Kolumne
Die Bibel ist kein brauchbares Zeugnis für die Existenz Gottes
Die „Heilige Schrift“ ist die einzige Quelle, die auf den christlichen Gott hinweist. Sie ist aber nicht glaubwürdig.
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Eine der markantesten menschlichen Eigenschaften ist die Neugier. Sie ist vermutlich evolutionär und genetisch bedingt. Für unsere Urahnen bedeutete Unwissenheit allenfalls eine Gefahr. Sie mussten zum Beispiel wissen, welche Wildtiere gefährlich sind und welche sie jagen konnten.
Wissen war für das Überleben existenziell. Auch heute noch. Das ist mit ein Grund, weshalb wir Unsicherheiten schlecht ertragen. Deshalb suchen wir für jedes unbekannte Phänomen eine Antwort. Wenn möglich, eine plausible.
Wir suchen stets Antworten auf drängende Fragen
Fällt uns keine ein, suchen wir auch bei unsinnigen Erklärungen Zuflucht. Hauptsache, wir haben die Unsicherheit überwunden und eine Antwort für quälende Fragen gefunden. Früher griffen die Menschen oft zu seltsamen Antworten, weil sie ein beschränktes Weltbild hatten und Hintergründe und Zusammenhänge vieler Phänomene nicht ergründen konnten.
Zwei Beispiele: Krankheiten und Seuchen waren einst individuelle und kollektive Katastrophen. Da unsere Urahnen keine biologischen und medizinischen Kenntnisse besaßen, griffen sie zu spirituellen und religiösen Erklärungen. Sie interpretierten beispielsweise tödliche Entzündungen oder die Pest als Strafe Gottes.
Ähnliche religiöse Erklärungen suchten die Menschen früher auch bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, Stürmen oder Überflutungen. Solch nachweislich falsche Interpretationen vermittelt auch die Bibel. Die Autoren der „Heiligen Schrift“ hatten wie alle Menschen damals keine wissenschaftlichen Erkenntnisse und legten „Gott“ falsche Erklärungen in den Mund.
Ein Beispiel: Bei 5. Mose 15-28 heißt es:
Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des Herrn, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen: (…)
Der Herr wird dir die Pest anhängen, bis er dich vertilgt hat in dem Lande, in das du kommst, es einzunehmen. Der Herr wird dich schlagen mit Auszehrung, Entzündung, Fieber, Wundbrand, Dürre, Getreidebrand und Getreiderost; die werden dich verfolgen, bis du umkommst. (…)
Statt des Regens für dein Land wird der Herr Staub und Asche vom Himmel auf dich geben, bis du vertilgt bist. (…) Der Herr wird dich schlagen mit ägyptischem Geschwür, Beulen, Krätze und Ausschlag, dass du nicht geheilt werden kannst. Der Herr wird dich schlagen mit Wahnsinn, Blindheit und Verwirrung des Geistes.
Dieses Beispiel zeigt, dass die Bibel kaum von „Gott“ inspiriert wurde, wie strenggläubige Christen behaupten. Diese Bibelzitate sind derart brutal und vernichtend, dass wir von einem Gott, der uns solche Strafen androht, angewidert wären.
Mose 5 ist kein Einzelfall, denn es gibt mehrere ähnlich schreckliche Stellen im Alten Testament. Womit wir beim zentralen Punkt angelangt sind: Die Bibel ist das einzige Zeugnis von Gott. Es gibt keine anderen Quellen oder Dokumente. Dieses Zeugnis steht auf einem wackeligen Fundament.
Es ist offensichtlich, dass die Schrift allzu menschliche Spuren aufweist und wohl kaum göttliche Botschaften enthält. Die Bibel gibt ein Sittenbild ab über das Leben, die Ängste und Sehnsüchte der Menschen in der damaligen Zeit. Einen Beweis oder Hinweis auf die Existenz Gottes ist beim besten Willen nicht zu erkennen.
