Kommentar
Nius: Rechte Empörung mit dem Ziel der Verteidigung des "bedrängten" Christentums
Foto: © DDP auf Unsplash Unsplash License
Das rechtskonservative Medienportal Nius, bekannt für Stimmungsmache gegen Minderheiten, Paniknarrative und die regelmäßige Leugnung wissenschaftlicher Fakten zur Klimakrise, hat ein neues Thema für sich entdeckt: Die angebliche Verfolgung des Christentums in Deutschland.
Geführt vom ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt und finanziert vom IT-Milliardär Frank Gotthardt, steht Nius seit seiner Gründung massiv in der Kritik – wegen fragwürdiger Recherchen, mangelnder journalistischer Standards und wiederholter Grenzüberschreitungen, die zu Strafanzeigen wegen Volksverhetzung führten. Erschreckenderweise verharmloste unlängst die CDU-Politikerin und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, eine enge Bekannte Gotthardts, Nius als eine Art konservatives Gegengewicht zur linken taz.
Die Erzählung vom "bedrohten" deutschen Christentum
In der Nius-Redaktion scheint man derzeit entschlossen, das "von allen Seiten bedrängte" Christentum zu verteidigen. Auffällig ist vor allem die Schlagseite: Während Nius unermüdlich den Islam als Bedrohung für die christliche Welt problematisiert, gibt es bis heute keinen Artikel zum Thema sexueller Missbrauch in katholischen und evangelischen Einrichtungen – eines der größten innerkirchlichen Verbrechen der vergangenen Jahrzehnte mit großer Tragweite.
Stattdessen schrieb Laura Sachslehner im Juli einen Kommentar mit dem Titel "Wie Hass gegen das Christentum salonfähig gemacht wird". Darin behauptet sie, öffentlich-rechtliche Sender würden "abfällig über Christen berichten. Sportler, Influencer oder Politiker, die sich zum Christentum bekennen, werden immer schneller zum Freiwild." Unter der Zwischenüberschrift "Christen im Fadenkreuz bei ARD und ZDF" wirft sie den Sendern systematischen Spott gegenüber christlichen Sportlern und Influencern vor – und bezeichnet die Kritik an fundamentalistischen Christfluencern sowie die Satire von Jan Böhmermann als "Christenbashing".
Im Oktober setzte Nius die Empörungsstrategie fort: Unter Verweis auf Länder wie Nigeria und Syrien beschwört die Plattform eine "weltweite Jagd auf Christen" herauf, warnt vor einer "dramatischen Zunahme antichristlicher Gewalt" in westlichen Ländern – antimuslimische Gewalt wird hingegen nicht thematisiert – und berichtet in einem weiteren Artikel über die Lage der Christen im Sudan – wo Kinder "bereits ab dem Kindergarten islamisiert" würden.
Unbestreitbar ist: In vielen Ländern werden Christinnen und Christen bedroht, diskriminiert oder ermordet. Besonders in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens oder Südasiens sind Christen Minderheiten, die unter Bürgerkriegen, islamistischen Milizen oder autoritären Regimen leiden. Diese Verbrechen verdienen Aufmerksamkeit – und sind lautstark zu verurteilen.
Gewalt und Religion: Ein komplexer Zusammenhang, kein Kampf der Zivilisationen
Dabei gehört zur Wahrheit: Ein erheblicher Teil der Gewalt gegen Christen, die auch von der katholischen Kirche beklagt wird, geht tatsächlich von islamistischen Gruppen aus – nicht vom Islam als Religion, sondern von politischen und extremistischen Auslegungen, die religiöse Begriffe für Unterdrückung, Terror oder ethnische Säuberungen missbrauchen. Gruppen wie Boko Haram, der Islamische Staat oder Al-Shabaab ermorden nicht nur Christen, sondern auch unzählige muslimische Zivilisten, die ihrer Ideologie widersprechen.
