Die etwas absonderlichen Geschichtsdeutungen des Philosophen Edgar Dahl

Im Irrgarten der Zeitgeschichte

Der Philosoph Edgar Dahl legt mit "Warum sie Hitler folgten. Die andere Hälfte der Wahrheit" eine Deutung der Geschichte des Nationalsozialismus und Zweiten Weltkriegs vor. Dabei meint er u.a. die Hauptkriegsschuld nicht bei Hitler, sondern bei Roosevelt sehen zu können und bewegt sich auch ansonsten im Irrgarten der Zeitgeschichte.

Die Frage, warum viele Deutsche den Nationalsozialisten folgten, kann mit dem heutigen Wissen um den Holocaust und den Weltkrieg nur schwer beantwortet werden. Denkt man Geschichte nicht vom Ende, sondern aus der Zeit heraus, dann ist dies einfacher möglich. Dabei muss die damit einhergehende Blickrichtung bei der Erklärung keineswegs mit einer Verteidigung verbunden sein. Denn beide Denkperspektiven liegen auf unterschiedlichen Ebenen. Letzteres lässt sich indessen bei dem neuen Buch von Edgar Dahl konstatieren. Der studierte Philosoph ist durch bioethische und religionskritische Publikationen bekannt geworden. In seinem Buch "Warum sie Hitler folgten. Die andere Hälfte der Wahrheit" widmet er sich einem historischen Thema. Dieses erfüllt, es muss gleich zu Beginn deutlich gesagt werden, keine wissenschaftlichen Ansprüche. Denn der Autor belegt seine Ausführungen nicht genauer, gleiches gilt für die vorgetragenen Zitate. Man findet gegen Ende nur ein Literaturverzeichnis mit einigen problematischen Veröffentlichungen.

Bereits im Vorwort beklagt er sich über mediale Darstellungen zur Geschichte des Nationalsozialismus: "Sie haben Angst, die wahren geschichtlichen Zusammenhänge darzustellen" (S. 7) – welche dafür der Autor zu kennen meint. Es gehe nicht um "Geschichtswissenschaft", sondern um "Volkspädagogik" (S. 7). Ein anderer Blick sei möglich bei einem "Zuschauer, der sich während seiner Schulzeit einer Gehirnwäsche entziehen konnte" (S. 8). Demnach geht Dahl davon aus, dass absichtlich ein grundlegend falsches Geschichtsbild vermittelt werde. Er beansprucht nun dagegen, ein richtiges Geschichtsbild zu vertreten, was nach dem Untertitel "Die andere Hälfte der Wahrheit" sei. Dabei läuft die ganze Darstellung darauf hinaus, der damaligen deutschen Bevölkerung eine moralische Mitschuld oder Mitverantwortung abzusprechen, aber auch die nationalsozialistische Regierung zumindest von dem Vorwurf der Hauptkriegsschuld frei zu sprechen. Denn für Dahl hatte nicht Hitler, sondern Roosevelt die Verantwortung.

Nach kurzen Ausführungen zum Versailler Vertrag, der auch mit den Aufstieg des Nationalsozialismus erkläre, geht der Autor auf Hitlers Politik vor und nach 1938 ein. Es heißt dazu: "Und Hitler hat in den ersten sechs Jahren tatsächlich mehr erreicht als alle 16 Regierungen der Weimarer Republik zusammengenommen" (S. 27). Genannt werden die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und die Überwindung der Wirtschaftskrise. Dabei berücksichtigt Dahl aber nicht, dass bereits direkt vor der "Machtübertragung" an die Nationalsozialisten die Wirtschaft wieder ansprang und die von ihm gemeinten Erfolge "auf Pump" zur enormen Staatsverschuldung führten. Gerade die letztgenannte Entwicklung spielte für die ökonomische "Notwendigkeit" des späteren Weltkriegs eine wichtige Rolle. Zwar spricht der Autor auch von der Diskriminierung der Juden und der Inhaftierung von Kommunisten. Aber die Errichtung einer totalitären Diktatur mit der Zerschlagung republikanischer Strukturen findet demgegenüber geringeres Wahrnehmungsinteresse.

Die Diskriminierung von Juden wird nicht verschwiegen, aber in ihrer Relevanz und Wirkung doch eher verharmlost. Immerhin verloren viele Bürger jüdischen Glaubens bereits 1933 ihre berufliche Existenz. Gleichwohl meint Dahl: "Auch die Maßnahmen gegen die Juden hielten sich bis 1938 in Grenzen" (S. 32). Die Betroffenen von den "Arisierungen" jüdischer Geschäfte haben dies sicherlich anders gesehen. Gleiches gilt für die Opfer der "Nürnberger Gesetze". Dahl spricht übrigens immer von "Juden und Deutschen": "Untersagt waren auch außereheliche Beziehungen zwischen Juden und Deutschen" (S. 72). Die gemeinten Juden waren aber auch Deutsche. Angemessener wäre die Rede von "jüdischen und nicht-jüdischen Deutschen". Durch eine derartige Formulierungswahl erfolgt eine erneute Ausgrenzung, durchaus im Einklang mit den damaligen Machthabern. Dies mag von dem Autor einfach nur unüberlegt formuliert worden sein, es passt aber zu seiner sonstigen Gesamtargumentation. Indessen verurteilt Dahl derartige Taten durchaus als unangemessen.

