Indonesien

Jesus mit langen Haaren

Gottesstaat mit WLAN

Es ist wieder soweit, der indonesische Blasphemie-Hammer hat zugeschlagen. Die muslimische Transfrau und TikTok-Influencerin Ratu Thalisa hat es gewagt, Jesus Christus in einem albernen Scherzvideo darauf hinzuweisen, dass er sich mal einen anständigen Haarschnitt zulegen solle, um "wie ein richtiger Mann" auszusehen. Ein Witz, der ihr nun fast drei Jahre Gefängnis beschert. Eine Glosse über ein Land, in dem Gotteslästerung schwerer geahndet wird als Korruption und Umweltverschmutzung.

Zwei Jahre Haft wegen Essens von Schweinefleisch

Weil die Muslimin Lina Lutfiawati, bekannt als Lina Mukherjee, bei einem ihrer Beiträge auf TikTok zunächst ein kurzes Gebet gesprochen und dann einen Fetzen Schweinehaut gegessen hatte, wurde sie der Blasphemie beschuldigt. Ein Gericht in Südsumatra verurteilte sie schließlich deswegen zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe. Was den indonesischen Ulema-Rat begeistert, sorgt bei Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International für Besorgnis.

Flagge von Indonesien

Menschenrechtler drängen auf Aus für das Blasphemiegesetz in Indonesien

Blasphemie ist in Indonesien eine Straftat. Damit soll nun Schluss sein, fordert die Menschenrechtsorganisation Setara Institute for Democracy and Peace. Auch andere NGOs beobachten das Verbot mit Sorge. Laut Human Rights Watch sind seit Einführung des Blasphemiegesetzes 1965 mehr als 150 Menschen wegen Gotteslästerung verurteilt worden, meist Angehörige religiöser Minderheiten. 

Die Große Moschee in Banda Aceh (Indonesien)

Islamischer Geistlicher wegen Blasphemie und Hassrede in Haft

In Indonesien, dem größten islamischen Land der Welt, wurde ein muslimischer Geistlicher verhaftet. Der 77-jährige Panji Gumilang leitet ein Internat. Er hatte seinen Schülerinnen das Predigen erlaubt und sie dazu ermutigt, Imame zu werden. Er soll mit seinen Schüler*innen zudem jüdische Lieder gesungen haben. Die Verhaftung des Islamgelehrten werten Beobachter als Paradigmenwechsel in dem sonst moderaten Land.

Demonstration in Jakarta, Indonesien (2019)

Indonesien beschließt kontroverse Ausweitung des Strafgesetzes

Das indonesische Parlament hat den Weg freigemacht für die erste grundlegende Strafrechtsreform seit 1918, als der Inselstaat noch unter niederländischer Kolonialherrschaft stand. Das neue Strafgesetz, das unter anderem außerehelichen Sex und Kritik am Präsidenten kriminalisiert und den Straftatbestand der "Apostasie" einführt, ist ein massiver Eingriff in Privatsphäre und Freiheitsrechte aller Indonesier*innen.

Laut Umfrage ist jeder dritte Mensch religiöser als seine Eltern

Eine Umfrage bei über 18 jährigen in Indonesien und Malaysia zu Religion, Geschlechterrollen und medialer Repräsentation zeigt Trends in der Lebensausrichtung auf. Zwar schätzen sich 33 Prozent der Befragten als religiöse Regeln strikter als die eigenen Eltern einhaltend ein, jedoch stützen sie sich dabei auch auf moderne Technik, wie Gebets- und Datingapps und versagen sich Konsum nicht, so lange er als halal und mit der Sharia konform eingeschätzt werden kann.

Kostenlose Drinks für Maria und Mohammed

Wohl um mehr Publikum in ihre Filiale der Holywings Bar- und Restaurantkette in Indonesiens Hauptstadt Jakarta zu locken, hatten sechs Barkeeper kostenlosen Gin für Frauen namens Maria und Männer namens Mohammed versprochen. Nach einer Anzeige religiöser Gruppen schlossen Behörden die Bar. Die Barkeeper sehen sich nun mit dem Vorwurf der Blasphemie konfrontiert. Holywings hat sich für die Promo-Aktion entschuldigt. Human Rights Watch stuft die Reaktion auf die harmlose Aktion als gefährlich ein.