Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Keine Missionierung am Krankenbett

Der Kirchenmusiker Jochen Kuhleber vermisst im Klinikum Garmisch-Partenkirchen einen christlichen TV- und Radio-Sender für Patientinnen und Patienten. Die Klinikumsleitung verweist dagegen auf die weltanschauliche Neutralität der Einrichtung. 

Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen versorgt jährlich etwa 53.000 Menschen. Davon werden rund 23.000 stationär behandelt. Für die gläubigen Christen unter diesen Patienten möchte sich nun der Kirchenmusiker Jochen Kuhleber stark machen. Er fordert die Einführung eines christlichen TV- oder Radio-Senders, der an den 505 Betten des Klinikums empfangen werden soll.

Kuhleber verweist bei seiner Forderung auf den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera, der in Deutschland über mehrere Satelliten digital empfangen werden kann und zum Programmangebot des Klinikums gehört. Da bei Al Jazeera auch religiöse Inhalte verbreitet werden, schlägt Kuhleber vor, den katholischen Sender Radio Horeb als Ergänzung anzubieten: "Es bietet das richtige Programm mit einer christlichen und katholischen Ausrichtung", so Kuhleber laut merkur.de.

Die Leitung des Klinikums hält nicht viel von dem Vorschlag des Kirchenmusikers. "Wir sind kein christlich geführtes Haus und werden uns auch künftig beim Angebot von TV-Sendern Religions-neutral verhalten", erklärte Klinikums-Sprecherin Gudrun Stadler. Mit der Einführung eines explizit christlichen Senders müsse man dagegen auch andere religiöse Weltanschauungen berücksichtigen. Zudem habe es in der Vergangenheit keine Beschwerden gegeben, weshalb man davon ausgehe, dass die Patienten mit dem bisherigen Programmangebot zufrieden seien. Ohnehin könne man bereits jetzt über den Patienten-Info-Kanal alle katholischen und evangelischen Gottesdienste aus der Krankenhaus-Kapelle mitverfolgen.

Kommentare (7)

hj_allemann (nicht überprüft)

Di. 9 Jan 2018 - 10:54

Was ist denn das "Wort zum Sonntag" bei der ARD? Genauso ein religiöser Beitrag wie bei Al Jazeera. Ich wette, ARD ist dort zu empfangen.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 9 Jan 2018 - 11:01

Dass in Zeiten massiven Mitgliederschwundes auf Teufel komm raus missioniert wird, ist verständlich. Jedes Unternehmen wird, wenn der Umsatz sinkt, mehr Werbung schalten, um die Verkaufszahlen wieder nach oben zu bringen. Und nur darum geht es bei der Missionierung. Kirche ist nämlich ein rein weltliches Geschäft, das der Firmenleitung Vorteile bringt.

Ich bin aus familiären Gründen regelmäßig in einer neurologischen Klinik, in der Schriften des Missionswerkes Heukelbach ausliegen. Ich habe etliche dieser Hefte archiviert und studiert. Deren Inhalte sind so grausam - gerade Patienten ohne Heilungsaussichten gegenüber -, dass ich darum bitten ließ, diese Schriften künftig dort nicht mehr auszulegen. Vergeblich! Immer wieder tauchen dieses verängstigenden und verstörenden Texte auf, die Patienten, die für Glaubensfragen noch anfällig sind, geradezu in Panik versetzen können, falls sie nicht "richtig glauben". Ewige Hölle droht!

Ich bin dafür, dass der Gesetzgeber (oder die vernünftige Klinikleitung) darauf achten sollte, dass gerade Patienten vor solchen "Schocktherapien" geschützt werden. Hier wird die Not von Kranken schamlos ausgenutzt, um sie zu Spenden oder Mitgliedschaften zu bewegen - ja, zu nötigen, wie ich meine, denn wenn man Menschen ein schlechtes Gewissen einredet, mit (angeblich) dramatischen Folgen für das "Leben nach dem Tod", dann grenzt dies an spirituelle Erpressung. Ich finde das widerwärtig.

Deshalb: Berieselung durch religiösen Dünnpfiff via TV und Missionierungsschriften in Krankenhäusern sollte verboten werden!

Rene Goekel (nicht überprüft)

Di. 9 Jan 2018 - 12:10

Radio Horeb wirkt kontraproduktiv auf Heilung und Genesung. Das Krankenhaus weiß schon, was es macht.

Wolfgang (nicht überprüft)

Di. 9 Jan 2018 - 12:10

Die Kranken sollen doch geheilt werden. Medizinische Kunst hat einen höheren Stellenwert
als Beten. Also keine sinnlosen Missionierungen am Krankenbett. Bleibt in eurem eigenen Stall!

Paul (nicht überprüft)

Mi. 10 Jan 2018 - 11:20

In den Marienkrankenhäusern kommt Sonntags der Missionar auf die Intensivstation und gibt seinen Zaubersegen, als er bei mir war, musste ich ihm leider sagen, dass ich mich zwar für seine persönlichen Genesungswünsche bedanke, aber den Rest, den er noch mit dranhängen möchte, Gottes Segen, verzichte.

Edgard L. Fuss (nicht überprüft)

So. 14 Jan 2018 - 12:06

Kuhleber gehört augenscheinlich zu den "Christen" die doch lieber nach islamlischen Geboten leben - denn der Islam erlaubt ausdrücklich die Lüge wenn es "der Sache nützt" - und das ist hier offensichtlich der Fall.
Nicht nur daß er Al Jazeera kurzerhand zu einem religiösen Sender erklärt - was der nicht ist - sondern gleichermaßen die zahlreichen christlich-religiösen Sendungen im ÖR-TV und -Radio schlicht verleugnet und aus diesen beiden Lügen die Forderung nach einem Sender a´la "Bibel TV" oder "Gloria TV" ableitet - in offenkundiger Absicht.
Redligion - Deine Stimme ist die Lüge.

Arno Gebauer, … (nicht überprüft)

Di. 16 Jan 2018 - 10:06

Moin,

die vom Staat bezahlten und unterhaltenen Krankenhauskapellen
haben in Krankenhäusern nichts verloren.

Solche Bekenntniseinrichtungen verstoßen klar
gegen die weltanschauliche Neutralität.

Wenn die Krankenhauskapellen nicht verschwinden,
muß die Politik bald mit entsprechenden Forderungen
von Andersgläubigen rechnen.

Vile Grüße
Arno Gebauer

Florian Chefai

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