Eine ganz andere Geschichtsdeutung nimmt er indessen hinsichtlich der Kriegsschuldfrage vor. Denn es habe alliierte Pläne gegeben, "die Hitler nötigten, die Deutsche Wehrmacht nahezu ganz Europa besetzen zu lassen" (S. 129). Dieser erscheint von Anfang an, also bereits beim Polenfeldzug, als zum Krieg gedrängter Politiker. Dahl erklärt sich auch so die Akzeptanz der Bevölkerung: "Die deutschen Mütter hatten ihre Söhne nicht in den Krieg ziehen lassen, um ‚die Welt zu erobern‘, sondern um ihre Heimat zu verteidigen" (S. 141). Eine Auflistung der angegriffenen Länder soll hier unterbleiben, aber alle wurden in dieser Lesart eigentlich um der Verteidigung willen erobert. Dies gilt für Dahl ebenso für den Angriff von 1941: "So paradox es zunächst auch anmuten mag, doch selbst die ‚Operation Barbarossa‘, also der Feldzug gegen die Sowjetunion, war ursprünglich nur zur Wiederherstellung des Friedens geplant" (S. 134). Denn England sollte so zum Frieden gezwungen werden, was aus nationalsozialistischer Blickrichtung zutreffend wäre.

Beachtenswert im Buch sind auch andere Deutungen und Einschätzungen. Dahl zitiert Churchill, "der 1938 unumwunden erklärte: ‚Wenn Deutschland zu mächtig wird, werden wir es wieder vernichten.‘" Selbst wenn es sich um ein korrektes Zitat handeln würde - der Autor weist es nicht nach - belegt dies gerade nicht den englischen Kriegswillen. Denn Churchill war 1938 ein politisch völlig isolierter Privatier, der erst nach Beginn des Krieges und politischen Umbrüchen 1940 an die Regierung kam. Insofern bestätigt die Aussage genau das Gegenteil von dem, was Dahl suggerieren will. Für ein derartiges Agieren gibt es viele Belege. Hier ein weiteres Beispiel: "Angesichts der Tatsache, dass nicht einmal der britische Nachrichtenddienst Kenntnis von den Gaskammern von Auschwitz hatte, muss man die Behauptung, die deutsche Bevölkerung hätte vom Holocaust gewusst, also wohl als unhaltbar zurückweisen" (S. 164). Die Gaskammern waren aber nur ein Teilaspekt der Vernichtungspolitik. Darüber bestand in der Allgemeinheit sehr wohl ein Wissen.

Über die erwähnte Frage der Kriegsschuld heißt es: "Ich selbst gehöre den Vertretern der Hypothese von ‚Roosevelts Krieg‘ an. In meinen Augen hat die Theorie, wonach es Franklin Delano Roosevelt war, der bereits ab 1937 auf einen Weltkrieg drängte, die größte Erklärungskraft" (S. 184). Und weiter schrieb Dahl zum Denken der Bevölkerung: "Aus ihrer Sicht war der Krieg ein Verteidigungskrieg" (S. 185). Das sieht er offenbar auch selbst so, denn nicht Hitler, sondern Roosevelt soll ja der Verantwortliche gewesen sein. Worauf sich Dahl bei all seinen Deutungen genau stützt, bleibt eher unklar. Im Literaturverzeichnis tauchen mit den Hinweisen auf Dirk Bavendamm, Dirk Kuhnert oder Heinz Magenheimer auch Publizisten auf, welche in der seriösen Geschichtsforschung nicht ernstgenommen werden. Dafür fanden sie Beifall bei rechtsextremistischen "Geschichtsrevisionisten". Dahl selbst gehört wohl nicht dazu, leugnet er doch weder die Diktaturpraxis noch den Völkermord. Er wandert aber auf den Irrwegen der Zeitgeschichte.

Edgar Dahl, Warum sie Hitler folgten. Die andere Hälfte der Wahrheit, Alsdorf 2017 (Nibe-Verlag), 205 S., 9,95 Euro

Kommentare (34)

PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

Mo. 15 Mai 2017 - 14:10

Keynesianische Wirtschaftspolitik als Kriegstreiber?
Wenn Hitlers scheinbare wirtschaftspolitischen „Erfolge 'auf Pump' zur enormen Staatsverschuldung führten“, welche „für die ökonomische 'Notwendigkeit' des späteren Weltkriegs eine wichtige Rolle“ spielte, dann vernachlässigt der Verfasser möglicherweise einen wichtigen Aspekt: Betrieb nicht auch Roosevelt mit seinem sog. „New Deal“ eine ähnliche keynesianische Wirtschaftspolitik wie Hitler, die vor allem auch von Hitler-Gegnern wie Wilhelm Röpke scharf kritisiert wurde?
PD Dr. Andreas Haaker, Berlin

Lars Temme (nicht überprüft)

Di. 16 Mai 2017 - 21:57

Antwort auf von PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

Nein. Keynesianismus ist wohl die richtige Bezeichnung für beide Politiken, aber während Hitler auf eine Stimulierung der Wirtschaft durch ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm setzte, geschah dies in den USA durch sozial- und ordnungspolitische Maßnahmen. Das die erste Variante die Eröffnung von Kriegen ermöglichte, die zweite nicht, ist offensichtlich.

