Rezension

Gleichheit, Neid und Rassenhass

(hpd) Der Historiker Götz Aly versucht in seinem Buch das Aufkommen des Antisemitismus und seine Entwicklung bis zum Holocaust als Folge des Sozialneids der deutschen Mehrheitsgesellschaft gegenüber den Juden zu deuten. So sehr diese Einschätzung das Aufkommen von Missgunst und Ressentiments erklären kann, so wenig kann sie allein oder primär den Weg hin zum Massenmord an den Juden erklären.

Politisch motivierte Gewaltanwendung

(hpd) Mit dem „Jahrbuch Terrorismus 2010“ liegt der vierte Band in Folge mit Terrorismusanalysen in einem abgeschlossenen Zeitraum vor. Erneut überzeugt das Konzept, mit eher kurz gehaltenen Abhandlungen aktuelle Entwicklungen in bestimmten Bereichen oder Regionen treffend darzustellen.

Extreme Gewalt und soziale Krisen

(hpd) Der Historiker Christian Gerlach untersucht in seiner Studie fünf Fälle von Massakern, von den Armenier-Morden 1915-1923 bis zu den Massenmorden in Bangladesch 1971-1977, wobei es ihm hauptsächlich um die Entwicklungen in den Gesellschaften und nicht primär um die Handlungen der Staaten geht.

Beschwörung des Untergangs der eigenen Kultur

(hpd) Der Literaturwissenschaftler Volker Weiß veranschaulicht in seinem Essay, dass Sarrazins Klage über Dekadenz und Elitenbedarf, Untergang und Vererbung lediglich eine Wiederholung der Diskurse einer antirepublikanischen Rechten in der Weimarer Republik darstellt.

Prall: Der Dicke König

(hpd) Ralf König hat seine besseren und besten Arbeiten aus elf Jahren, einige zuvor unveröffentlichte, auf mehr als dreihundert Seiten zusammengestellt und ein begeisterter Denis Scheck schrieb dazu das Vorwort. König, der Querdenker, beweist wieder einmal, dass er verblüffend gekonnt von hinten durch die Brust ins Auge schießen kann.

Konzept eines kreativen Sozialismus

(hpd) Sahra Wagenknecht hat ein neues ökonomisches Sachbuch geschrieben. Dabei demonstriert sie nicht nur ihre Sachkompetenz, sondern legt auch ein entschiedenes Plädoyer für ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik vor. Wer nun jedoch glaubt, Wagenknecht würde kommunistische Parolen zum Besten geben, der irrt sich gewaltig.

Matusseks katholische Rumpeleien

(hpd) Wenn ein ehemaliger Feuilleton-Chef des SPIEGELs und begeisterter Katholik – eine etwas ungewöhnliche Kombination – ein streitbares Bekenntnisbuch vorlegt, kann ihm Aufmerksamkeit gewiss sein. „…es zischt und kracht in diesem Buch Seite für Seite“, schrieb ein Rezensent übertrieben, aber große Sprachkraft muss man dem vielgereisten Journalisten in der Tat zubilligen – und Mut zum Exhibitionismus.

Kommunismuskritik von Ehemaligen

(hpd) Der Historiker Mario Keßler portraitiert in seinem Buch ehemalige Kommunisten, die mit Bewegung, Ideologie und System brachen und kritische Studien zu deren Entwicklung und Inhalten vorlegten. Der Band beeindruckt durch seinen hohen Informationsreichtum zu Leben und Werk der drei Genannten, hätte aber noch stärker analytisch und vergleichend ausgerichtet sein können.

Ein Überbleibsel der „K-Gruppen“

(hpd) Der Politikwissenschaftler Sascha Dietze legt eine Studie zur inhaltlichen Ausrichtung einer kommunistischen Kleinpartei mit maoistischer und stalinistischer Ausrichtung vor. Ihm gelingt auf Basis der Auswertung von Primärquellen eine anschauliche Darstellung zum Thema.