Glaube und Kirchenaustritt
Wer einmal raus ist, schafft den Absprung
Foto: Uoaei1 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
An den Weihnachtstagen trifft man sich mit der Familie und mit Freunden, während die Kirchen leer bleiben. Nur eines von vielen Beispielen, dass religiöser Glaube in Deutschland zusehends an Einfluss verliert. Das gilt nicht nur für die großen Kirchen, sondern auch für andere Formen von Religion. Zu diesem Ergebnis kommt der vor kurzem veröffentlichte Auswertungsband der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU).
"Wie hältst du's mit der Kirche?", so der Titel des 695 Seiten starken Wälzers, herausgegeben vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI-EKD) und der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP). Grundlage ist eine Befragung von 5.228 Personen, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen Oktober und Dezember 2022 durchführte. Nachdem erste Ergebnisse bereits Ende 2023 publiziert wurden, liefert der neue Band eine ausführliche Analyse.
Zusammengenommen fügen sich die Beiträge zum Bild einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft. Schon jetzt bilden die Säkularen mit 56 Prozent die absolute Mehrheit in Deutschland. Von diesen gehören wiederum 36 Prozent zu den "Säkular-Geschlossenen". Diese würden sich laut Studie durch ein "naturalistisch-szientistisches Weltbild" auszeichnen, das Religion generell als überholt und schädlich ansehe. Verglichen mit allen anderen untersuchten Gruppen verfügen die Säkular-Geschlossenen über die höchste Schulbildung und engagieren sich öfter ehrenamtlich, zudem neigen sie am seltensten zu Autoritätsdenken. Weitere 14 Prozent der Säkularen sind "indifferent", das heißt, ihr weitgehend säkulares Weltbild zeigt Spuren anderer weltanschaulicher Orientierungen, 6 Prozent sind "säkular offen", also noch weiter aufgeschlossen für verschiedene Weltdeutungen.
Dem stehen nur 13 Prozent "hoch Religiöse" in Deutschland gegenüber. Sie sind fast alle Mitglied einer Kirche. Doch andererseits sind wiederum die meisten Kirchenmitglieder nicht religiös. Diese Mitgliedschaft ohne Glauben wird in der Studie auch "belonging without believing" genannt. Seltener sei ein "believing without belonging", also ein Festhalten am Glauben ohne kirchliche Einbindung, anzutreffen. Wer kein Kirchenmitglied ist, wird auch kaum in eine organisierte Glaubensgemeinschaft eintreten. Deshalb profitieren weder die Freikirchen noch andere Religionsgesellschaften vom Schwund bei den Großen. Wer aus der Kirche austritt, schafft in der Regel auch den Absprung in die Konfessionsfreiheit.
Über Konfessionsgrenzen hinweg steht vor allem die Kirchensteuer in der Kritik. 59 Prozent der Befragten stimmen zu, dass sich die Kirchen anderweitig finanzieren sollten, dagegen sind nur 12 Prozent mit der bestehenden Regelung zufrieden. Die stärkste Ablehnung fanden die Forscher – wenig überraschend – unter Ausgetretenen oder Personen, die nie Kirchenmitglied waren. Interessanterweise folgern sie daraus, dass eine Abschaffung der Kirchensteuer die gegenwärtige Austrittswelle nicht signifikant aufhalten würde.
Gleichwohl können auch wohlwollende Interpretationen nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine breite Mehrheit der Befragten bei den Kirchen dringenden Reformbedarf anmahnt. 96 Prozent der Katholiken und 80 Prozent der Protestanten attestieren der eigenen Kirche nur dann eine Zukunft, wenn sie sich grundlegend verändert, auch durch ein stärkeres Engagement für gesellschaftliche Ziele wie Klimaschutz und Antidiskriminierung.
Der Religionsunterricht an den Schulen sollte nach dem Willen Vieler ebenfalls neu überdacht werden. So spricht sich eine Mehrheit von 55 Prozent gegen eine Mitwirkung der Kirchen am Religionsunterricht aus. 84 Prozent der Befragten sind dafür, im Schulfach Religion Kinder unterschiedlicher Glaubensgruppen gemeinsam zu unterrichten.

Kommentare (6)
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So richtig auch manche
So richtig auch manche Überlegung bezüglich der Säkularität auch ist - leider bleibt es bei Wunschdenken! Solange unsere Volksvertreter die Steigbügelhalter der Gotteslobby sind, wird sich nichts ändern! Selbstredend auch nicht an Einkommensquellen wie dem Religionsunterricht. Auf die Kirchensteuer wird, Seitens der Amtskirchen und deren hierarchisch gegliederten Ordnung bis hin zum Pyramidion jährlich schon freudig gewartet. Das erleuterte schon Horst Herrmann bezüglich des Vatikan´s. Die andere Führungsebene steht da wohl kaum nach. Eine, wenn auch radikale Lösung wäre der Wunschgedanke, das wirklich einmal kein Wähler, zu irgendeiner Wahl gehen würde. Erst dann würde es hoffentlich zu nachhaltigen, signifikanten Änderungen, in diesem System aus den irdischen Vertretern Gottes und Politikern, nicht nur in Deutschland oder Europa, kommen.
Man könnte auch das Fach
Man könnte auch das Fach Religionsunterricht ersetzen durch das Fach Ethik und Realitätslehre, dies wäre Zielführender.
Es geht voran mit der
Es geht voran mit der Konfessionsbefreitheit und Säkularität. Langsam (leider), aber eindeutig. Sogar die Kirchen selbst publizieren es.
Ich bin erstaunt und
Ich bin erstaunt und begeistert, wie schnell das tatsächlich geht.
(Jedenfalls in der westlichen Welt).
Die Religion endet, wenn sie
Die Religion endet, wenn sie den Kindern nicht mehr eingetrichtert wird.
"Steinmeier, Scholz, Bas und
"Steinmeier, Scholz, Bas und Tschentscher reisen in einer Maschine nach Rom.
Vier der fünf Spitzen der deutschen Verfassungsorgane in einem Flugzeug: Staatsoberhaupt, Bundeskanzler, Parlamentspräsidentin und Bundesratspräsident fliegen nach SPIEGEL-Informationen gemeinsam zur Papstbestattung." oder "Scholz reist zu Audienz bei Papst Franziskus". ... Schon bei J. Fischer u. div. anderen Regierungsmitgliedern fragte man sich, ob alle diese Reisen von dt. Steuergeldern bezahlt werden. Beim IBKA - Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten - gab es vor Jahren eine Umfrage unter Bundestagsabgeordneten; erschreckend wenige gaben an, konfessionsfrei zu sein. Die praktischen religiösen Netzwerke wollen viele sicher nicht missen....