Kollektivismus als Kriegstreiber – Erwiderung zum Kommentar von Lars Temme

Autobahnen bauen und andere „sozial- und ordnungspolitische [sic!] Maßnahmen“ des damaligen national-sozialistischen „New Deal“ haben auch nichts mit Aufrüstung zu tun. (Ordnungspolitik ist in beiden Fällen eines „New Deal“ kein treffender Begriff!) Der springende Punkt ist, dass eine kollektivistische Wirtschaftspolitik in beiden (New-Deal-)Fällen Probleme verschleppt und vergrößert sowie die Machtkonzentration gefördert haben dürfte. Spieltheoretisch oder situationslogisch betrachtet wurden offenbar auf beiden Seiten (sowohl bei Hitler als auch bei Roosevelt) die Kriegsvoraussetzungen und Kriegsanreize erhöht. Ob die Implikationen dieser Situationslogik durch die historischen Fakten falsifiziert werden können und wie bedeutend die jeweiligen Anreize in Wirklichkeit waren, müsste untersucht werden.
Zeitzeuge und Wissenschaftstheoretiker Radnitzky hat dazu folgende These vertreten: „Roosevelt sah in einem Krieg die einzige Chance, aus dem aktuellen wirtschaftlichen Schlammassel herauszukommen und etwas vom „New Deal“ zu retten. Auf das Phänomen des „war-sprung socialism“ konnten alle Sozialisten vertrauen. Der Krieg ist der größte Feind von Markt und Freiheit; er ermöglicht es der Regierung, die Kontrolle über die Wirtschaft zu bekommen und ihre Macht auszuweiten. Der Staat wächst.“ (Gerard Radnitzky, Das verdammte 20. Jahrhundert)
PD Dr. Andreas Haaker

Petra Pausch (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 13:11

Antwort auf von PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

"Autobahnen bauen ... haben auch nichts mit Aufrüstung zu tun."

Mit dieser Auffassung stehen Sie aber ziemlich allein da. Ich zitiere: "Die Nationalsozialisten aber verfolgten von Beginn an mit dem Autobahnbau insbesondere strategische Aspekte. Eduard Schönleben charakterisierte den Inhalt der sogenannten 'Braunen Denkschrift' Straßenbau und Straßenverwaltung aus dem Jahre 1932 von Fritz Todt so: 'Linienführung und Ausgestaltung sind nach militärischen Gesichtspunkten vorgeschlagen.'" (https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsautobahn#Autobahnen_zur_Kriegsvorbereitung)
Oder, wenn Sie der Wikipedia nicht trauen, empfehle ich diesen Artikel aus der WELT: https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article141052573/Wie-Hitler-die-Idee-mit-der-Autobahn-klaute.html Zitat: "'Dies sind die Straßen des Führers', sagte Joseph Goebbels, 'und diese Straßen führen zum Westwall.' Todt hatte in einem 'Braunen Bericht' an Hitler damit geworben, es lasse sich auf Autobahnen binnen 36 Stunden 'eine Armee von 300.000 Mann in 100.000 requirierten Automobilen von der Ostgrenze des Reiches an die Westgrenze befördern'."

PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 14:09

Antwort auf von Petra Pausch (nicht überprüft)

Es geht mir in der Aussage um die Staatsausgaben, die nicht nur direkt der Rüstung dienten, und die Ähnlichkeit beider Kollektivwirtschaften.
1) Dass der Bau von Straßen neben der nicht nachhaltigen Ankurbelung der Wirtschaft durch Staatsausgaben auch der Beförderung von Soldaten dienlich sein kann, ist wenig überraschend. Straßen dienen ja der Mobilität.
2) Wenn Staatsausgaben genutzt werden sollen, um die Kollektivwirtschaft kurzfristig anzutreiben, wird eine sozialistische Wirtschaft diese möglichst entsprechend anderer Pläne (z.B. auch militärischer) verwenden.
3) Letztlich werden alle wirtschaftlichen Maßnahmen mit den obersten "Gesellschaftszielen" abgestimmt. Das ist ja gerade ein Problem der freiheitsraubenden Kollektivwirtschaft.

Edgar Dahl (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 13:51

Antwort auf von PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

Ganz herzlichen Dank für den Hinweis auf Gerard Radnitzky, den ich stets geschätzt habe. Ich werde mir sofort sein Buch bestellen.

Gerne, wobei sich Radnitky wohl für keine Art von kollektivistischer Wirtschaftspolitik hätte begeistern können.
Der Beitrag von Radnitzky (Is Democracy More Peaceful than Other Forms of Government? S. 145ff.) in: Hoppe, THE MYTH OF NATIONAL DEFENSE, dürfte dann sicher auch interessant für Sie sein. Er ist beim Mises-Institut frei verfügbar:
http://www.mises.ch/library/Hoppe_Myth_of_national_defense.pdf

Edgar Dahl (nicht überprüft)

Fr. 19 Mai 2017 - 06:36

Antwort auf von PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

Als Libertarian kann es mir auch nicht um eine Verteidigung des nationalen Sozialismus gehen. Für die Frage, weshalb unsere Großeltern Hitler mit so großer Begeisterung folgten, ist der Hinweis auf seine Leistungen und Erfolge aber unerlässlich. Pfahl-Traughber versucht diesen Hinweis in einem einzigen Satz abzutun: "Genannt werden die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und die Überwindung der Wirtschaftskrise." Sicher, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit gehörte zweifellos dazu. Doch wie ich in meinem Buch ausdrücklich sage, waren es in erster Linie die außenpolitischen Erfolge und sozialpolitischen Maßnahmen, die Hitler eine so große Bewunderung einbrachten:

"Mit einer modernen Armee im Rücken holte er zunächst das Saarland und das Rheinland, dann die Ostmark oder Österreich und schließlich das Sudetenland und das Memelland „heim ins Reich“. Kurz, wie versprochen, befreite er Deutschland von den Fesseln des Versailler Vertrags – und all dies ohne auch nur einen einzigen Tropfen Blut zu vergießen!"

