fast niemals weg, siehe z.B. Hans Küng. Das macht auch die Tragik und die Stärke des Leids von Menschen aus, die homosexuell veranlagt sind, aber in einer homophoben Umgebung aufwachsen, oder von Opfern sexualisierter Gewalt, für die der Vergewaltiger die Gottfigur oder Familienangehöriger ist, auf den man als Kind angewiesen ist.

Horst Herrmann

Horst Herrmann, (geb. 1940), Studium der kath. Theologie und der Rechtswissenschaften in Tübingen, München, Bonn und Rom, Dr. theol., Habilitation, 1971-1981 ord. Professor des Kirchenrechts in Münster, 1975 Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis, 1977 auf Vorschlag von Heinrich Böll Mitglied des PEN, 1981-2005 ord. Professor der Soziologie in Münster, über 200 wissenschaftliche (patriarchats- und religionskritische) und belletristische Veröffentlichungen, Tätigkeit als Herausgeber, Vorträge im In- und Ausland, zahlreiche Einladungen zu Rundfunk und Fernsehen, 60 Bücher (z.T.

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