Iran

Verhaftet wegen Kuss-Foto

Verhaftet für diesen Kuss: Alireza Japalaghy und seine Freundin.

Der iranische Parkour-Sportler Alireza Japalaghy hat in den sozialen Medien mehrere Fotos und Video-Clips veröffentlicht, die zeigen, wie er beim Klettern auf Hochhäusern eine Frau küsst. Wegen dieser Aufnahmen wurde Japalaghy nun verhaftet, da sie vom islamischen Regime als normwidrig und vulgär betrachtet werden. Kritiker rufen zur Protestkampagne "Ich küsse, also bin ich!" auf.

Alireza Japalaghy hält sich gern an ungewöhnlichen Orten auf. Seine Leidenschaft für den Parkour-Sport und das Erklettern von Hochhäusern verbindet er mit zwei weiteren Leidenschaften: Einer für die Fotografie und einer fürs Küssen. Die Fotos und Video-Clips seiner Kletter- und Kussaktionen in luftigen Höhen machten Japalaghy in den sozialen Medien bekannt.

Für das Veröffentlichen dieser Aufnahmen wurde der 28-jährige Iraner nun verhaftet. Den sittenstrengen islamischen Behörden missfiel hierbei wohl nicht nur, dass seine Kusspartnerin viel nackte Haut zeigte, sondern auch dass Japalaghy überhaupt öffentlich Küsse zeigte. Frauen müssen im Iran von Kopf bis Fuß verschleiert sein und auch das Küssen in der Öffentlichkeit ist im Iran verboten. Beim Verstoß gegen diese Regeln drohen schwere Strafen. Der Polizeichef der iranischen Hauptstadt Teheran verurteilte "das vulgäre und normwidrige Verhalten" von Japalaghy und "seiner Mittäterin", deren Verhaftung inzwischen ebenfalls bestätigt wurde.

Einladung zur Kampagne "Ich küsse, also bin ich!"

"Es ist die gewaltsame islamische Regierung, die das Leben, die Gefühle und Emotionen der Menschen unterdrückt und sogar auf einen harmlosen Kuss mit einer Inhaftierung und mit Folter reagiert", kommentiert die iranisch-österreichische Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi Japalaghys Verhaftung. "Der Zweck dieses Verbrechens seitens der Regierung ist es, Terror walten zu lassen und Macht zu demonstrieren."

Unter dem Motto "Ich küsse, also bin ich!" kündigte Ahadi eine Kampagne zur Verteidigung von Alireza Japalaghy an. "Wir lassen nicht länger zu, dass jegliche Freuden des Lebens, das Zelebrieren der Liebe und schlussendlich das Leben von Unschuldigen geopfert werden. Wir lassen nicht mehr zu, dass Küsse zur Straftat erklärt werden", so Ahadi. "Ich lade alle jungen Menschen und alle Menschen im Iran und auf der Welt mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen dazu ein, sich dieser großen Herausforderung anzuschließen und ihre Küsse zu zeigen, indem sie Fotos und Videoclips veröffentlichen, um das Kussverbot anzufechten und ein Zeichen zu setzen."

Ahadi sieht eine wichtige Geste darin, sich öffentlich zu küssen, "um zu zeigen, dass das Ende der Ära der Unterdrückung von Emotionen, des Küssens und der Freude gekommen ist." "Ich verstoße gegen die Norm und zeige allen Führern dieser Regierung, dass ich sie nicht akzeptiere und bringe sie mit dieser Art von politischem Widerstand dem Sturz näher", so Ahadi. "Wir müssen gemeinsam auf dieses brutale und repressive Verhalten der islamischen Regierung reagieren. Wir müssen mit einer gemeinsamen Verteidigung von Alireza zeigen, dass wir nicht länger zulassen werden, dass Jugendliche als Geisel genommen werden und ihre Würde angefochten wird."

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Kommentare (3)

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Di. 26 Mai 2020 - 11:09

Eine richtige Reaktion könnte jetzt sein, dass Tausende Paare sich öffentlich und gleichzeitig küssen. Man kann nicht die ganze Jugend einer Großstadt ins Gefängnis stecken, höchstens die Organisatoren, wenn sie im Iran sich befinden.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Di. 26 Mai 2020 - 13:08

Auf Dauer kann die Regierung dort, diese unterdrückenden Gesetze gegen ihre Bürger nicht halten. Sie schaufelt sich damit langsam ihr eigenes Grab.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Di. 26 Mai 2020 - 14:23

Wunderschönes Foto! Man kann ein Regime, das solche Bilder bestraft, nur hassen.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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