Von den sozialpolitischen Maßnahmen, die Hitler Dankbarkeit und Verehrung einbrachten, zähle ich den Bau von mehr als zwei Millionen Familienhäusern, die Mietpreisbindung, die Ehestandsdarlehen, die Erhöhung des steuerfreien Grundbetrags, die Senkung der Kosten für den Besuch höherer Schulen, die Einführung des Kindergeldes, die Erhöhung der Renten, die Verkürzung der Arbeitszeit, die Verlängerung des Urlaubs, das "Winterhelfswerk des deutschen Volkes" und natürlich das Programm "Kraft durch Freude" auf, das mehr als sieben Millionen menschen erstmals einen Urlaub ermöglichte.

Weshalb verschweigt Pfahl-Traughber dies?

Lars Temme (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 15:43

Antwort auf von PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

Aufrüstung als Kriegstreiber - Erwiderung zum Kommentar von Dr. Andreas Haaker
"Der springende Punkt ist, dass eine kollektivistische Wirtschaftspolitik in beiden (New-Deal-)Fällen Probleme verschleppt und vergrößert sowie die Machtkonzentration gefördert haben dürfte."
In diesem Punkt möchte ich Ihnen gar nicht widersprechen. Man darf aber nicht vernachlässigen, dass die Aufrüstungspolitik der Nationalsozialisten nicht nur Resultat eines von vornherein vorhandenen Kriegswillens war, sondern den Krieg unter den von Ihnen beschriebenen Bedingungen (der Machtkonzentration und der Verschleppung von Problemen in die Zukunft) eben auch als greifbarere Lösung hat erscheinen lassen. Einfach ausgedrückt: Ohne starke Armee fängt man keinen Krieg an, mit hat man die Option hingegen sehr wohl.
Wenn Herr Radnitzky die These vertritt, Roosevelt habe den Krieg als einzige Chance gesehen, den New Deal zu retten und aus dem wirtschaftlichen Schlamassel zu entkommen, so ist der entscheidende Unterschied, dass Roosevelts New Deal nicht von vorneherein auf einen Krieg ausgelegt war, die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten aber sehr wohl. Ab welchem Zeitpunkt Roosevelt auf Krieg als Problemlösungsstrategie wechselte (wenn er es denn tat), ist dabei auch eine wichtige Frage. Man wird wohl zu einer anderen Bewertung gelangen, wenn der Krieg Deutschlands oder Japans gegen die europäischen Westmächte und/oder die Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt schon herrschte.

Antwort an Lars Temme:
Ich denke, wir können Wilhelm Röpke das Schlusswort sprechen lassen:
"Sind nicht heute die Länder um so ärmer, je kollektivistischer sie sind? Und sind sie nicht zugleich um so freiheitsfeindlicher? Ist es nicht zwingende Logik, daß der Kollektivismus dadurch, daß er das Wirtschaftsleben unter das Kommando des Staates bringt, die internationalen Konfliktstoffe nur noch außerordentlich vermehrt, statt den auf so vielen internationalen Sozialistenkongressen gefeierten Frieden zu fördern? Ist Sozialismus, mit einem Wort, nicht immer National-Sozialismus, und besteht hierin irgendein wesentlicher Unterschied zwischen den Ideologien, unter denen er zur Welt kommt?" (Röpke, Wilhelm, Europäische Bilanz des Kollektivismus, in: SMH, 27. Jg. (1947-1948), Heft 6, S. 346)

Es ist eine Mär, dass sich das damalige Wirtschaftswunder der Aufrüstung verdankte. Es verdankte sich sich dem devisenlosen Tausch "Ware gegen Ware". Doch genau dieser devisenlose Tausch wurde auch zur Ursache des Krieges. Mit dem devisenlosen Handel umging Hitler die New Yorker Banken, die sich um ihre Kredite und Zinsen geprellt sahen. Zudem fand der devisenlose Handel in aller Welt so großen Zuspruch, dass die Amerikaner ihre Märkte verloren. Vor allem in Lateinamerika konnten sie ihre Produkte nicht mehr an den Mann bringen, weil die lateinamerikanischen Staaten den devisenlosen Tausch "Ware gegen Ware" mit Deutschland bevorzugten. (Dass sich Hitlers Wirtschaftswunder nicht der Aufrüstung verdankte, kann man beispielsweise auch in Sebastian Haffners "Anmerkungen zu Hitler" (S. 34ff.) nachlesen.)

