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Religionsfreiheit 20.12.2012 · Nr. 14666

Auch Rheinmetropolen nicht mehr nur katholisch

Religionszugehörigkeiten in Düsseldorf / Grafik: fowid
Religionszugehörigkeiten in Düsseldorf / Grafik: fowid

DÜSSELDORF/ESSEN. (hpd/fowid) Als Essen vor ca. 900 Jahren entstand, ging es aus einem katholischen Stift hervor, während Düsseldorf bereits vor 1500 Jahren aus einem germanischen Siedlungsgebiet entstand. Beide Städte waren vorwiegend katholisch geprägt. Die Anzahl der katholischen und evangelischen Bevölkerung ist seit Jahren rückläufig und macht zusammen nur noch etwa die reichliche Hälfte der Bevölkerung aus.


Düsseldorf bekam 1288 Stadtrecht und war ab 1538 die Hauptstadt eines Verbundes von Territorialstaaten. Während zu Beginn der Zählung fast 88 Prozent der Einwohner katholisch waren, wird bereits um 1900 eine Differenzierung deutlich – einmal sind es die Evangelischen, die in Düsseldorf Fuß fassten und dann auch die „Sonstigen”. Dabei wird nicht unterschieden, ob sie irgendeiner anderen religiösen Richtung angehören oder konfessionslos sind. Ab 1950 wird diese Tendenz noch deutlicher und die Katholiken liegen bereits nur noch bei einem Anteil von 57 Prozent. Allerdings ist der Anteil der Protestanten auf 33 Prozent gestiegen, so dass die beiden großen Kirchen zusammen immer noch einen Anteil von 91 Prozent haben. Bis 1933 gibt es konstant ca. ein Prozent Juden in Düsseldorf. Erst ab den 1960er Jahren steigt diese Bevölkerungsgruppe wieder langsam an und ist seit der Jahrtausendwende wieder bei einem Prozent.

In den 1960er und 70er Jahren bekommt Düsseldorf einen enormen Bevölkerungszuwachs durch Neubau und Eingemeindung. Jedoch fast gleichzeitig sinken ab 1970 die absoluten und relativen Zahlen der Kirchenmitglieder. Deutlich wird, dass der Anteil der Sonstigen rapide ansteigt und es ist nicht anzunehmen, dass dies die Mitglieder der kleinen Religionsgemeinschaften ausmachen, sondern eher die Konfessionslosen.

 

Die Geschichte Essens geht bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts zurück, als hier ein hochadeliges Damenstift gegründet wurde. Dieses Essener Damenstift hatte seine größte Bedeutung um das Jahr 1000 und legte damit den Grundstein für die katholische Prägung der Stadt. Es wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Ab dem 16. Jhd. entwickelte sich auch eine evangelische Gemeinde, die ab 1802 der preußischen evangelischen Kirche zugehörte.

Zum Zeitpunkt der recht späten Gründung des Bistums Essen im Jahr 1958 lebten hier 3,1 Millionen Menschen, wovon die knappe Hälfte (etwa 1,4 Mill.) katholisch waren.

Bereits im 19. Jhd. gab es in Essen eine jüdische Gemeinde, die 1883 eine Synagoge einweihte, welche in der Reichspogromnacht zerstört wurde. Die zweite Synagoge von 1913 wurde nach dem 2. Weltkrieg als Industriemuseum genutzt, 2010 umgebaut und als Haus der jüdischen Kultur wieder eröffnet. Heute hat die jüdische Gemeinde etwa 900 Mitglieder.

Durch die stärkere Industrialisierung und den Ausbau zur Industriemetropole wurden Arbeitskräfte gesucht, die dann nicht nur aus Deutschland, sondern vor allem aus Süd- und Osteuropa kamen. Wegen der verstärkten Zuwanderung aus muslimischen Ländern (Türkei, Libanon, Afghanistan) wurden in den letzten Jahren auch muslimische Gotteshäuser erbaut. 2002 wurde in Essen die Fatih-Moschee eingeweiht und die DITIB-Zentralmoschee ist seit 2009 im Bau.

Wie in vielen Großstädten entstand auch in Essen eine Vielfalt an verschiedensten religiösen Richtungen mit geringen Mitgliederzahlen, neben denen sich auch die Gruppe der Religionsfreien zu einer nicht mehr zu übersehenden Größenordnung entwickelte.

Die Bevölkerung Essens verringerte sich in den letzten 25 Jahren um insgesamt rund 9 Prozent. Im gleichen Zeitraum reduzierte sich die Anzahl der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder um 27 bzw. 33 Prozent. Die Verringerung ist ein stetiger Prozess ohne größere Ausschläge. Die Anteile im Jahr 2011 betragen bei den Katholiken noch 38,3 Prozent und bei den Evangelischen 27,1 Prozent. Durchschnittlich verringert sich die Anzahl der Mitglieder der beiden großen Kirchen um 0,7 Prozentpunkte pro Jahr.

Die ursprünglich von der katholischen Kirche geprägte Stadt hat heute fast ebenso viele Religionsfreie bzw. sonstige Religionsanhänger. Damit übersteigt diese Anzahl den Anteil der Evangelischen Kirchenmitglieder.


Beide Städte sind durch die industrielle Entwicklung, den Einfluss anderer Kulturen und den modernen, unabhängigen Lebensstil besonders der jüngeren Generation auch zu Zentren für religionsfreies Leben geworden. In Düsseldorf ist es die knappe Hälfte und in Essen ein reichliches Drittel welche als religionsfrei bzw. als Anhänger sonstiger Religionsgemeinschaften gelten.

Elke Schäfer