Ständeratskandidaten appellieren an Saudi-Arabien

Raif Badawi in Gefahr

BERN. (hpd/fds) Das saudische Regime könnte heute Raif Badawi erneut auspeitschen. Darüber informierte die Ehefrau des inhaftierten Bloggers, Ensaf Haidar.

Besonders drastisch präsentiert sich auch die Situation für Ali Mohammed Baqir al-Nimr, der ebenfalls inhaftiert ist, weil er 2011 und 2012 als Teenager an Protesten gegen die Regierung teilgenommen hatte. Ihm und seinem Onkel, dem Oppositionspolitiker Sheikh Nimr al-Nimr drohen die Todesstrafe.

Weiterhin in Haft ist auch Badawis Anwalt, Waleed Abulkhair. Es ist also zwingend notwendig, den internationalen Druck auf das Saudische Regime aufrecht zu halten.

Die Freidenker Schweiz luden alle Personen, die im zweiten Wahlgang für einen Ständeratssitz kandidieren dazu auf, folgenden Aufruf mit zu unterzeichnen:

Wir appellieren an König Salman von Saudi-Arabien, auf die Vollstreckung der Urteile gegen Raif Badawi, Waleed Abulkhair, Ali Mohammed Baqir al-Nimr und Sheikh Nimr al-Nimr zu verzichten.

Wir unterstützen zudem die Sistierung von Waffengeschäften mit Saudi-Arabien solange es in Kriegshandlungen involviert ist und es gegen politische Gefangene schwere Körperstrafen oder gar die Todesstrafe ausspricht.

Der Appell wird heute (Freitag, 30.10.2015) an den Saudischen Botschafter in der Schweiz geschickt. Er wird aktuell von folgenden Kandidierenden mitgetragen:

Robert Cramer, Grüne GE
Bastien Girod, Grüne ZH
Liliane Maury Pasquier, SP GE
Luc Recordon, Grüne VD
Roberto Zanetti, SP SO

Die Liste der Unterzeichner wird auf der Webseite der Schweizer Freidenker laufend aktualisiert.

Raif Badawi erhielt gestern den Sacharow-Preis des Europäischen Parlements.

Kommentare (2)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 30 Okt 2015 - 13:33

Freiheit kann eingeschränkt und sogar verhindert werden.

Gedanken jedoch sind frei! Und damit Meinungen.

Menschen, die denken und meinen - anders denken, anders meinen - können getötet werden, ausgepeitscht, gequält und verbrannt.

Aber ihre Gedanken und Meinungen nicht! Diese leben weiter, in den Köpfen von mehr und mehr Menschen, dank des Internets, dank der Freiheit, die es uns weltweit gibt. Diese Gedanken und Meinungen werden deshalb nie mehr sterben.

Die Zeiten, in denen Bücher- oder Menschenverbrennungen wirksam waren, sind endgültig vorbei! Nichts und niemand wird dieses Goldene Zeitalter der Meinungskontrolleure zurückbringen.

Badawi ist sterblich, seine Gedanken nicht.

Seine Folterknechte in Saudi-Barbarien sollten dies begreifen, bevor sie Hand an ihn legen. Sie können nur erreichen, dass der Hass auf den wahabitischen Islam zunimmt, dass andere kommen, die Badawis Gedanken weiterdenken. Viele andere, irgendwann eine Menschenwelle, die das finstere Mittelalter Arabien wegspült.

Ich hoffe, dass mehr und mehr Politiker weltweit wach werden, jeden Tag mehr, die Saudi-Barbarien die rote Karte zeigen. Wer von uns die Anerkennung roter Linien abverlangt, wenn es um Karikaturen eines vor 1400 Jahren Verstorbenen geht, der sollte die rote Karte der Meinungsfreiheit respektieren.

Was sollen wir von Menschen halten, die eine Zeichnung für ablehnungswürdiger halten, als die Vernichtung eines Menschenlebens im Namen der Religion des Friedens...?

David (nicht überprüft)

So. 1 Nov 2015 - 15:51

In dem einen Land schwingt man die Peitsche, in dem anderen die Nazikeule, um unliebsame Meinungen zu unterdrūcken. Wenngleich natūrlich ein Unterschied besteht, so ist dieser bei näherem Hinsehen auf einer gewissen Ebene gar nicht so gross.

Andreas Kyriacou

Der Autor ist Gründer des "Humanistischen Salons" in Bern und Gastgeber des englischsprachigen Podcasts secular matters. Von 2013 bis 2024 war er Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. Er vertrat zudem von 2019 bis 2024 die humanistisch-säkulare NGO Center For Inquiry im Menschenrechtsrat der UNO.

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