Eine interessante journalistische Monographie

„Wie die Demokratische Partei Trump großmachte“

Welchen indirekten Anteil die Demokraten selbst an Trumps Wahlsiegen hatten, wird in Berichterstattungen und Diskussionen häufig ignoriert. Dass sie sich zugunsten des großen Geldes von den kleinen Leuten abgewandt haben, ist in einem Buch zum Thema die zentrale These: „Die Undemokraten“ von Jörg Wimalasena.

US-Fahne

Welchen Anteil hatten eigentlich die Demokraten an Trumps jeweiligen Wahlsiegen? Die Frage irritiert, wollten sie doch jeweils selbst die Präsidentin stellen. Man darf aber auch nach Fehlern der Partei fragen, welche zum Scheitern ihres Unterfangens führten. Und dabei ging es nicht nur um die Auswahl der falschen Kandidatinnen, wie in einem neuen Buch der Journalist Jörg Wimalasena herausarbeitet. Er war zehn Jahre lang US-Korrespondent, u.a. für „ZEIT online“. Sein erstes Buch ist provokativ mit „Die Undemokraten“ überschrieben, „Wie die Demokratische Partei Trump großmachte“ im Untertitel. Entgegen diesen Formulierungen wird diese Partei nicht allein dafür verantwortlich gemacht, gleichwohl weist der Autor für die unterschiedlichsten Ebenen auf deren grundlegende Fehler hin. Dabei schreibt er mit leichter Hand, was für eine gute Lesbarkeit steht. Er berichtet auch von persönlichen Eindrücken, ohne sich dabei in subjektiven Sichtweisen zu ergehen. Dann ist er auch ein wenig zu sehr auf Personen fixiert, ignoriert aber nicht problematische Strukturen.

Cover

Gleich zu Beginn wird als zentrale These von Wimalasena präsentiert: „Die Demokraten sind in weiten Teilen eine von Wirtschaftsinteressen dominierte Elitenpartei, die den Kampf für die Interessen der von sozialer Ungerechtigkeit gebeutelten US-Arbeiterschaft weitgehend aufgegeben hat und allerhöchstens noch Symbolpolitik betreibt, die die Wählerschaft noch weiter in die Arme von Menschenfängern wie Donald Trump drängt“ (S. 10). Gleich danach benennt er seine inhaltliche und personelle Alternative: „Ich schreibe über Bernie Sanders, der zeigt, welchen Weg die Demokraten einschlagen müssten, um endlich ihrem Anspruch gerecht zu werden, eine Partei des Volkes zu sein“ (S. 11). Das Buch ist, wie bereits hier erkennbar, von einer gewissen Romantisierung geprägt, was aber nicht gegen die inhaltlichen Deutungen sprechen muss. Denn mit Blick auf die historische Entwicklung lassen sich tatsächlich in der politischen und sozialen Orientierung der Partei grundlegende Verschiebungen erkennen.

Der Autor erinnert zunächst an Franklin Delano Roosevelt, der für die Demokraten viermal zum Präsidenten gewählt wurde. Seine New-Deal-Politik auch zugunsten der sozial Schwächeren überwand die Wirtschaftskrise. Dabei hätte der Autor aber darauf hinweisen können, dass dies erst relativ spät durch den Krieg möglich wurde. Danach macht er eine Abkehr von einem eher keynesianischen und wohlfahrtsstaatlichen Politikansatz aus, welcher mit einem Bedeutungsanstieg von Großspenden der Superreichen einherging. Diese Besonderheit spielt tatsächlich für die Parteipolitik eine große Rolle. An damit einhergehende Abhängigkeiten passten sich auch spätere Hoffnungsträger wie etwa Barack Obama an, welcher vom Autor nicht in den ansonsten hellen Farben präsentiert wird. Noch deutlicher formuliert er seine Auffassungen zu Hillary Clinton, die auf das Feld der Identitäts- statt der Sozialpolitik gesetzt habe und insofern scheiterte.

Die Bedingungsfaktoren für diese Niederlage listet Wimalasena mit folgenden Worten auf: „Jahrzehntelange neoliberale Politik auf Kosten der Arbeiterschaft im Land, Abhängigkeit von Geldgebern, ein von Eliten dominierter Wahlkampf-Betrieb und woke identitätspolitische Lippenbekenntnisse als Ersatz für dringend notwendige Klassenpolitik“ (S. 63). Alternativen seien von der Parteielite ausgebremst worden, was an den Benachteiligungen von Sanders veranschaulicht wird. Der Apparat des „Democratic National Comittee“ habe hier eine verhängnisvolle Rolle gespielt. Durch Joe Biden und erst recht durch Kamala Harris änderte sich dadurch nichts, ersterer sei nie ein „Working-Class Jose“ gewesen, Harris eine bloße Karrierepolitikerin. Beide hätten die erwähnte Ausrichtung der Demokraten fortgesetzt, jeweils einhergehend mit einem „Kniefall vor den Spendern“ (S. 160). Immer wieder wird auf deren großen Einfluss auf die amerikanische Politik verwiesen.

Demnach zeichnet der Autor kein schmeichelhaftes Bild von der Partei. Er erhofft eine Besserung allenfalls durch die aus dem linken Flügel stammenden jungen Kandidaten, die gelegentlich überraschende Erfolge verbuchen konnten und „endlich echte Opposition“ (S. 184) ankündigten. Eine Präsidentschaftskandidatur aus deren Reihen dürfte aber ausgeschlossen sein, dominieren doch die Bewerbergruppe ältere Karrierepolitiker. Damit wird ein düsteres Bild für die USA und deren Zukunft gezeichnet. Einen ausgeprägten Realismus kann man dabei Wimalasena nicht absprechen. Mitunter neigt der Autor zu Überzeichnungen. Die Demokraten haben durchaus eine bedenkliche Entwicklung genommen, sie pauschal im Titel aber als „Undemokraten“ zu titulieren ist nicht unproblematisch. Manche Deutungen von Entwicklungen hätten noch genauer sein können, etwa bezüglich der Gründe für die Trump-Wahl. Gleichwohl hat man es mit einem inhaltlich kritischen und überaus lehrreichen Buch zum Thema zu tun.

Jörg Wimalasena, Die Undemokraten. Wie die Demokratische Partei Trump großmachte, Berlin 2026, Brumaire-Verlag, 214 Seiten, 19 Euro

Armin Pfahl-Traughber

Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, Jg. 1963, ist hauptamtlich Lehrender an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung mit den Schwerpunkten "Politischer Extremismus" und "Politische Ideengeschichte". Außerdem gibt er seit 2008 ebendort das "Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung" heraus.

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