Gedenktage
Mexiko City 29.7.1983
Luis Buñuel
* 22. Februar 1900 in Calanda, Spanien; Δ 29. Juli 1983 in Mexiko-City;
Filmemacher, einer der hervorragendsten und zugleich eigenwilligsten Regisseure des 20. Jahrhunderts.
In seinen Filmen wie in seinem Leben hinterfragte er, radikal wie kaum ein anderer die Fundamente von Staat und Religion und attackierte jede Form von Herrschaft. Die gesellschaftlichen Klassenunterschiede, die Scheinheiligkeit und Verlogenheit der Bourgeoisie und des Katholizismus waren seine Themen. Entsprechend wurde er im Laufe seines künstlerischen Schaffens lange Zeit mit staatlicher und kirchlicher Zensur konfrontiert. Bereits mit 15 Jahren hatte er seinen persönlichen Glauben verloren und vertrat fortan die Ansicht, dass Gott sich nicht um die Menschen kümmere. Dass die katholische Erziehung ihn dennoch stark beeinflusst hatte, brachte er einmal spöttisch mit dem Satz zum Ausdruck: „Die Welt wird immer absurder. Nur ich bin weiter Katholik und Atheist. Gott sei Dank!”
Buñuel stammt aus einer gutbürgerlichen Familie. Unter dem Einfluss seines Onkels, der Priester war, erhielt er eine streng katholische Erziehung. Er besuchte eine Jesuitenschule, war Messdiener und sang im Kirchenchor. 1915 von der Jesuitenschule verwiesen, legte er 1917 das Abitur auf einem staatlichen Gymnasium ab. Das naturwissenschaftliche Studium, das er auf Wunsch seines Vaters begonnen hatte, brach er bald ab und wechselte zu Literatur, Philosophie und Geschichte.
Ab 1925 arbeitete er in Paris und kam dort mit der surrealistischen Bewegung in Kontakt. In ihm reifte der Entschluss, eigene Filme zu drehen. Er besuchte die Schauspielschule Académie du Cinéma und verschaffte sich als Helfer und Komparse erste Einblicke in Dreharbeiten.
1929 drehte er seinen ersten Film, (Ein andalusischer Hund), der vor allem in der Surrealistenszene begeistert aufgenommen wurde. Jedoch wurden schon sein zweiter (Das Goldene Zeitalter) und auch der folgende Film (Las Hurdes - Land ohne Brot) aufgrund ihrer politischen und blasphemischen Tendenz verboten. Der spanische Bürgerkrieg machte für ihn schließlich ein weiteres Arbeiten unmöglich. Er ging in die USA, konnte dort aber als Filmemacher nicht Fuß fassen. 1942 verlor er, als Kommunist und Atheist denunziert, auch seinen Job bei der Filmabteilung des Museum of Modern Art in New York. 1946 erhielt er das Angebot in Mexiko zu arbeiten und nahm drei Jahre später die mexikanische Staatsbürgerschaft an. Dort hatte er seine produktivste Phase, drehte 20 Filme und erhielt mehrere Auszeichnungen. Seine größten Erfolge erzielte er jedoch nachdem er Mitte der 60er Jahre in Frankreich zu arbeiten begann. Hier entstanden die Filme „Belle du jour”, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie” (der ihm einen Oskar einbrachte) und „Dieses obskure Objekt der Begierde”, die beim Publikum und den Kritikern gleichermaßen Anerkennung fanden und seinen internationalen Ruhm begründeten.
Drei Dinge, hat er in seinen Memoiren geschrieben, beeinflussten seine schöpferische Kraft: Die Begegnung mit dem Tod, die katholische Religion und die Sexualität. Aber auch die von der surrealistischen Kunstbewegung in Paris ausgehenden Anstöße machte ihn ein Leben lang zum Aufrührer mit der Kamera.
Zu den wichtigsten Aspekten seiner filmischen Arbeit gehört die heftige Kritik der Bourgeoisie und des Christentums. Buñuel bezweifelte die Verwirklichung christlicher Werte in unmoralischen Umgebungen. Um seinen Protest zu untermauern, brach er häufig Tabus und inszenierte eine Vielzahl seiner Werke mit schockierenden und blasphemischen Bildern. Kennzeichnend für sein Filmschaffen ist ein tiefgründiger ironisch-surrealistischer Humor, so dass seine Filme letztlich trotz schockierender Bilder zutiefst menschenfreundlich wirken.
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Dieser Text basiert unter anderem auf dem Artikel Luis Buñuel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz der GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.