Diese politisierte Instrumentalisierung religiöser Inhalte ist ein reales Problem – aber gerade deshalb ist eine kompetente Analyse wichtig. Leider liefert Nius diese notwendige Differenzierung nicht. Statt klar zwischen Islam, Islamismus und autoritären politischen Systemen zu unterscheiden, nutzt das Portal jede Gelegenheit, um pauschale Ressentiments zu schüren und einen Kampf der Kulturen zu konstruieren.
Gewalt gegen Christen ist weltweit ein reales, ernstzunehmendes und oft dramatisches Problem. Wer diese Übergriffe kleinredet, verhöhnt die Betroffenen. Aber wer sie – wie Nius – instrumentalisiert, um im eigenen Land Kulturkämpfe anzuheizen, spielt bewusst mit gefährlichen Vereinfachungen.
Während Christinnen und Christen in Teilen der Welt tatsächlich um ihr Leben fürchten müssen, erleben wir in Deutschland vor allem eine Pluralisierung religiöser Stimmen – verbunden mit berechtigter Kritik an Institutionen, die lange unantastbar waren. Demokratie lebt von dieser Kritik.
Die größte Gefahr für eine offene Gesellschaft entsteht nicht dort, wo Religion hinterfragt wird, sondern dort, wo sie politisch vereinnahmt wird, um Angst, Opfermythen und Feindbilder zu produzieren – egal, ob im Namen des Christentums, des Islam oder irgendeiner anderen Glaubensrichtung.

Kommentare (14)
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Schreibe ich nicht schon seit
Schreibe ich nicht schon seit Jahren, daß Religionen nur Gewalt und Kriege auslösen, die gesamte Menschheit wäre ohne jegliche Religionen friedlicher und Humanismus und Empathie wären statt dessen eine Menschenverbindende Alternative zu jeglichen Religionen, Hass und Ideologie zerstört jegliche Vernunft und die Welt bleibt wie sie ist,
nämlich dumm und aggressiv.
Haben Sie den Artikel gelesen
Haben Sie den Artikel gelesen?
In allen islamischen Ländern
In allen islamischen Ländern werden Kinder in den Kindergärten islamisiert. Und, nein, man kann den Islam nicht vom Islamismus trennen, denn der Islamismus ist der politische Teil des Islam und zwar der wichtigste. Dass Islamisten den Islam missbrauchen, ist also falsch. Atheistische Grüße von Angelika Wedekind, Vorständin der Säkularen Flüchtlingshilfe Hamburg. Alle Apostaten aus den vielen islamischen Ländern sagen das auch.
Alle Ideologien / Religionen,
Alle Ideologien / Religionen, die die Menschen in wertvolle Rechtgläubige und wertlose Falschgläubige einteilen, waren und sind ein Fluch für die Menschheit. Das gilt für das Christentum ebenso wie für den Islam und natürlich auch für Judentum, Faschismus und Kommunismus.
Danke für den Artikel. Leider
Danke für den Artikel. Leider greift mithilfe der Sozialen Medien der national-religiöse Identitarismus um sich. Neben dem etablierten Islamismus entsteht nicht zuletzt in den USA ein rassistischer Katholismus und Pfingstismus!
Machen wir uns doch nichts
Machen wir uns doch nichts vor, die Religionen waren einander schon immer feindlich gesonnen. Das liegt an ihrer Herkunft von Kriegsöttern und an ihrem verabsolutierten Wahrheitsanspruch. Und nicht zuletzt an der Machtgier der religiösen Führer.
Friedlichkeit wird von den Gläubigen geträumt und von den religiösen Führern geheuchelt.
Auch religiöse Toleranz ist geheuchelt, weil vom säkularen Staat erzwungen. "Gott" sei Dank!
Es ist nicht die Politik, die Religion vereinnahmt oder "missbraucht".
Es sind die Religionen, die Politik für sich vereinnahmen und nach ihrem Gutdünken gebrauchen ("missbrauchen"). Die Vereinnahmung der Politik geschieht durch per Religion gesteuerte Politiker, Richter und Journalisten.