Die Bibel zitiert Gott und Jesus, als könne man mit ihm sprechen
Das zeigt sich auch daran, dass die Autoren der Bibel Gott oder Jesus zitieren. Wenn sie tatsächlich mit den göttlichen Instanzen hätten kommunizieren können, gäbe es wohl nicht so viele Ungereimtheiten und Widersprüche. Und das religiöse Weltbild wäre nicht so naiv und kindlich. Schließlich bezeichnet sich Gott im Psalm 139, 1-4 selbst als allwissend. Somit hätte er wohl nicht ein Bild von der Welt gezeichnet, das heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen radikal widerspricht.
Fazit: Ohne die Bibel gäbe es keine Idee oder Vorstellung vom christlichen Gott. Wenn nun unzählige Theologen und Bibelforscher seit Jahrhunderten versuchen, ein Bild von Gott aus der Bibel herauszuschälen und die Botschaften zu interpretieren, wird klar: Sie kann kein Beweis für die Existenz Gottes sein. Nicht einmal ein Hinweis.
Die Bibel ist als Quelle nicht plausibel
Die Bibel ist als Quelle nicht plausibel. Und andere Spuren von Gott gibt es nicht. Strenggläubige Christen erklären, sie würden Gott spüren und könnten mit ihm kommunizieren. Außerdem glauben sie, ihre spirituellen Erfahrungen und ihre religiöse Ergriffenheit seien untrügliche Zeichen, dass Gott existiere.
Diese Hinweise sind nicht stichhaltig. Sehnsucht, Einbildungskraft, vom Unbewussten konstruierte Eingebungen, Wahrnehmungsverschiebungen, die Ausschüttung von Glückshormonen und hirnphysiologische Fehlleistungen führen oft zur Überzeugung, dass Gott bei ihren Empfindungen eine wichtige Rolle spielt.
Frei nach dem Motto: Der Mensch findet, was er sucht. Und manchmal ist es auch Gott, den Gläubige finden wollen. Die Bibel und andere religiöse Schriften aus der Antike sind zwar eindrückliche religionshistorische Werke, eignen sich aber nicht, die Existent Gottes nachzuweisen. Wenn aber die Bibel nicht auf Gott zurückgeht, verschwindet er im Nirvana.
Kommentare (16)
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Hugo Stamm, Zitat: "Wenn…
Hugo Stamm, Zitat: "Wenn aber die Bibel nicht auf Gott zurückgeht, verschwindet er im Nirvana." Ist "Nirvana" hier umgangssprachlich als "Nichts" gemeint?
"Nirvana" ist ein interessanter Begriff, alles andere als "Nichts" - im Buddhismus ist "Nirvana" positiv besetzt, Zitat wikipedia: "Nirwana oder Nirvana (Sanskrit निर्वाण nirvāṇa n.; nis, nir ‚aus‘, vā ‚wehen‘) bzw. Nibbana (Pali: nibbāna) ist ein buddhistischer Schlüsselbegriff, der den Austritt aus dem Samsara, dem Kreislauf des Leidens, des Daseins und der Wiedergeburten (Reinkarnation) durch Erwachen (Bodhi) bezeichnet. ..." https://de.wikipedia.org/wiki/Nirwana
Wenn man "Nirwana" ganz frei - wirklich frei - in den christlichen Raum übertragen würde, müsste Hugo Stamms Satz dann so lauten: "Wenn aber die Bibel nicht auf Gott zurückgeht, verschwindet er in der Erlösung." Das klingt zumindest nach "mehr" ...
Volle Zustimmung. Priester…
Volle Zustimmung.
Priester haben die Götter erfunden. So konnten sie scheinbar alles damals Unverstandene erklären, Naturphänomene wie politische Ereignisse.
Erfundene Götter können sich nicht wehren. Ergo kann man ihnen alles andichten und in die Schuhe schieben, wie z.B. die Schwangerschaft einer gewissen Maria.
Irgendwann sine die Priester darauf gekommen, dass sich mit Gottesangstmacherei schöne Geschäfte machen lassen...
Wir halten Religion für eine Art von Ethik. Ich bin überzeugt: Damit liegen wir falsch.
