Nation und Nationalismus
Er gliedert sich in fünf Teile: Zunächst gehen die Autoren auf Fragestellungen und Leitbegriffe der Nationalismusforschung ein und beschreiben Entstehung und Entwicklung des deutschen Nationalismus. Danach stehen einzelne Nationalismustheorien (Andersen, Deutsch, Gellner, Smith) und Kontroversen (Exklusion, Geschlecht, Massenbewegung, Religion) im Zentrum. Und schließlich veranschaulicht man unterschiedliche Modelle von Nation anhand der historisch-politischen Entwicklungspfade in Frankreich, Makedonien und der Schweiz.
Herausgekommen ist dabei ein interessantes und kenntnisreiches Werk, das gut strukturiert und leicht verständlich über die jeweiligen Aspekte informiert. Fair stellen die Autoren die jeweiligen Positionen in Forschung und Kontroverse vor, ohne die eigenen Auffassungen zu verschweigen. Hierbei betonen sie die Janusköpfigkeit des Nationalismus, sei ihm doch immer Emanzipation und Machtzuwachs, Einschließung und Ausschließung eigen gewesen. Statt zwischen Nationalismus und Patriotismus, Liberal- und Radikalnationalismus solle besser von ethnischem und politischem Nationalismus gesprochen werden. Hierfür können Jansen und Borgräfe gute Argumente vorbringen.
Einen wichtigen Gesichtspunkt behandeln sie dabei aber leider nicht näher: Inwieweit kann „Nation" und „Nationalismus" mit den Werten moderner demokratischer Verfassungsstaaten konform gehen? Oder anders gefragt: Sollte nicht doch besser begrifflich zwischen einem demokratischen Patriotismus und einem extremistischen Nationalismus unterschieden werden?
Armin Pfahl-Traughber
Christian Jansen/Henning Borggräfe, Nation, Nationalität, Nationalismus, Frankfurt/M. 2007 (Campus-Verlag), 212 S., Euro 16,90.
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