Großbritannien
Magischer Klimbim: Die Krönung des britischen Monarchen
© House of Lords 2022 / Photography by Annabel Moeller on wikimedia commons CC BY 2.0
Morgen findet in London die Krönung des neuen britischen Königs Charles III. statt. Begleitet wird das Ereignis von einer Vielzahl magisch-religiöser Rituale.
Millionen von Zuschauern werden morgen weltweit per Stream und Fernsehübertragung der Krönung von Charles III. in der Westminster Abbey beiwohnen. Ein Ereignis, das man ob seines Pomps und seiner magisch-religiösen Aufladung heutzutage eher in einem Fantasyroman als in der Realität vermuten würde.
Zur Religion steht der britische Monarch traditionell in einer ganz besonderen Beziehung, er ist "Verteidiger des Glaubens und oberster Statthalter der Kirche von England", sprich: er ist selbst das Oberhaupt der Kirche. Eine Konstruktion, die auf Heinrich VIII. zurückgeht. Bevor Heinrich im 16. Jahrhundert begann, seine unliebsam gewordenen Ehefrauen enthaupten zu lassen, versuchte er, selbige auf geschmeidigere Weise loszuwerden: Er bat den Papst in Rom um eine Annulierung der Ehe. Als der sich weigerte, sagte sich Heinrich kurzerhand von Rom los und erklärte die Kirche von England für unabhängig. 1534 wurde mit dem Act of Supremacy die päpstliche Autorität in England formell abgeschafft und Heinrich zum Oberhaupt der Kirche von England erklärt. Ein Amt, das seit jener Zeit zur Jobbeschreibung des englischen und später britischen Monarchen zählt. Auch Charles' Mutter Elizabeth II. legte bei ihrer Krönung 1953 den Schwur ab, "der Kirche von England sowie deren Lehre, Gottesdienst, Disziplin und Regierung, wie sie in England gesetzlich festgelegt sind, unverbrüchlich zu erhalten und zu bewahren".
Nun ist eine Krönung per se ein religiöses Ereignis, bei dem – so die religiöse Interpretation des symbolischen Akts – Gott selbst durch seine kirchlichen Mittler einen weltlichen Herrscher als solchen legitimiert. Dass bei der Krönung eines kirchlichen und weltlichen Oberhaupts in Personalunion möglichst viel Magie zur Anwendung kommen muss, erklärt sich daher von selbst.
So wurde in den vergangenen Tagen mit viel Brimborium der "Stein des Schicksals" ("Stone of Destiny") aus Schottland nach London befördert. Auf dem Stein wurden im frühen Mittelalter die schottischen Könige gekrönt. Der alte schottische Volksstamm der Pikten hielt den Stein für magisch, eine christliche Legende will dagegen wissen, dass auf dem Stein der Kopf des biblischen Stammvaters Jakob ruhte, als er die Vision der Himmelsleiter hatte. Obwohl man sich in den Details also nicht einig ist, scheint klar, dass der 66 Zentimeter lange, 42 Zentimeter breite und 27 Zentimeter hohe 150 Kilogramm schwere Stein etwas ganz Besonderes ist. Ende des 13. Jahrhunderts wurde er den Schotten von König Edward I. von England gemopst. Er machte den Stein zum Bestandteil eines geschnitzten Krönungsstuhls aus Eichenholz, der seither bei der Krönung von englischen und britischen Monarchen in der Westminster Abbey verwendet wurde. 1996 brachte man der Stein nach 700 Jahren in einer feierlichen Zeremonie zurück nach Schottland ins Schloss von Edinburgh, von wo aus er nun für die Krönung von Charles III. nach England ausgeliehen wurde. Wie immer die Magie des Steins funktioniert, es scheint wichtig, dass der neue britische Monarch den roten Sandsteinblock unter seinen vier royalen Buchstaben hat, während er zum König gesalbt wird.
Apropos Salbung: Wie der Telegraph erfuhr, wurde das Krönungsöl für die Salbung unter höchster Geheimhaltung in einer Wohnsiedlung in Hull hergestellt. Der pensionierte Pfarrer und Apotheker Mark Hutton verbrachte acht Monate damit, die Zutaten aus ganz Europa und der Welt zu beschaffen und das Öl herzustellen. Es ist laut Hutton die moderne Inkarnation eines biblischen Rezepts, nämlich jenes Öls, das Moses gemäß der Bibel aus Myrrhe, Zimt und Olivenöl hergestellt haben soll. Das fertige Öl wurde Berichten zufolge zur Tarnung in profanen Plastikflaschen mit den üblichen pharmazeutischen Etiketten versiegelt und unter Verschluss im Keller der Apotheke John Bell & Croyden in Marylebone im Zentrum von London aufbewahrt, die über uralte Verbindungen zur königlichen Familie verfügt.