Religion ist keine Ethik, sondern arglistige Täuschung.
Religiöse Führer täuschen ihre Gläubigen arglistig.
Beispiel: Mit der Verheißung vom "ewigen Leben im Paradies" werden Krieger arglistig getäuscht, damit sie sich willig als Kanonenfutter benutzen lassen.
@ A.S. Ich habe gerade so…
@ A.S. Ich habe gerade so viel von Ihnen dazugelernt, dass ich es gar nicht mehr in Worte fassen kann!
Weitere Beispiele für…
Weitere Beispiele für arglistige Täuschung mittels Religion:
- die "gottgewollte" Herrschaft des Adels über leibeigene Bauern, wobei Adel und Kaiser dem Papst zu gehorchen hatten
- der Ablaßhandel im Mittelalter
- die "gottgewollte" Herrschaft des Mannes über die Frau
Religiöse Führer indoktrinieren und manipulieren ihre Gläubigen. Und wir schützen diese Scharlatanerie durch unser Grundgesetz!
In der Bibel, vor allem im…
In der Bibel, vor allem im Alten Testament, steht so viel menschenverachtender Blödsinn, dass sie der beste Beweis für die Nichtexistenz eines weisen und liebenden Gottes ist.
Wenn der freie Wille Gottes…
Wenn der freie Wille Gottes Antwort auf das Problem des Leidens sein soll, muss man die Konsequenz dieses Arguments auch zu Ende denken.
Gott hat den Menschen also einen freien Willen gegeben – und deshalb greift er nicht unmittelbar ein, wenn Menschen andere Menschen ermorden.
Er verhindert demnach nicht die Erschießung eines Kindes durch einen Terroristen, obwohl er es ohne Weiteres könnte.
Er verhindert nicht, dass eine Mutter in Auschwitz in die Gaskammer getrieben wird.
Er lässt zu, dass ein Kind dort erstickt, obwohl ein allmächtiger Gott mit einem einzigen Gedanken die Tür öffnen könnte.
Aber was genau würde der freie Wille des Täters dadurch zerstören?
Der Mörder könnte weiterhin den Entschluss fassen, zu schießen – nur die Kugel würde ihr Ziel nicht erreichen.
Der Terrorist könnte weiterhin seinen freien Willen haben – nur seine Tat würde nicht zum Mord führen.
Ein Gott, der einen Menschen am Töten hindert, nimmt ihm nicht notwendig den Willen, sondern nur die Möglichkeit, seinen Willen erfolgreich in eine tödliche Tat umzusetzen.
Und wenn Gott angeblich sogar Naturgesetze außer Kraft setzen kann, warum sollte er ausgerechnet beim Schutz unschuldiger Menschen vor einem Verbrechen eine unüberwindbare Grenze haben?
Warum darf er einen Sturm stillen, aber nicht eine Kugel aufhalten?
Warum darf er Krankheiten heilen, aber nicht verhindern, dass ein Kind in einem Konzentrationslager ermordet wird?
Der Hinweis auf den freien Willen erklärt also allenfalls, warum Gott das Böse nicht verhindert, das Menschen wollen – er erklärt nicht, warum er das Böse auch dann geschehen lässt, wenn er es ohne Aufhebung des freien Willens verhindern könnte.
Vor allem erklärt er nicht das Leiden, das überhaupt keinem menschlichen freien Willen entspringt: Erdbeben, Krebs, Überschwemmungen oder angeborene Krankheiten.
Und genau hier wird das Argument besonders schwach: Ein allmächtiger und allgütiger Gott soll vorhanden sein, aber ausgerechnet bei den schutzlosesten Opfern macht er sich unsichtbar.
Man kann natürlich glauben, dass es dafür einen höheren, uns unbekannten Grund gibt.
Aber das ist keine Erklärung, sondern eine Glaubensaussage.
„Gott hat seine Gründe“ ist kein Nachweis dafür, dass diese Gründe existieren.
