Der Tagesspiegel.de 8 Apr 2008 Nr. 4310

Allahs Wolkenkratzer

In der Türkei liefern sich Muslime einen Wettbewerb um die prächtigste Moschee. Es geht um Ehre, Respekt, Macht - und darum, wer das höchste Minarett hat.


ARNAVUTKÖY -  In den Straßen von Arnavutköy steht schmutzig braunes Wasser in den Schlaglöchern. Schwer beladene Lastwagen donnern durch den Ort, vorbei an unverputzten Häusern und armseligen Läden. Arnavutköy, rund 50 Kilometer nördlich vom Bosporus, ist eine triste Vorstadt wie viele andere an den Rändern der türkischen Metropole Istanbul. Und doch ist Arnavutköy etwas Besonderes. Hier steht eine der größten Moscheen Europas: 12 000 Menschen sollen in der Yesil Camii Platz finden, der Grünen Moschee – mehr als in die Blauen Moschee in der Istanbuler Altstadt passen. Es ist, als wäre der Prachtbau vom Himmel gefallen, so wenig passt er in die Nachbarschaft. Die Hauptkuppel ist knapp 40 Meter hoch, fast 700 Fenster blitzen in der Sonne.

„Es ist eine große Ehre, hier zu arbeiten“, sagt Vadullah Baka. Er zupft seinen weißen Talar zurecht und rückt den Turban gerade, denn gleich ist Zeit für das Mittagsgebet. Baka ist der Muezzin der Grünen Moschee – seine Stimme erschallt von den Lautsprechern an den vier mächtigen Minaretten, die 100 Meter hoch in den Himmel ragen.