Zum AfD-Parteitag mobilisieren auch linksextremistische Gewalttäter. Ihr Agieren beförderte immer wieder das Opfernarrativ der Partei. Es dürfte beim nun bevorstehenden Parteitag am Wochenende in Erfurt ebenso kommen, sofern ihnen nicht auch friedliche Protestierende Einhalt gebieten.
Die AfD möchte gern als Opfer ungerechter Praktiken erscheinen. Aus daran orientierten Gefühlsmilieus erhofft man sich politische Zustimmung, unabhängig von den jeweiligen Ebenen des konkreten Geschehens. Dieses Ansinnen gehört zu einer ihrer bevorzugten Diskursstrategien, lässt sich derartiges Agieren doch häufig im öffentlichen Raum wahrnehmen: Man bekundet eine grenzwertige Aussage, löst damit öffentliche Empörung aus, um dann gleich von bewussten Missverständnissen zu sprechen, wodurch man zum Opfer geworden sei.
Jüngst stellte die AfD auch eine parlamentarische Anfrage, in der es um Gewalttaten gegen Parlamentsabgeordnete ging. Davon waren AfD-Mandatsträger überproportional betroffen, die Belege dafür jedoch waren mitunter mehr als fragwürdig. Eine journalistische Recherche verwies auf entsprechende Verzerrungen. Auch durch Anzeigen soll der Opferstatus der Partei vermittelt werden. Dabei helfen linksextremistische Gewalttäter immer wieder indirekt mit.
Die nächste Gelegenheit dazu dürfte sich am 4. und 5. Juli ergeben, wenn der AfD-Bundesparteitag in Erfurt stattfindet. Hundert Jahre zuvor, am 3. und 4. Juli 1926, führte übrigens die damals noch kleine NSDAP ihren Reichsparteitag in Weimar durch. Für die AfD ist diese terminliche Dimension ein bloßer Zufall. Ob es dafür noch andere Gründe gibt, lässt sich angesichts von fehlendem gesicherten Wissen nicht sagen. Gleichzeitig scheint diese zeitliche Kollision ein Mobilisierungsfaktor zu sein, und so kündigen auch linksextremistische Gewalttäter ihre Präsenz an.
Entsprechend bereitet man sich in Erfurt auf einen großen Polizeieinsatz vor. Kommt es zu ähnlichen Ausschreitungen wie bei der Gründung der neuen Jugendorganisation, so dürften wieder einmal Krawalle die Medienberichterstattung dominieren. Das würde genau dem Kalkül der Partei entsprechen, könnte sich die AfD doch dann wieder in der Öffentlichkeit als Opfer präsentieren.
Denn es besteht folgendes Dilemma: Da die AfD eben keine verbotene Partei ist, hat sie ein Recht auf eine solche Veranstaltung. Hierfür muss die Polizei in einem Rechtsstaat auch Schutz garantieren. Laute Demonstrationsbekundungen wie "Deutsche Polizisten schützen die Faschisten" reimen sich zwar, sind aber angesichts der auch Extremisten zustehenden Rechte falsche Zerrbilder. Diese Einsicht nötigt aber nicht zur Inaktivität, denn auch AfD-Gegner haben Grundrechte, wozu etwa gewaltfreie Formen von Gegen-Demonstrationen gehören.
Gerade eine friedliche Demonstration mit hohen Teilnehmerzahlen dürfte ein wichtiges Zeichen setzen. Gewalttätige Ausschreitungen würden hingegen nur dem Opfer-Narrativ der Partei dienen. Georg Maier, Innenminister von Thüringen, hat es treffend zugespitzt: "Wer den Parteitag verhindern will, tut der AfD einen Gefallen." Auch den gewaltfreien Demonstranten kommt somit eine wichtige Rolle zu, sie müssen die "falschen Freunde" in den eigenen Reihen ausbremsen.
Quellen:
- Lukas Fuhr/Theresa Weiß, Das Ausmaß der Gewalt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Juni 2026, S. 5
- Wolf Wiedmann-Schmidt/Steffen Winter, Stadt im Ausnahmezustand, in: Der Spiegel, Nr. 27 vom 26. Juni 2026, S. 36 f.