PD Dr. Andreas… (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 14:26

Antwort auf von Edgar Dahl (nicht überprüft)

Schau auf Venezuelas "New Deal" – Antwort auf Edgar Dahl
Eine Tauschwirtschaft (Ware-Ware) wird aus guten ökonomischen Gründen nur im Notfall die Geldwirtschaft (Ware-Geld-Ware) zeitweise ablösen können. Ob damit eine Art „Wirtschaftswunder“ ausgelöst werden kann, erscheint erklärungsbedürftig. Im Übrigen bringen natürlich auch Staatsausgaben kein nachhaltiges „Wirtschaftswunder“ zu Stande. Beides dürfte die Wirtschaft dauerhaft ruinieren, was den Krieg als Chance erscheinen lassen kann, aus dem wirtschaftlichen Schlammassel herauszukommen. In Venezuela lässt sich gerade beobachten, wohin ein „New Deal“ (wie ihn Hitler und Roosevelt betrieben haben) führt.
PD Dr. Andreas Haaker

Roland Fakler (nicht überprüft)

Mo. 15 Mai 2017 - 20:02

Der Versailler Vertrag war eine Kriegserklärung an das deutsche Volk und eine unglaubliche Dummheit der Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Hitler wusste, dass er ihn nur mit Krieg revidieren konnte. Seit 1925 (in Mein Kampf) standen seine Ziele fest: Revision des Versailler Vertrages, Lebensraum im Osten für die „arische Rasse“; Herrschaft über Europa oder besser die Welt, Vernichtung des Bolschewismus, Versklavung minderwertiger Rassen: der Juden, der Neger, der Slaven.
In „Mein Kampf“ kündigt er unmissverständlich den Kampf um Lebensraum im Osten an: „Wenn diese Erde wirklich für alle Raum zum Leben hat, dann möge man uns also den uns zum Leben notwendigen Boden geben. Man wird das freilich nicht gerne tun. Dann jedoch tritt das Recht der Selbsterhaltung in seine Wirkung; und was der Güte verweigert wird, hat eben die Faust sich zu nehmen.“
„.. der natürlichen Entschlossenheit zum Kampfe für das eigene Dasein verdanken wir die beiden Ostmarken des Reiches und damit jene innere Stärke der Größe unseres Staats- und Volksgebietes, die überhaupt allein uns bis heute bestehen ließ.“
„Dann gibt es in einer, wenn auch noch so fernen Zukunft nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Welt wird regiert nach den Vorstellungen unserer modernen Demokratie, dann fällt das Schwergewicht jeder Entscheidung zugunsten der zahlenmäßig stärkeren Rassen aus, oder die Welt wird beherrscht nach den Gesetzen der natürlichen Kraftordnung, dann siegen die Völker des brutalen Willens und mithin eben wieder nicht die Nation der Selbstbeschränkung.“

Christian W. (nicht überprüft)

Di. 16 Mai 2017 - 09:50

Danke für den Literaturhinweis. In der Tat ist unsere offizielle Geschichtsforschung und -schreibung nicht ergebnisoffen. Einen Schritt hin zu einer ehrlichen Aufarbeitung des Geschehens zu machen ist für uns heute wahrscheinlich wertvoller denn je, will man sich nicht in politischen Ideologien und einem gewissen "Monokausalismus" verstricken.

Petra Pausch (nicht überprüft)

Di. 16 Mai 2017 - 12:21

Antwort auf von Christian W. (nicht überprüft)

"In der Tat ist unsere offizielle Geschichtsforschung und -schreibung nicht ergebnisoffen." Wie kommen Sie denn darauf? Geschichte als Wissenschaft ist per Definition ergebnisoffen. Dass häufig genug die Sieger die Geschichte schreiben, ist allbekannt - die Auswirkungen davon werden allerdings in der Regel nach ein, zwei Generationen in der Geschichtsforschung korrigiert.

Juliane Sprunk (nicht überprüft)

Di. 16 Mai 2017 - 11:06

... wenn man einem Autor das Fehlen von Belegen für seine Behautungen vorwirft, sollte man schon wilens und in der Lage sein, bei einer Buchbesprechung auch hinreichend prüfbare Gegenevidenz vorzulegen. Jenseits der gängigen Schmägungen und Phrasen sucht man belastbare Argumente - also Zahlen, Daten, Fakten - in dieser Rezension allerdings vergeblich!
Die hier wiedergekäute billige Argumentation lautet in Kürze wie folgt: "Dahl muss Unrecht haben, weil die Mehrheit etwas anderes schreibt."

Entschuldigen Sie: Aber seit wann muss ein Rezensent "Beweise" vorlegen? Das wäre die Aufgabe des Buchautors gewesen. Und genau darauf weist der Rezensent in seiner Buchbesprechung hin.

Was Geschichtsrevisionismus ist, das sollte man heutzutage niemanden mehr erklären müssen, der sich nur ein klein wenig mit der Materie auskennt.

Wieso 'wäre' der Autor verpflichtet gewesen, Beweise vorzulegen, Frau Pausch? Haben Sie das Buch gelesen und können daher mit Sicherheit behaupten, der Autor habe KEINE Beweise vorgelegt? Oder gehören Sie auch zum Schwarm der Nachplapperer, die schon wissen, was in einem Buch steht, bevor Sie den Deckel auch nur aufgeklapppt haben? Das Merkmal von Revision - in jeder wissenschaftlichen Disziplin - besteht darin, dass man etwas für wahr Genommenes revidiert (= neu betrachtet), dass man also der Mehrheitsmeinung widerspricht. Den Versuch einer Revision also einfach damit abzuschmettern, dass das alles ja längst widerlegt sei, ohne auf die Argumente des Autors einzugehen, ist ein also ein Armutszeugnis! Vermutlich gehören Sie auch zu denen, die an Evolutionstheorie, Urknall und schwarze Löcher GLAUBEN! Obwohl das alles längst widerlegt ist. Aber ja, es herrscht ja Glaubensfreiheit in diesem Lande. also lassen Sie sich in ihrem geschiegelten Weltbild doch einfach von Autoren wie Dahl nicht weiter stören und überlassen Sie die Revision der Wissenschaft, wo sie hingehört!

