Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

Artikel der Autorin

Katholische Kirche gibt Handbuch zum Umgang mit Kindern heraus ... und löscht es schnell wieder

Sexuelle Übergriffe, Vertuschung, Schweigen. Die chilenische katholische Kirche hatte über mehrere Jahrzehnte den Missbrauch, vor allem Minderjähriger, durch ihre Amtsinhaber gedeckt und verschwiegen. Nach halbherzigen Versprechen zur Kooperation mit Behörden bei der Aufarbeitung der Fälle hat die chilenische Kirche nun ein neunseitiges Handbuch zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen für ihre Würdenträger herausgebracht. Doch binnen Stunden verschwand das Dokument wieder vom Webauftritt der Kirche.

Muslimische Sofortscheidung durch den Ehemann verboten

Die indische Regierung hat einen Erlass verabschiedet, nach dem die muslimische "Sofortscheidung" Talāq verboten wird. Die Regierung setzt damit ein Urteil des Obersten Gerichts von vor einem Jahr um, welches die Rechte muslimischer Frauen durch diese Scheidungspraxis verletzt sah. Wer gegen den Erlass verstößt, hat mit einer Geldstrafe oder einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren zu rechnen. Das Oberhaus des Parlaments ließ den Erlass zunächst durchfallen, während das Unterhaus ihn bestätigte. Einige muslimische Verbände kritisieren ihn als Einmischung in religiöses Recht.

Exhumierung Francos ist Teufelswerk

Die sozialistische Regierung Spaniens plant die Exhumierung und Umbettung der Überreste des Diktators Francisco Franco und des Gründers der faschistischen Bewegung Falange, José Antonio Primo de Rivera. Die Umbettung soll dafür sorgen, dass Rechtsextreme und Franco-Fans nicht mehr zur Grabanlage "Valle de los Caídos" (Tal der Gefallenen) bei El Escorial pilgern, in der beide begraben sind. Kirchenvertreter wie der Prior Administrator des Valle de los Caidos erklärten das Vorhaben zum Teufelswerk und sehen Unglauben nebst Hass, Neid und Sünde aufziehen.

Kanton St. Gallen stimmt für Verhüllungsverbot

Am Sonntag hat sich der Schweizer Kanton St. Gallen mit 66,6 % der Stimmen für ein Gesichts-Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum ausgesprochen. St. Gallen ist damit der zweite Schweizer Kanton, der ein solches Gesetz erlässt. Bereits im Juli 2016 trat im Kanton Tessin ein solches Verbot in Kraft. Obwohl gegen die Vollverschleierung des Gesichts von Frauen mittels Burka oder Niqab gerichtet, sind auch Fußballfans und andere Gruppen ohne religiöse Motivation vom Verbot betroffen.

Tote und Verletzte durch Baupfusch an Kirchen

In Adagbrasa, Nigeria, kam es während einer Messe in der St. Paul Catholic Church Anfang September zu einem Einsturz, bei dem eine Person getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Dieses traurige Ereignis ist leider kein Einzelfall. Immer wieder begraben Kirchen in Nigeria Gläubige unter sich. Schuld daran sind nicht alte Gebäude mit Sanierungsstaus aus Geldmangel, sondern Korruption, Pfusch und das Wegsehen reicher Kirchen.

Katholischer Priester wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen zu Haft verurteilt

In Izabal, Guatemala, ist der katholische Priester Ignacio López García wegen Missbrauchs einer Minderjährigen zu 16 Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er das Mädchen seit dessen Erstkommunion im Jahre 2016 mehrfach vergewaltigt hatte. Durch Liebesbotschaften und Drohungen hatte er das Mädchen zum Schweigen gebracht.

Schließung von sieben Mutter-Teresa-Kinderheimen

Nach Überprüfung durch die Behörden wurde im ostindischen Bundesstaat Jharkhand sieben katholischen Kinderheimen der von Mutter Teresa gegründeten Missionarinnen der Nächstenliebe die Lizenz entzogen. Bereits im Juni dieses Jahres hatten Verhaftungen wegen des Verdachts auf Kindesverkauf in den Einrichtungen der Ordensschwestern für Aufsehen gesorgt.

Spanien: Schauspieler verhaftet, weil er "auf Gott scheißt"

Willy Toledo ist nicht nur Schauspieler und Theater-Regisseur, sondern auch Atheist – und er macht im noch immer katholisch geprägten Spanien keinen Hehl daraus. In einem Facebook-Eintrag hatte Toledo erklärt, dass er auf Gott und das Dogma von der Heiligkeit und Jungfräulichkeit Marias scheiße. Hierfür wurde er von einer Vereinigung christlicher Anwälte wegen der Verletzung religiöser Gefühle angezeigt.

Gegenwind für "Propheten"

Zahlreiche Wunderheiler, Propheten und Scharlatane jeglicher Richtung versuchen mit angeblichen Heilungen von schweren und tödlichen Krankheiten Kasse zu machen. Nicht selten kommt es dabei zu Todesfällen, weil behandelbare Krankheiten nicht adäquat versorgt werden. In Zimbabwe bekam ein vermeintlicher Prophet, der mit dem Bild eines Kindes bei Facebook für seine Heilkräfte warb, Gegenwind von Aktivist*innen.

Valencia

Spanien: Katholisch, evangelisch, muslimisch?

Im Jahre 2006 wurde unter der christlich-konservativen Regierung der Partido Popular (PP) für ganz Spanien ein neues Bildungsgesetz erlassen. Dieses umfasst eine Regelung zum Religionsunterricht. Der katholische Religionsunterricht soll von den Bildungseinrichtungen obligatorisch angeboten werden, von den Schülerinnen und Schülern aber optional belegt werden können. Um anderen Religionen Rechnung zu tragen, sollten auch diese angeboten werden können.