Häusliche Gewalt gegen Frauen in der Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft

"Es sind nicht alle Männer. Aber es sind immer Männer."

fussball_emotionen_ki.png

Die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft kann für Frauen, die generell von häuslicher Gewalt betroffen sind, eine noch größere Gefahr bedeuten: denn Niederlagen können als Brandbeschleuniger wirken.

In einem Beitrag des Saarländischen Rundfunks (SR) wird auf Studien verwiesen, nach denen im Zusammenhang mit Fußball die Fälle von häuslicher Gewalt ansteigen. In einer Beziehung bestehende Konflikte können durch die Emotionen, die für viele Menschen durch Fußball ausgelöst werden, verschärft werden. Dadurch sei das Risiko dafür, dass Gewalt eskaliert, erhöht.

Darauf weist auch die deutsch-iranische Journalistin Daniela Sepehri hin. Sie fordert: "Wer über die WM spricht, darf deshalb nicht nur über Tore, Fanmeilen und Einschaltquoten sprechen, sondern muss auch über den Schutz von Frauen sprechen." Sie weist darauf hin, dass in Deutschland Millionen in die Sicherheit von Stadien und Public Viewings investiert werden, während Frauenhäuser und Beratungsstellen vielerorts mit Überlastung und Finanzierungslücken zu kämpfen hätten.

Für die deutsche Nationalmannschaft ist die Fußball-WM bereits Geschichte. Das wird aber betroffenen Frauen wenig helfen. Und auch dann, wenn diese WM beendet sein wird, hat der Schutz von Frauen in diesem Land nicht die höchste Priorität. Neue Frauenhäuser sind nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Denn die Zunahme frauenfeindlicher Gewalt ist ein Fakt.

Michael Labetzke ist Sprecher für PolizeiGrün und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft (Bündnis 90/Die Grünen). Aus Sicht des Polizisten sagt er: "Die Steigung messbarer häuslicher Gewalt nach Fußballspielen ist wissenschaftlich belegt. Besonders heftig wird es nach sogenannten 'unerwarteten' Niederlagen, da kommt es zu sprunghaften Anstiegen der direkten Gewaltausbrüche."

Zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch nicht sagen, ob das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in der Nacht von Montag auf Dienstag zu einer messbaren Erhöhung häuslicher Gewalt geführt hat. Doch es geht nicht um den Einzelfall oder ein einzelnes Spiel, es geht um ein grundlegendes Problem. Für Labetzke ist vor allem auch der Alkoholmissbrauch, der häufig mit Sportereignissen einhergeht, Auslöser beziehungsweise Verstärker für häusliche Gewalt.

Für ihn versagt die Politik generell, wenn es um besseren Schutz und weniger Gewalt im Zusammenhang mit Fußball geht. "Gerade die Innenminister von CDU und CSU in den Ländern und im Bund trauen sich nicht an die unschönen Seiten des Fußballs – und offenbar leider auch kein Spieler, kein Trainer, kein Manager, kein Präsident, auch kein Verein mit großer Frauenfußballabteilung." Man könnte diese Aussagen wohl generalisieren, denn auch am Rande von Fußballspielen – egal in welcher Klasse – kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen.

"Die ganzen Debatten der letzten Wochen und Monate über die vielen Instrumente, sei es die Schließung von Schutzlücken im Strafrecht, Gesetzesverschärfungen, 'Nur-Ja-heißt-Ja', besserer Opferschutz und Nachsorge, (…) der ganze Werkzeugkasten zur Eindämmung von Gewalt gegen Frauen prallt beim Fußball gnadenlos an der Mauer der männlichen Dominanz ab." Denn, wie ein feministischer Slogan, der viel in den Sozialen Netzwerken kursiert, besagt: "Es sind nicht alle Männer. Aber es sind immer Männer."

Unterstützen Sie uns bei Steady!