Petra Pausch (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 13:04

Antwort auf von Juliane Sprunk (nicht überprüft)

..."Vermutlich gehören Sie auch zu denen, die an Evolutionstheorie, Urknall und schwarze Löcher GLAUBEN! Obwohl das alles längst widerlegt ist."...

Sie sind also der Meinung, dass die Evolution keine Tatsache, die Urknalltheorie nicht schlüssig und schwarze Löcher Unsinn sind? Und Sie möchten tatsächlich mit mir über wissenschaftliche Methodik reden?
Nein, danke.

Wenn Petra Pausch aber der Meinung sein sollte, dass"die (gegenwärtige) Evolutionstheorie eine für alle Zeiten festgezurrte ewige Wahrheit sei oder dass die Urknalltheorie zu hundert Prozent schlüssig sei und von keinerlei ernstzunehmender wissenschaftlicher Kritik betroffen sei und das es keine (wissenschaftsinternen) Fachleute gäbe, die die Theorie der Schwarzen Löcher für zweifelhaft oder falsch halten ----

dann irrt leider auch Petra Pausch und sollte sich etwas besser informieren und ein Quäntchen mehr Skepsis zulegen, besonders wenn sie über wissenschaftliche Methodik spricht.

Aber nichts für ungut. Man hats halt nicht leicht. Besonders wenn man (eventuell!) Teil der "community" ist und auch weiterhin bleiben möchte. (-: (-;

Petra Pausch (nicht überprüft)

Do. 18 Mai 2017 - 10:43

Antwort auf von littleLouis (nicht überprüft)

Entschuldigung... aber wie kommen Sie bitte darauf, dass ich der Meinung sein könnte, eine wie auch immer geartete wissenschaftliche Erkenntnis von heute könnte Ewigkeitsbestand haben? Sie wissen schon, wie man "Wissenschaft" definiert? Ich weiß das nämlich.

little Louis (nicht überprüft)

Do. 18 Mai 2017 - 14:01

Antwort auf von Petra Pausch (nicht überprüft)

Na dann ist ja (vorläufig) alles bestens. Sorry, aber Ihre Art der Formulierung legte (mir) das nahe.

Juliane Sprunk (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 21:47

Antwort auf von Petra Pausch (nicht überprüft)

Wer hat gesagt, dass ich mit IHNEN über wissenschaftliche Methodik reden möchte? Wenn Sie noch alt genug werden, haben Sie ja noch Gelegenheit, sich bezüglich der genannten Themen eines Besseren belehren zu lassen, ich bedauere ein wenig, dass ich nicht dabei sein kann, um zu beobachten, wie Ihr Gesicht entgleist, wenn die Fakten Sie eines Besseren belehren werden, aber ich bin bescheiden und begnüge mich mit der amüsanten Vorstellung. Derweil können Sie ja noch ein wenig in wissenschaftlicher Methodik nachsitzen! Zur methodischen Grundausstattung gehört nämlich unzweifelhaft, dass man ein Buch liest, bevor man es beurteilt.

Ach Frau Juliane... Ihre Arroganz macht Sie unangreifbar. Ach nein, das war nicht Arroganz, ich meinte natürlich Ignoranz. Tschuldigung; mein Fehler.

@Juliane Sprunk
Dieselbe Kritik wollte ich spontan nach der Lektüre des Rezensententextes auch anbringen . Und das zunächst mal vor allen Betrachtungen über die Argumentation im Einzelnen.
Zum Glück habe ich weitergelesen und gesehen dass Sie mir zuvorgekommen sind. Ich frage bei solcherart Argumentation dann immer nach, ob der Diskutant der Meinung ist, ob die Ergebnisse von "Wissenschaft" über soziologische Prozesse "festgelegt" werden (sollen) oder gar durch "Mehrheitsbildung" erzeugt werden und wenn ja, durch welcherart (politologischen) Mehrheitsbildungsmechanismus das dann geschieht. (-:

Das betrifft allerdings meistens nur die (methodisch) etwas orthodoxeren unter den Naturwissenschaftlern.
Viele allerdings würden sich an obiger Diskussion gar nicht beteiligen,da sie die "Geisteswissenschaften" eh als "wissenschaftlich minderwertig" betrachten. (-:

Juliane Sprunk (nicht überprüft)

Do. 18 Mai 2017 - 17:01

Antwort auf von littleLouis (nicht überprüft)

@littleLouis,
Danke, dass Sie mir beipflichten, die Verkünder ewiger Wahrheiten meinen ja immer, sie schwebten weit über jeder Kritik, während sie mit ein paar - oft moralischen - Hohlphrasen die Arbeit von engagierten Menschen, wie Herrn Dahl, zunichte zu machen suchen. Man muss da Nachsehen mit ihnen haben, sie haben schließlich noch einen weiten Weg vor sich - gepaart mit der Begabung, es sich auf dem Erkenntnisweg unnötig schwer zu machen.

