Kommentar

Pete Hegseth definiert die Christenheit neu – und schasst die Mormonen

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"Kriegsminister" Pete Hegseth (links) mit Pastor Douglas Wilson. Wilson hielt am 17. Februar 2026 eine Andacht im Pentagon.
Pete Hegseth und Douglas Wilson

Es liegt in der Natur einer jeden Theokratie, dass auf die Frage nach der richtigen Religion sofort die nach der richtigen Konfession folgt. Dass auch der Christliche Nationalismus in den Vereinigten Staaten diesem Muster folgt, zeigt der Umgang des Pentagon mit der Mormonischen Kirche.

Der hpd hat vor geraumer Zeit, da "Projekt 2025" noch Fiebertraum zwielichtiger Think Tanks statt Regierungsdoktrin war, bereits über die "Neue Apostolische Reformation" (NAR) und deren theokratische Ambitionen berichtet. In diesem Milieu tummeln sich paramilitärische Organisationen, deren Aufnahmekriterien unter anderem ein Bekenntnis zum sogenannten "trinitarischen Christentum" verlangen.

Soll heißen, man muss an die Dreieinigkeit des christlichen Gottes glauben, um in dessen Legion aufgenommen zu werden. Nun will es der Zufall, dass die weltweit größte nicht-trinitarische Konfession einen ganzen US-Bundesstaat ausmacht. Die Rede ist natürlich von den Latter-day Saints (LDS) in Utah, informell die Mormonische Kirche genannt. Und die zankt sich gerade mit dem "Kriegsminister", weil der sie nicht als christlich einstufen möchte.

Pentagon streicht zahlreichen Weltanschauungen die Anerkennung

Gehen wir erstmal einen Schritt zurück: Seit Pete Hegseth das Pentagon übernommen hat, ist die Domäne der Militärseelsorge und der weltanschaulichen Orientierung der Truppe zur staatstragenden Frage avanciert. Hegseth führte beispielsweise monatliche Predigten ein, in denen der NAR nahestehende Geistliche wie Doug Wilson zum Führungsstab des US-Militärs sprechen – Zeter, Mordio und nukleares Höllenfeuer inklusive.

Vor zwei Wochen veröffentlichte das "Kriegsministerium" dann eine aktualisierte Liste der – ich übersetze hier sehr frei – "akkreditierten Weltanschauungen". Funktioniert folgendermaßen: Jede*r Angehörige des US-Militärs hat in der Akte einen Eintrag für die eigene Weltanschauung. Die Anzahl vom Militär anerkannter Weltanschauungen war in den letzten Jahren auf über 200 angewachsen: Neben dem Humanismus und dem Atheismus waren auch Wicca, Schamanismus, Paganismus und die Naturreligionen der Native Americans anerkannt. Vom Pentagon anerkannte Weltanschauungen haben die Möglichkeit, ihre eigene Militärseelsorge auf die Beine zu stellen.

Diese Liste stutzte Hegseths Ministerium nun auf 31 Einträge zusammen. Die evangelikalen Konfessionen werden künftig unter dem begrifflichen Schirm "Evangelikal" geführt, die meisten Nischenreligionen schlicht unter "sonstige Religion". Interessant an dieser Liste sind nun zwei Dinge.

Bibelkunde mit dem "Kriegsministerium"

Erstens, es gibt zwar einen Eintrag "sonstige Religion", aber nicht "sonstige Weltanschauung". Und während der Agnostizismus noch unter den neuen 31 auftaucht, glänzen Atheismus und Humanismus durch Abwesenheit. Selbiges gilt für die anderen eben aufgelisteten Weltanschauungen. Dem Konzept einer humanistischen Militärseelsorge erteilt das Pentagon damit also eine Absage.

Zweitens, 20 der 31 Einträge trugen den Vermerk "christlich". Die LDS – die einzige nicht-trinitarische Kirche unter den 31 Einträgen – trug diesen Vermerk bezeichnenderweise nicht. Mike Lee, Senator für Utah, twitterte sogleich ans Pentagon, er möchte wissen, warum die LDS nicht als christlich gelistet wurde. Die Aufregung unter Utahs Kongressabgeordneten war derart groß, dass Lee sogar bei Präsident Trump vorstellig wurde.

Die Antwort des "Kriegsministeriums" wiederum war grandios – grandios kleinlich. Statt nämlich der LDS das Label "christlich" zu verpassen, entschied das Pentagon, es lieber allen anderen 20 anerkannten Weltanschauungen zu streichen. "Es ist nicht unser Job, theologische Debatten zu entscheiden", sagte das Ministerium dazu.

Es ist schon ziemlich frech, einen auf neutrales Schiedsgericht zu machen, während man gleichzeitig de facto verpflichtende Gottesdienste einführt, in denen der heilige Krieg beschworen wird.

Es ist schon reichlich albern, der Church of Jesus Christ of Latter-day Saints ihr Christlich-Sein streitig machen zu wollen.

Und wir könnten uns über diesen Kindergarten durchaus amüsieren – wäre er nicht ein weiteres Indiz dafür, wie tief sich die Neue Apostolische Reformation bereits in die Hirnrinde des mächtigsten Militärapparats dieses Planeten gearbeitet hat. Denn im Kern lautet die Aussage des Pentagon: Bevor wir euch als christlich bezeichnen, bezeichnen wir lieber niemanden als christlich. Doug Wilson scheint also ganze Arbeit geleistet zu haben. 

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