Und Auschwitz ist vielleicht der brutalste Prüfstein für die Behauptung, ein allmächtiger und allgütiger Gott greife rettend in die Welt ein.
Wer darauf nur mit „freiem Willen“ antwortet, hat die Frage nicht beantwortet, sondern verschoben.
Eine überraschend schwache…
Eine überraschend schwache Argumentation, die ihrerseits viel Theologisches enthält.
Um sagen zu können, die Bibel enthalte nichts Göttliches, müsste ja feststehen, dass Gott – dessen Existenz so wenig wissenschaftlich widerlegt wie belegt ist – nicht so ist wie die Bibel: Widersprüchlich, spannungsgeladen, oft alogisch und unklar. Diese Argumentation setzt ja bereits eine Gottesvorstellung voraus, nämlich, dass Gott, wenn überhaupt, so sein müsse, wie der Mensch nicht ist.
Dass die Bibel viel (aus der Perspektive eines dem liberalen Menschenrechtsdenken verpflichteten Menschen des 21. Jahrhunderts) Entsetzliches und Ekelerregendes enthält, kann ebenfalls kaum als Beweis dafür dienen, dass die Bibel ein rein menschliches Produkt sein muss. Die Erfahrungen der Menschen, auf die die Texte tatsächlich zurückgehen und von denen sie handeln, lassen sich ja nicht nachvollziehen. Zudem ist es doch wiederum eine wunschgeleitete Vorstellung, dass ein Gott, der wirklich ist, allgütig und und allliebend sein müsste.
Richtig ist: Kein Argument für die Existenz Gottes in der Bibel, dem man aus wissenschaftlicher Sicht nichts entgegenhalten könnte. Das war es dann aber auch schon.
Gottesvorstellungen, Herr Stamm, hat es bereits vor den heiligen Schriften gegeben. Die heiligen Schriften als unentbehrliche Voraussetzung für einen Gottesglauben zu behandeln, schreibt nur einen kulturprotestantischen Religionsbegriff fort. Die meisten Gläubigen haben, historisch betrachtet, die heiligen Schriften kaum gelesen (und tun es auch heute nicht), ja, die meisten haben sie gar nicht lesen können und – oft – nicht lesen wollen; an Glauben hat es ihnen deshalb nicht gefehlt.
Wer hat die Beweispflicht? "…
Wer hat die Beweispflicht?
"...Gott – dessen Existenz so wenig wissenschaftlich widerlegt wie belegt ist..."
Die Nichtexistenz vom Irgendetwas (z.B. Gott, Antigravitation, Russels Teekanne) ist nicht beweisbar. Man kann nur die Existenz beweisen.
Richtige Aussage, müsste…
Richtige Aussage, müsste aber wissenschaftlich präziser gefasst sein, denn man kann nur in Geisteswissenschaften etwas beweisen. In Naturwissenschaften (zu denen die Suche nach einem Gott gehört) braucht es Belege, um eine These zu verifizieren. D. h. es müsste etwas unstrittig Physisches von einem "Gott" erhalten sein, um ihn zu belegen.
Ein Mangel an Belegen - zum Beispiel kein Beleg - führt immer zum Verwerfen einer Arbeitshypothese (nichts mehr sind sogenannte heilige Schriften). Das haben auch die frühen Kirchenleute geahnt und daher massenhafte Fälschung von Reliquien beauftragt. Auch die als Pseudepigraphen geschriebenen, biblischen Bücher sind wissentliche Fälschung, weil die echten Autoren natürlich wussten, was sie taten. Man muss hier nicht von Irrtümern ausgehen (die mögen im Volksmund zur Ausformung bestimmter Legenden beigetragen haben), sondern alle Behauptungen "göttlicher Begegnungen" sind freie, dichterische Erfindung, um eine patriarchale Gesellschaftsform "von oben" zu legitimieren.
Daher auch die bis heute in Teilen vorhandene Wissenschaftsfeindlichkeit, da sich Ideologien nicht belegen lassen, man aber gleichzeitig auf die "Realität Gottes" beharrt. Wäre er nach wissenschaftlichen Prinzipien infrage zu stellen, wäre das Haus Gottes massiv einsturzgefährdet - oder eben auch nicht, weil es nie existierte...
