Die Deutschlandtour der Säkularen Buskampagne hat begonnen

Abschied von der Kirchenrepublik

Die Giordano-Bruno-Stiftung hat auf der ersten Pressekonferenz der Säkularen Buskampagne am heutigen Samstag in Berlin ihre zentrale Kampagnen-Broschüre "Abschied von der Kirchenrepublik: 100 Jahre Verfassungsbruch sind genug" vorgestellt. Sie enthält grundlegende politische Forderungen, die umgesetzt werden müssten, um das Verfassungsgebot des weltanschaulich neutralen Staates zu verwirklichen.

Die Stiftung kritisiert in ihrem Grundsatzpapier, dass der alte Rechtsgrundsatz "In dubio pro libertate" ("Im Zweifel für die Freiheit") allzu oft in ein "In dubio pro ecclesia" ("Im Zweifel für die Kirche") umgemünzt werde. Dies zeige sich nicht bloß in den vielfältigen Privilegien, welche die Kirchen in Deutschland besitzen, sondern auch in zahlreichen Gesetzen, welche die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger auf der Basis religiöser Glaubensvorstellungen beschneiden, obgleich dies dem weltanschaulich neutralen Staat zwingend untersagt ist.

Titelblatt der GBS-Broschüre
Titelblatt der GBS-Broschüre

Um diese Missstände zu beheben, fordert die Giordano-Bruno-Stiftung u.a. die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen, die Abschaffung des 1933 eingeführten Kirchensteuereinzugs über den Arbeitgeber, ein Ende der kirchlichen Diskriminierungsprivilegien im Arbeitsrecht, die konsequente Durchsetzung des für alle geltenden Rechts (auch gegenüber den Religionsgemeinschaften!), die Aufhebung der kirchlichen Dominanz in öffentlichen Institutionen, die Einführung "bekenntnisfreier Schulen", die Aufnahme von expliziten Kinderrechten in die Verfassung sowie eine grundlegende Reform der Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch und zur Sterbehilfe.

Die Broschüre endet mit einem nachdrücklichen Appell an das Gewissen der deutschen Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die sich bewusst machen sollten, dass sie nicht das Recht besitzen, ihre privaten Glaubensüberzeugungen zur allgemeinen Rechtsnorm zu erheben, nach der sich Andersdenkende richten müssen.

Mit der Säkularen Buskampagne "Schlussmachen jetzt!", die in den nächsten drei Wochen in 25 Städten Halt machen wird, soll die Forderung nach einer konsequenten Trennung von Staat und Kirche in die Gesellschaft hineingetragen werden. Dabei wird die Broschüre "Abschied von der Kirchenrepublik" sowohl am Kampagnenbus als auch bei den verschiedenen Abendveranstaltungen der säkularen Deutschlandtour erhältlich sein. Eine Onlineversion der Broschüre kann zudem von der Website der Giordano-Bruno-Stiftung heruntergeladen werden. (Anmerkung der Redaktion: Oder hier im hpd )

Für Lehrerinnen und Lehrer sowie politische Multiplikatoren bietet die Stiftung darüber hinaus einen besonderen Service an: Wer die Broschüre im Unterricht einsetzen oder bei Bildungsveranstaltungen weiter verteilen will, kann sie direkt über das Stiftungssekretariat bestellen.

Verfolgen Sie die Buskampagne auf Facebook: https://www.facebook.com/schlussmachen.jetzt/

Kommentare (10)

Michael Ganß (nicht überprüft)

Sa. 4 Mai 2019 - 16:36

Der Link zu Facebook funktioniert nicht, da sind zwei spaces zu viel am Ende.

-> Danke für den Hinweis! Wir haben das korrigiert. (Die hpd-Redaktion)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Sa. 4 Mai 2019 - 16:37

Man kann für Deutschland nur hoffen, dass der 100 Jährige Verfassungsbruch endlich beendet wird und der Kirche die Stellung zugesprochen wird welche Ihr gebührt.
Glaube ist Privatsache und darf nicht vom Staat durch unser aller Steuern subventioniert werden. Allein die Tatsache, dass Glaubensfreie und Andersgläubige die Kirchen mitfinanzieren müssen ist eine "Himmelsschreiende" Ungerechtigkeit.
Sollten unsere Politiker die Zeichen der Zeit nicht weiter wahrnehmen und weiterhin gegen die Interessen der Mehrheit in der Bevölkerung agieren, werden diese bei den kommenden Wahlen einen Denkzettel bekommen der sich gewaschen hat.
Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

Wer nicht mit der Zeit geht ... danke. Erinnert mich an den Spruch, wer nicht dran glaubt, muss dran glauben. Jetzt hab ich 'ne neue Inspiration, doch die Durststrecke kommt noch