Ich sehe Deutschland als eine von den Kirchen gelenkte Schein-Demokratie. Der BP Steinmeier ist ganz klar eine Marionette der evangelischen Kirche. Die zweite Frau im Staate, die BT-Präsidentin Klöckner, ist eine Marionette der katholischen Kirche.
Die Humanisten und Atheisten sind doch mit Blindheit geschlagen, wenn sie die Friedensheuchelei der religiösen Führer nicht als solche durchschauen.
Zur Lage der Christen weltweit: Ja, es wird viel Gewalt gegen Christen ausgeübt. Der "Nahe Osten" wird gerade religiös gesäubert. Die Jesiden wurden fast vernichtet, die Juden sind permanent bedroht, die Christen werden vertrieben oder umgebracht und die Aleviten sind absehbar als nächste in der muslimischen Schusslinie.
Was kann man dagegen tun? Zurückmorden? Ernsthaft?
Gegen religiöse Gewalt hilft nur Aufklärung. Aber die ist von unseren religionsbesoffenen Politikern nicht zu erwarten, dass muss das Volk schon selber in die Hand nehmen. Gewaltfrei, versteht sich.
Die Götter waren schon immer erfunden und die religiösen Führer gaukeln den Menschen vor, sie hätten Ahnung von Gott. Das haben die schon in der Antike so gemacht.
Wir Menschen sollten endlich begreifen, dass die religiösen Ver-Führer Lügner und Betrüger sind. Diese Typen führen uns nicht zum "Ewigen Leben im Paradies", sondern hinters Licht.
Ja, diese Typen führen auch Humanisten und Atheisten erfolgreich hinters Licht, nicht nur ihre Gläubigen.
Sie führen uns Humanisten, Atheisten und Naturalisten mit Friedensheuchelei hinters Licht.
In wieweit das journalistische Personal von "NIUS" von den Kirchen gesteuert ist, muss man im Einzelfall beurteilen.
Religion ist abgrundtief böse
Religion ist abgrundtief böse Psychologie. Sie holt das Monster in uns Menschen hervor.
1.Dann hätten die Religionen
1.Dann hätten die Religionen evolutionär nicht überlebt. 2. Die Religionen sind sehr unterschiedlich. 3. Der Islam ist viel übler als das Christentum, schon erkennbar an den Leitfiguren Jesus und Mohamed.
Das läuft und lief immer nach
Das läuft und lief immer nach demselben Schema.
Irgendein selbsternannter Buch- oder Gottesversteher baut sich vor dir auf und sagt:
"Ich weiß was richtig und falsch ist und deswegen musst DU tun was ICH dir sage."
Wahre Christen würden statt
Wahre Christen würden statt zu jaulen die andere Backe hinhalten.
An so mancher Diskriminierung
An so mancher Diskriminierung ist in vielen Ländern sicher einiges dran. Wenn aber irgendwelche Kulturkämpfer hierzulande eine Christenverfolgung wittern, weil die eine oder andere dezemberliche Fress- und Saufmeile ordnungsamtich "Genussmarkt" oder sonst wie heißt, dann ist es einfach nur Hysterie.
Christenverfolgung findet
Christenverfolgung findet tatsächlich statt. Das sage ich als Atheist. Beispiel: Samuel Paty.
Kernkompetenz der Religionen
Kernkompetenz der Religionen ist: Angst erzeugen - und bei den Gläubigen funktioniert diese Behauptung mit der Sorge, daß das Luftschloss eines allmächtigen Gottes in Gefahr wäre. Als Gegenmaßnahme wird sicherlich empfohlen, noch mehr zu beten, um die "Bedrängnis" abzuwenden.
Hat sich NIUS das Thema
Hat sich NIUS das Thema alleine ausgedacht oder hat man sich vorher mit der RKK abgesprochen?