Eingesetzt wird das Öl beim Akt der Salbung, der im Rahmen der christlichen Messe stattfindet, in welche die Krönung integriert ist. Traditionell wird die Salbung unter einem Baldachin ausgeführt, der den Blick auf den eigentlichen Salbungsakt verbirgt. Magische Rituale wirken schließlich umso überzeugender, je geheimnisvoller man sie zelebriert. Hierbei gibt der Erzbischof von Canterbury, der ranghöchste Geistliche der Church of England, etwas von dem Krönungsöl auf einen goldenen "Coronation Spoon" (Krönungslöffel) und zeichnet dem König damit je ein Kreuzzeichen auf den Kopf, auf die Brust und auf die Hände.
Um den modernen Gegebenheiten im Vereinigten Königreich Rechnung zu tragen, werden diesmal an dem Church of England-Megaevent auch Angehörige anderer Religionen als Statisten mitspielen dürfen – Buddhisten, Hindus, Juden, Muslime und Sikh –, wie das Büro des Erzbischofs von Canterbury verkündete. Dass auch Atheisten mitspielen dürfen, davon ist nicht die Rede. Kein Wunder. Sie würden diese magische Inszenierung vermutlich nicht wirklich ernst nehmen können.

Kommentare (12)
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Danke für den Artikel, habe
Danke für den Artikel, habe selten so gelacht! Was für ein idiotisches Ritual!
Dem kann ich mich nur
Dem kann ich mich nur anschließen!!!!
Das ist die perfekte
Das ist die perfekte Volksverdummung, wie sie Schamanen seit Jahrtausenden betreiben. Priester, die durch einen unsichtbaren Gott angeblich legitimiert sind, legitimieren einen Herrscher. D.h. letztlich beruht die ganze Legitimität dieser Klicke auf Mythos und Glauben. Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund, weshalb eine Familie das erbliche Recht haben sollte, das Staatsoberhaupt zu stellen.
Wenn sich die Königstreuen
Wenn sich die Königstreuen Engländer diesen Luxus leisten wollen oder können, dann müssen diese eben die teure Komödie mitspielen. Ein realer Sinn ist dahinter nicht zu erkennen, da wird schöner Schein vorgegaukelt, ebenso wie von den salbadernden Pfaffen,
welche an dem Spektakel mitmachen um wichtig zu erscheinen.
Die geregelte
Die geregelte Herrschaftsnachfolge in der Erbmonarchie hat den Vorteil, dass keine gewalttätigen Bürgerkriege um die Macht im Staate ausbrechen - so zumindest die Theorie.
In der Demokratie findet alle paar Jahre ein gewaltloser "Bürgerkrieg" um die Macht statt - an der Wahlurne.
In früheren Jahrhunderten war die Erbmonarchie sinnvoller als die Herrschaft von "Soldatenkaisern" wie in der späten Römerzeit. Heute ist die Erbmonarchie ein Anachronismus.
A.S. wenn der Sohn die Macht
A.S. wenn der Sohn die Macht des Vaters erbt, ist das für mich nicht legitim. Siehe Nordkorea oder Assad. Wenn die Welt endlich einsehen würde, dass ich zu sagen habe, wo es lang geht, gäbe es auch keinen Streit mehr.
Julia Melchior, ZDF::
Julia Melchior, ZDF:: "Charles wird gesalbt vor Gott" - Miriam Lange (WDR): "Ach, ist der auch dabei?"
Unfassbar, dass der Deutsche
Unfassbar, dass der Deutsche Bundestag für diese obsolete und mehr als überholte Institution auf Wunsch des „Hofes“das Protokoll änderte, eine Schande für die Demokratie.Ein Land das noch eine Monarchie hat, ist keine richtige Demokratie. Unvergessen die kriminellen menschenverachtenden Praktiken der englischen Monarchie, nicht zuletzt in Irland.
Ein erfundener Gott dient dem
Ein erfundener Gott dient dem König zur Legitimation. Kein Wunder, dass der König ein Interesse an "Schutz und Förderung des Glaubens" hat.
Die Demokratie bedarf der religiösen Legitimierung nicht.
Auch bei anderen Gelegenheiten wird der erfundene Gott zur Legitimation von allerlei Blödsinn gebraucht: Genitale Verstümmelung, Unterdrückung der Frauen, Krieg gegen Ungläubige.
N.B.: Die antiken Priester waren Hochstapler, die so taten als hätten sie Ahnung von Gott. Ob die heutigen Priester wirklich mehr Ahnung von Gott haben?
Damit jeder sieht, wer das
Damit jeder sieht, wer das Sagen hat: Altar und Krone!
Diese Zeremonie hat mich
Diese Zeremonie hat mich derartig angewidert vor allem, die Schwüre von Charles an
Gott und die Kirchen, sowie das Küssen der Bibel, damit ist der Bund von Monarchie und
Kirche auf ewige Zeit verfestigt.
Wir sollten nicht über die
Wir sollten nicht über die Engländer lachen. Unser Bundespräsidentenamt ist genauso lachhaft. Bundespräsident wird man nicht durch Geburt, sondern durch die richtigen Kontakte und man muss es nicht bis ans Lebensende machen, sondern es gibt dann Ehrensold zuzgl. Nebenleistungen bis ans Lebensende.