Kommentar: Die Menschen in Syrien brauchen politische Hilfe

Geld ist keine Lösung

Flüchtlinge in einem Camp bei Aleppo.
Flüchtlinge in einem Camp bei Aleppo. Die Hilfe der UN erreicht überwiegend Gebiete, die unter Kontrolle des Assad-Regimes stehen.

Bei Recherchen mit dem ARD Politmagazin Report München wurden viele Hinweise gefunden, dass die UN einseitig mit dem Assad-Regime zusammenarbeiten. Hilfsgüter werden vor allem in Gebiete geliefert, die unter Kontrolle des Regimes stehen.

Darüber hinaus kommt ein guter Teil der Milliarden-Hilfe niemals bei den Bedürftigen an, sondern verschwindet in falschen Taschen. Es ist klar, dass Helfer in einem Kriegsgebiet Kompromisse eingehen müssen. An einem Kontrollpunkt einen Sack Reis abgeben, damit der Hilfskonvoi die Straßensperre passieren kann - mit solchen Verlusten muss man in einem Bürgerkriegsgebiet rechnen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, welche Gelder wo landen, geschweige denn, welche Wirkung die Hilfe hat. Weil die Arbeit mit unabhängigen Datenanalysten und die gemeinsame Evaluierung von Hilfslieferungen in der Branche immer noch nicht verankert ist.

Die UN behaupten standhaft, sie seien neutral in Syrien. Und verschweigt konsequent die eigenen Unzulänglichkeiten. Gleiches gilt für die großen Hilfsorganisationen. Doch das ist naiv. Ein bisschen mehr Realismus, ein bisschen mehr Offenheit über die eigenen Unzulänglichkeiten würde der Hilfsindustrie gut zu Gesicht stehen. Das gilt auch für die Geberländer. Sie sollten ihren Steuerzahlern gegenüber nicht so tun, als ginge unterwegs kein Euro verloren.

Doch das Problem liegt noch tiefer. Wenn die Politik scheitert, beginnt oft das große Geldausgeben. Doch was die Menschen in Syrien brauchen, genau wie die Millionen Flüchtlinge, ist eine politische Lösung. Mit Geld allein lässt sich dieser Konflikt nicht lösen.

Die Menschen sind das Opfer kalten Machtkalküls, von Saudi-Arabien und Iran, Russland und den USA. Sie alle spielen in Syrien ihr Machtspiel. Die Politik in Deutschland und Europa sollte auf diese einwirken und den Konflikt diplomatisch lösen. Sonst braucht sie nicht zu versuchen, sich mit Hilfsgeldern ein gutes Gewissen anzuschminken.

Geld kann nicht wiedergutmachen, was die große Politik verbockt hat. Erst muss es eine politische Lösung geben, dann müssen Hilfsgelder fließen - die nicht den Krieg alimentieren helfen, die nicht unterwegs versickern, sondern helfen, Syrien eine Zukunft zu geben.

Übernahme mit freundlicher Genehmigung von correctiv.org.

Kommentare (2)

Kay Krause (nicht überprüft)

Fr. 14 Okt 2016 - 05:57

Frage: ist es nicht auch eine Art von "Freikaufen", wenn wir Gelder spenden und in Problemgebiete senden? Freikaufen von den Problemen dieser Welt?

Mischa (nicht überprüft)

Do. 15 Dez 2016 - 15:42

Problematische Fälle.
Quelle:"http://www.nachdenkseiten.de/?p=36291#more-36291"

Mal darüber nachdenken, wenn Deutschland wieder in den Krieg zieht und
millionenfaches Leid mitverursacht. Natürlich alles im Namen der "Humanität", was in sich ja schon ein Widerspruch ist.

Frederik Richter

Der Autor ist Redakteur des non-profit Recherchezentrums CORRECTIV. Die 16-köpfige Redaktion finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Ihr Anspruch: Gründlich recherchieren, Missstände aufdecken und unvoreingenommen darüber berichten. In Kooperation mit anderen Medien beleuchten die Investigativ-Journalisten von Correctiv.org regelmäßig Themen, die uns alle angehen. Wenn Sie Correctiv.org unterstützen wollen, werden Sie Fördermitglied. Informationen finden Sie unter: https://correctiv.org/unterstuetzen

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