Deutsches Kinderhilfswerk:

Umfassende Maßnahmen gegen Kinderarmut in Deutschland notwendig

Kind Fußball
Sport hat eine hohe Intergrationskraft

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert angesichts der heute vom WSI veröffentlichten Auswertung zur steigenden Armut der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, dass strukturelle sozialpolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut insgesamt sowie verstärkte und vorausschauende Integrationsmaßnahmen für zugewanderte Kinder und Jugendliche zu einer Priorität in der neuen Legislaturperiode gemacht werden.

"Es ist an der Zeit, dass sich die positive wirtschaftliche Lage in Deutschland endlich auf die Situation armer Kinder und Jugendlicher auswirkt. Für eine deutliche Trendwende braucht es verstärkte Anstrengungen und grundlegende strukturelle Reformen zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland. Dazu gehören neben armutsfesten Hartz IV-Regelsätzen, eine Beschäftigungspolitik, die Eltern in die Lage versetzt, sich und ihren Kindern durch eigene Erwerbstätigkeit eine ausreichende finanzielle Lebensgrundlage zu bieten. Zudem ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern erforderlich, um wirksame Konzepte gegen die zu große Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft auf den Weg zu bringen. Mit Sorge sehen wir insbesondere die steigende Armut von nach Deutschland zugewanderten Kindern und Jugendlichen. Hier gilt es verstärkt in die Integration zu investieren, um ihre gesellschaftliche Teilhabe in der Zukunft zu sichern. Wir dürfen uns nicht auf den Fortschritten der letzten Jahre ausruhen, sondern müssen die notwendigen Integrationsmaßnahmen nicht nur weiterführen, sondern ausbauen. Das kann am besten durch ein Integrationsgesetz sichergestellt werden, das die Integration insbesondere von Flüchtlingskindern und ihren Familien sowie ihre Teilhabe und Partizipation an unserer Gesellschaft befördert", betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Schlüsselfaktoren bei der Integration von zugewanderten Kindern und Jugendlichen sind aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes das schnelle Erlernen der deutschen Sprache und die schnelle Bildungsintegration über einen ungehinderten Zugang zu Kindertageseinrichtungen und Schulen. Bildungseinrichtungen müssen für die Kinder und ihre Familien aber auch tatsächlich zugänglich, das heißt insbesondere örtlich erreichbar sein und ihr Besuch darf nicht durch hohe Kosten für Lernmittel und Fahrkosten erschwert werden. Gute Bildung schon für Kita-Kinder befördert die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft und gleicht herkunftsbedingte sowie soziale Unterschiede am besten aus. Dafür müssen die Bildungseinrichtungen finanziell so ausgestattet sein, dass sie den zusätzlichen Herausforderungen gewachsen sind und etwa ausreichend Personal einstellen sowie notwendige Fortbildungsangebote anbieten können.

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes vom 20. Juni 2017 zeigt, dass eine sehr große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland (90 Prozent) in einem ausreichenden Zugang von Flüchtlingskindern und ihren Familien zu Angeboten der Sprachförderung den größten Handlungsbedarf bei der Integration in Deutschland sieht. Sehr großer Handlungsbedarf wird zudem für den ausreichenden Zugang von Flüchtlingskindern zu Kindertageseinrichtungen und Schulen gesehen (74 Prozent). Das gilt auch für die kindgerechte und sichere Unterbringung von Flüchtlingskindern mit ihren Familien in Wohngegenden, die Kontakte zu einheimischen Familien ermöglichen (74 Prozent). Und auch beim kostenfreien Zugang von Flüchtlingskindern zu Freizeitaktivitäten, beispielsweise Sportvereinen, bei denen sie andere Kinder kennenlernen können, wird überwiegend (67 Prozent) Handlungsbedarf gesehen.

Kommentare (10)

Wolfgang (nicht überprüft)

Do. 3 Aug 2017 - 18:33

Wie viele Jahre jagt eine statistische Nachricht die andere? Macht sich doch immer gut in den Medien aber ändern wird sich nichts. Die Reichen machen die Gesetze für die Armen und daran wird sich, die Geschichte rückwirkend betrachtet, auch in Zukunft nichts ändern.
Die Kirchen und ihre Mitglieder beten für die Armen und die Politik schreit : Soziale Gerechtigkeit! Deutschland ist wirklich arm dran auch im Geiste.

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Sa. 5 Aug 2017 - 21:18

Antwort auf von Wolfgang (nicht überprüft)

"Die Reichen machen die Gesetze für die Armen...". Das ist so sehr einseitig. Man darf nicht vergessen, dass Reichtum durch Fleiß, Klugheit, Glück (+...) entstand. Genauso einseitig wie im Zitat könnte man also sagen: "Die Klugen machen die Gesetze für die Dummen...". Aber egal wie wir das sagen, "...daran wird sich, die Geschichte rückwirkend betrachtet, auch in Zukunft nichts ändern."

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Mo. 7 Aug 2017 - 12:10

Antwort auf von Konrad Schiemert (nicht überprüft)

"Man darf nicht vergessen, dass Reichtum durch Fleiß, Klugheit, Glück (+...) entstand."

Das gilt aber nicht für Politiker und Theologen, gelle?

Dieter Bauer (nicht überprüft)

Di. 8 Aug 2017 - 19:49

Antwort auf von Wolfgang (nicht überprüft)

...... aber ändern wird sich nichts .......
Leseempfehlung zu diesem Thema: "Der Zauderer". Eine Hilfe für Unentschlossene, ihre Denk- und Handlungsweise einer Überprüfung zu unterziehen.

David Z (nicht überprüft)

Fr. 4 Aug 2017 - 09:04

Ist es nicht etwas unredlich, grade auch gegenūber tatsächlich armen Menschen, hier von "Armut" zu sprechen, wenn es sich schlimmstenfalls um relative Armut handelt?

David Z (nicht überprüft)

Mi. 9 Aug 2017 - 18:18

Antwort auf von Kay Krause (nicht überprüft)

Das sehe ich anders. Es macht einen klaren Unterschied, ob ein "armer" Mensch sich nur zweitklassiges Schuhwerk leisten oder sich die Nahrung zum Leben nicht kaufen kann. Wūrde man allein die Relation zum Kriterium machen, mūsste man den Millionär unter Milliardären ebenfalls als "arm" bezeichnen - was offensichtlich nonsense wäre, da das Wort "arm" keine relative sondern eine spezifisch deskiptive Bedeutung hat.

Lieber Sven, Egoismus ist - besonders in der sogenannten zivilisierten Welt - eine weitverbreitete Krankheit, die noch durch den Neid ergänzt wird, und das auch unter Kindern!

Deutsches Kinderhilfswerk

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit über 45 Jahren für ein kinderfreundliches Deutschland ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kinderrechte und die Hilfe für benachteiligte Kinder. Wir engagieren uns für die Überwindung von Kinderarmut in Deutschland, für Demokratiebildung durch Beteiligung, genügend Möglichkeiten zum Spielen, kulturelle Bildung sowie für einen kompetenten Umgang mit Medien.

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