Der absolute…
Der absolute Wahrheitsanspruch der Bibel ist ein logischer Totalschaden.
Die Bibel behauptet, das unfehlbare Wort Gottes zu sein, schlicht und ergreifend, weil sie es selbst von sich behauptet – ein klassischer, arroganter Zirkelschluss.
Kein Gesetz und kein Text der Welt ist wahr, nur weil er es selbst über sich zusammenschreibt.
In der Realität ist die Bibel kein vom Himmel gefallenes Buch, sondern ein von Menschenhand zusammengeschustertes Werk. Verfasst von weitgehend anonymen Autoren, über Jahrhunderte von der Kirche manipuliert, übersetzt und nach Machtinteressen selektiert.
Wer ein Buch voller interner Widersprüche – zwischen Nächstenliebe und Massenmord – als unfehlbar verkauft und jede externe Kritik verbietet, liefert kein göttliches Gesetz, sondern das perfekte Werkzeug zur menschlichen Manipulation.
Es ist immer eine Frage des…
Es ist immer eine Frage des Blickwinkels. Die Bibel, wie wir sie heute kennen, ist nicht als fertiges Buch entstanden, sondern das Ergebnis eines langen historischen Prozesses. Ihre Texte stammen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, wurden gesammelt, überliefert, ergänzt, redigiert und immer wieder neu interpretiert. Sie sind Zeugnisse menschlicher Erfahrungen und Erkenntnisse - keine von Gott* verfassten Texte.
Entsprechend sprechen sie in die Sprache, Kultur und Konflikte ihrer jeweiligen Zeit hinein. Das macht ihre heutige Lektüre anspruchsvoll: Wir lesen sie zwangsläufig aus einer Welt heraus, die von den damaligen Vorstellungen weit entfernt ist.
Im Grunde erzählt die Bibel immer wieder von der Selbstverantwortung des Menschen und der Menschheit - und ebenso vom Missbrauch dieser Verantwortung. Sie erzählt von Scheitern und Neuanfängen, von unterschiedlichen Versuchen, Zusammenleben, Gerechtigkeit, Macht und Verantwortung zu gestalten, und davon, was dabei nicht funktioniert hat. Nicht alles, was erzählt wird, hat historisch so stattgefunden - zum Glück. Manche Texte widersprechen einander, manche Vorstellungen erweisen sich aus heutiger Sicht als problematisch, und manchmal irren die Texte auch. Interessant ist dann nicht nur, dass sie irren, sondern weshalb bestimmte Geschichten so erzählt, Vorstellungen entwickelt und Erfahrungen auf diese Weise gedeutet wurden. Gerade darin wird die Bibel zu einem Zeugnis menschlicher Lernprozesse.
Auch unser Verständnis des Christentums ist historisch geprägt - durch die Entwicklung seit Konstantin, durch Staats- und Landeskirchen, durch theologische Lehrsysteme und durch evangelikale und pfingstkirchliche Auslegungstraditionen. Selbst Paulus verstand sich nicht als „Christ“ im späteren konfessionellen Sinn, sondern bewegte sich innerhalb des Judentums seiner Zeit und der frühen Jesusbewegung.
Löst man die Texte von späteren theologischen Deutungsmustern - etwa von der im späten 11. Jahrhundert formulierten anselmischen Satisfaktionslehre -, zeigen sich manche Aussagen
überraschend anders.
Auch die Frage nach der Existenz Gottes* verändert sich dann. Einen Gott*, den man eindeutig definieren, beweisen und verfügbar machen könnte, hätte man bereits zum Gegenstand menschlicher Kategorien gemacht. Ein wesentlicher Gedanke der Jesusüberlieferung liegt gerade darin Religion zu entmachten, religiöse Machtansprüche, Hierarchien und vermeintliche Gewissheiten infrage zu stellen.
