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Mit Jürgen Klopp betend zum nächsten WM-Titel?

Julian Nagelsmann ist Geschichte, Jürgen Klopp soll die deutsche Nationalmannschaft übernehmen. Sportlich wäre das eine spannende Personalie. Doch die Fußball-WM hat auch gezeigt, wie selbstverständlich religiöse Inszenierungen inzwischen zum Profifußball gehören – und Klopp zählt zu ihren prominenten Verteidigern.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp (2019)

Die gestern am späten Abend mit dem Sieg von Spanien zu Ende gegangene Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko war nicht nur eine Aneinanderreihung sportlicher Höchstleistungen, sondern auch eine kaum enden wollende Inszenierung religiöser Gesten: Angefangen mit Felix Nmechas Gebetskreis über jordanische Spieler, die sich nach einem Tor gegen Österreich gegen Mekka verneigten bis hin zu Spaniens Superstar Lamine Yamal, der nach einem Treffer gegen Saudi-Arabien den Sudschud vollzog – eine rituelle Niederwerfung im islamischen Gebet, bei der die Stirn den Boden berührt.

Neu ist dieses Phänomen nicht. Seit Jahrzehnten bekreuzigen sich lateinamerikanische oder südeuropäische Fußballer nach Toren oder blicken vor Spielbeginn ehrfürchtig in den Himmel. Doch bei dieser Weltmeisterschaft schien kaum ein Spiel ohne öffentliche Glaubensbekundungen auszukommen. Ägyptens Torhüter betete während eines Elfmeterschießens, die marokkanische Nationalmanschaft nach dem gewonnen Elfmeterschießen gegen die Niederlande, deren halbe Mannschaft, angeführt von Stürmer Cody Gakpo, zuvor in der Kabine an  einer Gebetsrunde teilgenommen hatte.

Glaube als Show?

Zwar wurden diese religiösen Gesten in den Medien vereinzelt kritisiert, doch fanden sie auch prominente Fürsprecher im deutschen Fernsehen, als beispielsweise ein Kommentator Felix Nmecha engagiert verteidigte: „In der Zeit, in der die Religion relativ häufig dazu führt, dass es – gelinde gemeint – zu Missverständnissen, zu Kriegen kommt, ist es wunderschön, dass sich Menschen zusammen  hinstellen und öffentlich zeigen, dass sie an Gott glauben.“
Der Name dieses TV-Fußballexperten? Jürgen Klopp. Klopp ist bekennender evangelischer Christ. Schon mehrfach hat er sich in der Vergangenheit zu seinem Glauben geäußert und ihn als „Fixstern, der immer da ist“ bezeichnet. Für Klopp „sind Gott und Jesus real“ und sein Glaube eine unverrückbare „Grundfeste“, daher findet er es „schade“, wenn anderen Menschen das Gefühl der Geborgenheit fehle, das ihm sein Glaube gebe. Gemeinsam mit seiner Frau Ulla beendet er nach eigenen Angaben jeden Tag mit einem Dankgebet. Bekannt wurde auch seine Botschaft an einen todkranken Liverpool-Fan: „Ich bin Christ – wir sehen uns!“

An Klopps persönlichem Glauben ist nichts auszusetzen. Jeder Mensch hat das Recht, religiös zu sein oder nicht. Problematisch wird es jedoch, wenn religiöse Bekenntnisse den Sport zunehmend prägen und auf dem Spielfeld zur öffentlichen Inszenierung werden. Sollte Jürgen Klopp tatsächlich Bundestrainer werden, wird man ihn in erster Linie an seiner sportlichen Arbeit messen. Seine religiösen Überzeugungen sind Privatsache. Umso wünschenswerter wäre es , wenn auch unter seiner Führung der Fußball wieder stärker durch Tore, Taktik und Teamgeist Schlagzeilen machen würde; Gebetskreise, Glaubensbekenntnisse und religiöse Symbolik sollten auf dem Rasen tabu sein.

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Ralf Nestmeyer

Der Autor ist Historiker und Schriftsteller (zu seiner Website geht es hier). Er hat zahlreiche Reiseführer, Sachbücher und Krimis geschrieben und gehört zu den Gründungsmitgliedern von PEN Berlin.

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