Edgar Dahl (nicht überprüft)

Di. 16 Mai 2017 - 20:09

Wie ich im Vorwort schreibe, habe ich mich von Sebastian Haffners ausgezeichnetem Buch "Anmerkungen zu Hitler" inspirieren lassen. Wie er, so habe auch ich darauf verzichtet, die Leser mit einem monströsen Anmerkungsapparat zu erschlagen. Dennoch werden alle Quellen genannt. Vor jedem Zitat steht etwa ein "Wie Raul Hilberg in seinem dreibändigen Werk 'Die Vernichtung der europäischen Juden' schrieb..." Ebenfalls schon im Vorwort wird gesagt, dass ich am Ende des Buches "Literatur zum Weiterlesen" auflisten werde. Hierzu gehören auch Bavendamm und Kuhnert, auf die ich im Buch jedoch keinerlei Bezug nehme. Und schließlich wird auch gesagt, dass ich mir die Kriegsschuldfrage für ein zukünftiges Buch aufhebe. Die Dokumente, die zeigen, dass Roosevelt bereits ab 1937 auf einen Weltkrieg drängte, stammen - wie ebenfalls ausdrücklich erwähnt - vom früheren US-Präsidenten Herbert Hoover und den polnischen Botschaftern in Washington, London und Paris.

Dr. Thomas Dunskus (nicht überprüft)

Mi. 17 Mai 2017 - 09:43

Es hat schon vor etlichen Jahren in großen Zügen eine Antwort auf diese Frage gegeben. Sie stammt von Yehuda Bauer, der in seinem Buch "Rethinking the Holocaust" auf S. 30ff (in meiner Übersetzung) schreibt:

"Kershaws Analyse stellt sich als ein sehr guter Ausgangspunkt dar [für die Klärung der Frage, ob der Holocaust nun beabsichtigt war oder einfach so passierte, TD]. Man kann sagen, dass die meisten einfachen Mitglieder der Nazi-Partei über die zentrale Bedeutung des Antisemitismus für ihre Ideologie unsicher waren … Ein hoher Prozentsatz der Parteimitglieder waren keine extremen Antisemiten … gemäßigter Antisemitismus war in der deutschen Bevölkerung durchaus verbreitet … die Juden waren eine recht unbeliebte Minderheit … Die Situation in Deutschland unterschied sich wenig von der in anderen westeuropäischen Ländern. In Osteuropa waren anti-jüdische Gefühle sehr viel stärker.

Die Nazis erlitten eine Niederlage in den letzten freien Wahlen … im November 1932. Sie verloren 34 Sitze im Reichstag und 2 Milionen Stimmen. Die Wähler der Nazis wussten, dass sie für eine antisemitische Partei stimmten, aber Antisemitismus war klar erkennbar nicht der Hauptgrund für diese Wähler. Auch die Nazis stellten den Antisemitismus nicht heraus … Niemand dachte an Auschwitz: weder die Nazis, noch die deutsche Bevölkerung und auch nicht die Juden … Die [deutsche] Intelligenz, wie auch die Arbeiterklasse, die Bauern und der Mittelstand unterstützten das Regime nicht wegen seines Antisemitismus' sondern wegen seines Erfolgs".

little Louis (nicht überprüft)

Do. 18 Mai 2017 - 14:22

Antwort auf von Dr. Thomas Dunskus (nicht überprüft)

Zu:
".... Die [deutsche] Intelligenz, wie auch die Arbeiterklasse, die Bauern und der Mittelstand unterstützten das Regime nicht wegen seines Antisemitismus' sondern wegen seines Erfolgs".....(Zitatende)

Frei nach dem Motto: "Erst kommt das Fressen und dann die Moral".
"Böse (?) Leute" könnten das darauf zurückführen, dass die Gewöhnung an eine "schein- heilige" "so tun als ob"- Moral (also eine fehlende echte humanistische Ethik) sie unfähig machte, das Unmenschliche zu erkennen oder negativ zu bewerten. Hinzu kam die immer noch vorhandene und tief verwurzelte Untertanenmentalität. Nicht zu vergessen auch eine Art von (rassistischem oder diffusem) Sozialdarwinismus als wirklicher (nicht geheuchelter) "Religion" der Oberschicht und des kleinbürgerlichen Bildungsbürgertums schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Dr. Thomas Dunskus (nicht überprüft)

Fr. 19 Mai 2017 - 10:59

Antwort auf von little Louis (nicht überprüft)

Little Louis -

Wollen Sie mit Ihrem Kommentar sagen, dass Kershaw und Bauer da mit ihrer Einstellung falsch liegen?

little Louis (nicht überprüft)

Fr. 19 Mai 2017 - 13:28

Antwort auf von Dr. Thomas Dunskus (nicht überprüft)

Ich antworte jetzt mal so: Das WEISS ich (zur Zeit nicht) einfach nicht (mit für mich annehmbarer Sicherheit)
Obwohl eher dem (wirlich) linken Bereich ses pol. Spektrums (vor allem ökonomisch) zugehörig, ist mir aber als kririsch- rationalem Skeptiker auch das folgende klar: (der Kürze wegen spitze ich jetzt etwas polemisch zu):

Ich bin mir zur Zeit bei fast keiner zeitgeschichtlich - historischen Forschung sicher, ob /wo ich wirklich eine objektiv - neutrale Herangehensweise und wirklich ergebnisoffene "Forschung" voraussetzen bzw annehmen kann.
Leider (!) waren (und sind teilweise noch) gerade auch (angebliche) Linke der Meinung, dasss im Kampf gegen das "Böse" ALLES erlaubt sei und Manipulationen der Realität ethisch vertretbar sind.
Bei biologisch Völkischen (und offenen Rassisten) rechtfertigt der Sozialdarwinismus so und so fast alles im Kampf um die Spitze auf der "Fittnessskala".
Diese "Ideologieverseuchung" ,die fast ebenso Teile der Biologie bzw. der Genetik betrifft,
lässt mich äußerst vorsichtig sein. Gerade auch, weil ich bei den Nazis whrscheinlich nicht als "völlig rasserein" durchgegangen wäre. (-:

Edgar Dahl (nicht überprüft)

Fr. 19 Mai 2017 - 07:25

Antwort auf von Dr. Thomas Dunskus (nicht überprüft)

In ihrem Buch "Habe ich denn allein gejubelt? Eine Jugend im Nationalsozialismus" schreibt die 1925 geborene Eva Sternheim-Peters, dass sie kaum jemals unvoreingenommen nach den Gründen ihrer Begeisterung für Hitler befragt wurde. Wenn überhaupt, wurde die Frage mit einem unüberhörbaren Vorwurf verknüpft: "Wie konntet ihr nur?" Die Frage "Wir konntet ihr nur?" ist jedoch falsch, weil sie ungerechtfertigterweise unterstellt, dass unsere Großeltern Hitler gewählt hätten und Hitler gefolgt wären, obgleich sie allezeit wussten, dass er "die Welt erobern und die Juden ausrotten" wollte. Doch dies ist, wie auch das Zitat von Yehuda Bauer sehr gut zeigt, vollkommen falsch. Es ist Nachkriegspropaganda. Die deutsche Bevölkerung wusste nichts von derartigen Plänen. Wichtiger noch: Selbst Hitler besaß keine solchen Pläne. Und dies kann man nicht nur bei Yehuda Bauer, sondern auch bei Raul Hilberg oder Hans Mommsen nachlesen.

Edgar Dahl (nicht überprüft)

Sa. 20 Mai 2017 - 06:16

Wie bei einer Diagnose, so ist es auch bei einer Rezension stets ratsam, eine zweite Meinung einzuholen. Hier das Urteil des bekannten Kirchenkritikers Hubertus Mynarek: "Das Buch des Philosophen Edgar Dahl macht vollen Ernst mit dem Spruch: „Wer bloß die halbe Wahrheit sagt, ist schon ein ganzer Lügner!“ In je einem Kapitel wird stets ein wichtiges Ereignis der Deutschland- und Weltpolitik in der Zeit des Dritten Reiches von den verschiedensten Seiten her beleuchtet, in möglichst all seinen Zusammenhängen und im Hinblick auf seine Umstände, Ursachen und Wirkungen charakterisiert und durch Aussagen von Zeitzeugen und Zeitdokumenten, auch aus ausländischen Quellen, belegt. Heraus kommt auf diese Weise ein viel aufschluss- und inhaltsreicheres Bild der Geschichte und der Entstehungsgründe der braunen Diktatur sowie der Charaktere und Motive ihrer Repräsentanten, als es uns der eher eindimensionale Schulunterricht und oft selbst das Studium der Geschichte an Hochschulen zu vermitteln vermochten.

Bekanntlich schreiben ja die Sieger die Geschichte der Besiegten, aber die Leser dieses Buches werden sich wundern über die Art und Weise, wie die diversesten Faktoren und die damaligen politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Interessengruppen absichtlich dazu beitrugen, Hitler in eine solche Zwangslage zu versetzen, dass er glaubte, den Startschuss für die Eröffnung des Zweiten Weltkriegs und den Angriff auf Polen geben zu müssen. Zweifellos ist Hitler der Hauptschuldige am Ausbruch dieses Krieges, aber Dahl weist nach, wie sehr das Amerika Roosevelts am Zustandekommen dieses Krieges interessiert war, wie sehr er Frankreich und besonders Polen und England unter Druck setzte, um sein Ziel zu erreichen und mittels dieses Krieges den ersten wichtigen Schritt auf dem Weg zur Weltherrschaft der USA machen zu können. Ebenso wie Stalin den Vertrag mit Hitler nur als eine Etappe zum Sieg der kommunistischen Weltrevolution ansah.

Obwohl schon eine Reihe hochwertiger Bücher zu den Themen der hier rezensierten Publikation erschienen sind, gelingt es Dahl, dem Vertrag von Versailles, der Wahl Hitlers zum Reichskanzler, dem Boykott vom 1. April 1933 gegen jüdische Geschäfte, Banken, Rechtsanwaltskanzleien und Arztpraxen, dem Zustandekommen der zionistischen Bewegung und eines jüdischen Staates in Palästina, der Rassenfrage, dem furchtbaren Bombenkrieg des Zweiten Weltkriegs, dem vermeintlich allgemeinen Wissen der Deutschen über Auschwitz, dem Verhältnis von Kirche und Staat im Dritten Reich historisch belegte Details hinzuzufügen bzw. entgegenzusetzen, die diese Fakten, Ereignisse, Geschehnisse, Einflüsse und Stimmungen in einem partiell völlig neuen und wirklichkeitsgetreueren Licht erscheinen lassen. Dahl bietet uns ein klareres, begründeteres, an Fakten, nicht an Fakes orientiertes, objektiveres Bild des Dritten Reiches. Vielleicht kann er mit seinem Buch sogar den einen oder anderen Leser zur befreienden Korrektur un- oder halbbewusst bzw. sklavisch übernommener Konventionen bewegen."

Armin Pfahl-Traughber

Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, Jg. 1963, ist hauptamtlich Lehrender an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung mit den Schwerpunkten "Politischer Extremismus" und "Politische Ideengeschichte". Außerdem gibt er seit 2008 ebendort das "Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung" heraus.

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