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Pastoraldemokratie 12.08.2011 · Nr. 11821

Papstbesuch für mehr als 50 Millionen (2)


Benedikt XVI. im Panoptikum in Hamburg (2007) / Foto © Evelin Frerk

BERLIN / ERFURT / FREIBURG. (hpd) In den vergangenen Wochen und Tagen liefen die Maschinen der medialen und baulichen Vorbereitungen für die Papstvisite im September bereits auf Hochtouren und offenbarten Eigenartiges, Auffallendes und Lachnummern. Dazu eine Übersicht. Teil 2.

Der letzte Pastoralbesuch des Papstes fand vom 9. bis 14. September 2006 in Bayern statt, und da die Bayern immer noch katholischer sind als der größere Teil Deutschlands, war dieser Besuch eine innerbayerische-katholische Angelegenheit. Sollten die dort doch machen, was sie für richtig hielten und in einem Freistaat, der die „Heilige Mutter Maria“ als Schutzpatronin hat, ticken die Uhren immer noch überwiegend katholisch. Nun aber kommt der offizielle „Staatsbesuch“ und ganz Deutschland schaut zu.

Berlin

Will man das Gesicht eines „Staatsbesuches“ wahren, dann muss der in Berlin am Regierungssitz beginnen, mit Nationalhymnen und dem ganzen Brimborium. (Es ist schon beschämend genug, dass der Bundespräsident dem Papst zur Verabschiedung nach Lahr im Schwarzwald folgen wird.) Frage: Hat der „Vatikanstaat“ eigentliche eine Nationalhymne? Antwort: Jein. Der „Vatikanstaat“ nicht, die „Vatikanstadt“ ja, die hat eine „Nationalhymne“, die Hymne “Inno e Marcia Pontificale”.

In Berlin ist gerade Sommerpause des Bundestages. Die ersten politischen Streitigkeiten über die Papstrede im Bundestag („Was will der Antidemokrat uns Demokraten sagen?“) sind nicht aufgehoben, sondern nur auf den September verschoben.

Das Rätselraten, wo (das Muss) des Feldgottesdienstes in Berlin stattfinden würde, hatte sich bald gelegt. Von dem eigentlich passenden Vorplatz des Schloss Charlottenburg – der Papst ist absoluter Herrscher und Souverän, also 17. höchstens 18. Jahrhundert -, wurde bald abgesehen und man entschied sich für das Olympiastadion, wozu höchstens im britischen Ausland gefragt wurde, ob es denn ein Ort in dem von den Nazis gebauten Olympiagelände hat sein müssen. Das wiederum, eine berechtigte Frage für jeden der einmal auf dem Gelände war, wurde sofort vom kirchenfröhlichen Tagesspiegel in einem kruden Kommentar verzerrt und verhöhnt: „Hitlerjunge im Nazistadion“. So einfach kann man sich das machen.

In Berlin wird man also auf Alt-Bewährtes zurückgreifen und alles ist bisher auch unter Kontrolle. Die einzige größere Bauarbeit wird es sein, das Innere des Olympiastadiums für wenige Stunden Nutzung in eine zeitweilige Kirche zu verwandeln, mit Hochaltar, Kirchenschiff, Emporen ringsum, mehrere Sakristeien, davon hierarchisch eine für den Papst, eine für die Bischöfe und eine für das Fußvolk der Priester, die aus 450 Hostienschalen rund 80.000 Hostien verteilen sollen – ein wahrer Eucharistie-Marathon. Aber das wird klappen, denn alle zehn Sekunden eine Hostie auf die Zunge gelegt, dann ist es in einer guten halben Stunde geschafft. Also ein eher logistisches Problem und nur ein Halb-Marathon, aber sicherlich ein sehr sportives Element und eine logistische Herausforderung. Die Planungszeit und Vorbereitungszeit ist ausreichend. Am 17. September hat Hertha BSC im Olympiastadium sein Bundesligaspiel gegen den FC Augsburg, dann ist Zeit bis zum 30. September, wenn Hertha BSC gegen den 1. FC Köln spielt.

"Rasterfahndung"

Anfangs wurde zwar noch die Datenerfassung für die Eintrittskarten kritisiert, wobei der passende Begriff „Rasterfahndung“ verwendet wurde, denn das weltliche Bundeskriminalamt ist bei der Überprüfung mit von der Partie. Interessant dürfte es werden, wie mit dem erwarteten Ansturm der polnischen Katholiken umgegangen wird, denn ein Katholik in Polen würde niemals auf die Idee kommen, dass man sich für einen Gottesdienst anmelden muss. Das Erzbistum will hart bleiben: Ohne Anmeldung gibt es keine Eintrittskarte und ohne die kein Zutritt. Vielleicht gibt es ja Public-Viewing auf dem daneben befindlichen Maifeld. Dort hat die britische Besatzungsmacht gerne den Geburtstag der Königin mit Paraden und Musik gefeiert. Passen zum Papst als gekrönten Monarchen mit der Dreifachkrone würde es also schon.

Die Proteste beim Besuch Johannes Paul II. 1996 sind offensichtlich noch in guter Erinnerung, denn der Papst wird nur in geschlossenen Limousinen durch die Stadt gebracht und die Bannmeile soll so erweitert werden, dass der Papst die Demonstranten dieses Mal noch nicht einmal zu Gesicht bekommt. Schließlich will man beim Stellvertreter Gottes ja einen guten Eindruck hinterlassen. Ist aber doch vergebliche Liebesmühe, da sein Gott-Chef doch sowieso alles sieht und alles weiß?

Die katholische Nuntiatur, so etwas wie die Botschaft des Vatikans, liegt unspektakulär neben einem großen Friedhof am Südstern und Medien berichten, dass die Anwohner zufrieden seien. Nicht durch die Anwesenheit des Heiligen (Schutz-)Geistes, sondern durch die starke Polizeipräsenz, die anscheinend die kleinkriminellen Drogendealer aus der Hasenheide abgeschreckt hat. Ansonsten wird es die übliche absolute Sperrzone und dass die Straße zur Nuntiatur dadurch zur Sackgasse wird, hat natürlich auch keine Bedeutung. Über die vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen und die Anzahl der vorgesehenen Polizisten im Einsatz schweigt sich die Polizei aus.