Es lohnt sich deshalb, die Texte des Neuen Testaments einmal möglichst ohne den späteren kirchlichen Ballast zu lesen. Auferweckung, „Himmelfahrt“ und Pfingsten müssen dabei nicht als Berichte über übernatürliche Vorgänge verstanden werden. Man muss sie als Verdichtungen menschlicher Erfahrungen lesen: von Verlust und Neubeginn, von Emanzipation, Verantwortung, Gemeinschaft und dem Erwachsenwerden der Menschheit.
Aus dieser Perspektive liegen manche Aussagen dieser Texte erstaunlich nahe bei Humanismus und Aufklärung - und das näher als bei vielem, was kirchliche Institutionen später daraus gemacht haben und heute noch machen.
"Ein wesentlicher Gedanke…
"Ein wesentlicher Gedanke der Jesusüberlieferung liegt gerade darin Religion zu entmachten, religiöse Machtansprüche, Hierarchien und vermeintliche Gewissheiten infrage zu stellen."
Das ist ja gründlich nach hinten losgegangen...
Und Jesus war beim besten Willen nicht der Liebe und ach so Gute, wie er immer dargestellt wird - siehe das Buch "Jesus ohne Kitsch" von Heinz-Werner Kubitza.
In Teilen ist Ihre…
In Teilen ist Ihre Beschreibung der Bibel eine schöne Zusammenfassung von „Vom Winde verweht“. Oder jedem anderen Buch, das von Menschen handelt, suchen Sie sich eins aus. Im Grunde sagen Sie uns doch folgendes: Was in der Bibel steht, ist nicht wahr, bloß Geschichten von Anno Dazumal, in die Sie Bedeutung legen, weil Sie das als bedeutungsvoll interpretieren. Ohne *Gott ist die Bibel nichts weiter als ein nettes Geschichtenbuch. Ich habe mal * an den Anfang von Gott gesetzt, genauso so sinnlos, sieht aber auch irgendwie bedeutungsvoll aus.
Und jetzt nochmal die Frage, um die es ging: Ist die Bibel ein Zeugnis für die Existenz Gottes oder nicht?
"Ist die Bibel ein Zeugnis…
"Ist die Bibel ein Zeugnis für die Existenz Gottes oder nicht?"
Nein, sie KANN es nicht sein. Ein Text ist nur ein Text. Das durch ihn
Beschriebene kann vollkommen wahr oder fiktiv, oder ein Gemisch
sein. Daher kann kein Text seine eigene Wahrheit begründen. Der
Abgleich mit der Realität muss immer außerhalb des Textes statt-
finden.
"Wir definieren Gott als das…
"Wir definieren Gott als das Größte, was denkbar ist. Wenn nun etwas, das sich denken läßt, nicht existiert, dann ist etwas anderes, das ihm genau gleicht und existiert, größer.
Daher muß das Größte, das sich denken läßt, auch sein, sonst wäre etwas anderes noch Größeres denkbar. Folglich ist Gott."
Der "ontologische Gottesbeweis" des "Heiligen Anselm", wie von Bertrand Russell in "Philosophie des Abendlandes" vorgestellt.
Warum denkt sich jemand einen Gottesbeweis aus? Weil es noch keinen (brauchbaren) gab. Anders gefragt: Kann mir jemand sagen, warum Hugo Stamm überhaupt die Frage aufwirft, ob die Bibel ein "Zeugnis für die Existenz Gottes" ist? Ist es eine rhetorische Frage, die die Existenz des Artikels rechtfertigt? Wenn schon kein Gott, dann doch zumindest ein Artikel!
Wer wissen möchte was der…
Wer wissen möchte was der Glaube an einen erfundenen Gott real ist, dem empfehle ich
eines der besten Bücher zum Thema Aufklärung, nämlich das Buch von Paul Henri Thiry
d´Holbach.
Der Titel lautet: Der gesunde Menschenverstand und das Buch ist schon 1772 zum ersten mal erschienen, es hat bis heute nichts an seiner Präsents verloren.