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Sa. 4 Mai 2019 - 16:37

Man kann für Deutschland nur hoffen, dass der 100 Jährige Verfassungsbruch endlich beendet wird und der Kirche die Stellung zugesprochen wird welche Ihr gebührt.
Glaube ist Privatsache und darf nicht vom Staat durch unser aller Steuern subventioniert werden. Allein die Tatsache, dass Glaubensfreie und Andersgläubige die Kirchen mitfinanzieren müssen ist eine "Himmelsschreiende" Ungerechtigkeit.
Sollten unsere Politiker die Zeichen der Zeit nicht weiter wahrnehmen und weiterhin gegen die Interessen der Mehrheit in der Bevölkerung agieren, werden diese bei den kommenden Wahlen einen Denkzettel bekommen der sich gewaschen hat.
Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Sa. 4 Mai 2019 - 16:59

Bei den Forderungen "... Reform der Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch und zur Sterbehilfe" fehlt explizit genannt nur noch: und zur Knabenverstümmelung.
Ansonsten allen erdenklichen Erfolg! Es geht voran; und es wird jetzt auch jeden Tag einen Tick wärmer - versprochen; ich hab nämlich 'nen Draht zu Petrus 'da oben', haha!

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Sa. 4 Mai 2019 - 17:26

Punkt 6 in der angehängten Broschüre finde ich gut und RICHTIG!!
Ich fordere (in Kommentaren auch hier) seit Jahren, staatliche (öffentliche) Schulen in bekenntnisfreie zu 'konvertieren', weil dazu keine GG-Änderung nötig ist.

Junius (nicht überprüft)

Sa. 4 Mai 2019 - 18:35

Die veröffentlichte Meinung hat von dieser Kampagne jedenfalls bisher nicht Kenntnis genommen. Schaun wir mal, ob sich das noch ändert.

Gondel (nicht überprüft)

Mo. 6 Mai 2019 - 10:01

Zum Start

Eines vorneweg: Wie kaum anders zu erwarten hat sich gezeigt, dass ein über-übergroßer Anteil der Interessierten keinen blassen Schimmer davon hat, was bei uns zwischen Kirche und Staat abläuft.
Allerdings ließ es sich eher undramatisch an, denn mit den beiden Standpunkten handelte es sich um reine Touristenschwerpunkte, die, zumal noch am Wochenende, kaum von Einheimischen frequentiert werden.
Ganz anders dann abends in der gut besuchten Urania, wo man in der von Michael Schmidt-Salomon mehr als Moderator geführten Runde von der Urheberin des (deutschen) March of Science Tanja Gabriele Baudson erfuhr, wie dieser entstand, und wie es zum Zusammengehen beider Kampagnen kam.
Sagenhaft ermunternd dann die Erfahrungen, die Philipp Möller als Praktikant im Bundestag machte. Man kann wohl davon ausgehen, dass "Isch geh Bundestag" das spannendste seiner Bücher sein wird.
Die anschließenden Diskussionen setzten sich dann noch ins Foyer und bis vor die Tür fort.

Am Tag 2 dann der Bus mit seiner Breitseite als Kulisse vor dem Brandenburger Tor - jawoll, mehr geht nicht!
Aber auch hier galt das Interesse mehr den Selfies vor dem Brandenbuger Tor als der Kampagne.
Es wurde zwar ständig diskutiert, aber eher unkontrovers, von richtig kritischen Stimmen habe zumindest ich nichts vernommen.
Da waren z.B. Polizisten, die, von der Busaufschrift neugierig geworden, aus allen Wolken fielen, als sie erfuhren, welch hochdotierte Gehälter vom Staat an die Kirchenprominenz gezahlt werden.
Da war z.B. ein ehemaliger Militär, neun Jahre lang der Bundeswehr angehörend, sicher kein niedriger Dienstgrad, der eigentlich allem zustimmte, dann aber richtig gut nachvollziehbar die aufopferungsvolle und dringend notwendige Tätigkeit der Militärseelsorger schilderte. Da konnte auch unsereinem direkt ein wenig beklommen werden.
Zu dem berüchtigten Bischof-Overbeck-Ausspruch fand er allerdings auch keine Worte, dieser machte ihn sichtlich betroffen.
Zum Abschluss noch eine Stadtrundfahrt mit dem Schwerpunkt zu historischen Stätten der Freidenker-Bewegung, was hochinteressant und engagiert moderiert wurde.
Eine tolle Sache, hier mal dabei gewesen zu sein, zumal noch unter so viel supernetten Menschen.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mo. 6 Mai 2019 - 12:11

Antwort auf von Gondel (nicht überprüft)

Wenn "ein über-übergroßer Anteil ... keinen blassen Schimmer" hat, dann ist es ziemlich egal, ob ich in schimmerfreie Kieze oder Touristenschwerpunkte fahre - Hauptsache wäre, Aufmerksamkeit für die Sache zu generieren.
Aber am Ende des Tages scheint es ja gefallen zu haben und gerade noch einmal gutgegangen zu sein. Insgesamt doch 'ne positive Message.

Gondel (nicht überprüft)

Mo. 6 Mai 2019 - 13:01

Antwort auf von Gondel (nicht überprüft)

Nachtrag

Vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt: "von richtig kritischen Stimmen" meine ich solche, die die Buskampagne kritisiert hätten, Zunder im Sinne der Kampagne gab es schon.

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