Katholischer Frauenverband: Schwangerschaftsabbrüche müssen auch in katholischen Krankenhäusern möglich sein

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Bühne bei der Demo vor dem "Christlichen Krankenhaus Lippstadt" mit Joachim Volz (rechts) und seinen Unterstützern (August 2025).
Bühne bei der Demo vor dem "Christlichen Krankenhaus Lippstadt"

Schwangerschaftsabbrüche sollen künftig auch in katholischen Krankenhäusern möglich sein. Damit stellt sich einer der größten katholischen Verbände Deutschlands offen gegen die starre Haltung der Kirchenleitung.

Beim Thema Schwangerschaftsabbruch vertreten die katholische Kirche und insbesondere ihre Würdenträger seit Jahrzehnten eine rigorose Position. Unter dem Schlagwort "Lebensschutz" lehnen sie Abtreibungen grundsätzlich ab. Über ihren politischen Einfluss auf CDU und CSU wirkt die Kirche zudem auf die Gesetzgebung ein und trägt dazu bei, dass eine Abschaffung des Paragrafen 218 Strafgesetzbuch weiterhin blockiert wird, obwohl eine große Mehrheit der Bevölkerung eine Legalisierung befürwortet. Hinzu kommt, dass in vielen Krankenhäusern mit katholischer Trägerschaft Schwangerschaftsabbrüche nicht durchgeführt werden dürfen. Welche Folgen dies für die medizinische Versorgung hat, zeigte zuletzt der Fall des Gynäkologen Joachim Volz.

Vor diesem Hintergrund ist der Beschluss der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) von besonderer Bedeutung. Auf ihrer Bundesversammlung im Juni 2026 forderten die Delegierten ausdrücklich, "dass Schwangerschaftsabbrüche auch in katholischen Krankenhäusern möglich sein müssen". Die kfd ist kein Splitterverein, sondern nach eigenen Angaben mit rund 265.000 Mitgliedern der größte katholische Frauenverband Deutschlands. Die Position der kfd macht deutlich, dass viele katholische Frauen die bisherige Linie der Kirchenleitung nicht länger mittragen.

Selbstbestimmung statt Bevormundung

Das Positionspapier "Zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung: Positionen und Perspektiven der kfd zu § 218 StGB" stellt die Selbstbestimmung der Frau und ihre Freiheitsrechte in den Mittelpunkt. Die Autorinnen heben hervor, dass Frauen in Schwangerschaftskonflikten weder gesellschaftlich, medizinisch, partnerschaftlich noch kirchlich allein gelassen werden dürfen. Der Text, der auch online zu lesen ist, macht auch deutlich, wie sehr Frauen in Deutschland unter der derzeitigen Situation und Gesetzeslage leiden.

"Eine flächendeckende medizinische (und gegebenenfalls psychologische) Versorgung hinsichtlich eines Schwangerschaftsabbruches ist in Deutschland nicht gewährleistet. Immer weniger Ärzt*innen bieten Schwangerschaftsabbrüche an, insbesondere im ländlichen Raum fehlen (gut erreichbare) Versorgungsangebote, vor allem in westlichen und südlichen Bundesländern. Diese Versorgungslücke gefährdet die körperliche und seelische Gesundheit ungewollt Schwangerer und muss dringend geschlossen werden."

Der katholische Frauenverband leitet aus dieser Analyse eine klare Forderung ab:

"Die kfd fordert, dass Schwangerschaftsabbrüche auch in katholischen Krankenhäusern möglich sein müssen. Es braucht klare politische und institutionelle Rahmenbedingungen, um die ärztliche Versorgung beim Schwangerschaftsabbruch flächendeckend sicherzustellen und Diskriminierung sowie Stigmatisierung im Gesundheitswesen abzubauen. Ebenso wichtig ist die Zusicherung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse bei Schwangerschaftsabbrüchen."

Die Zahl der Praxen und Kliniken, die in Deutschland Schwangerschaftsabbrüche durchführen, geht seit Jahren zurück. Diese Entwicklung ist alarmierend und genau hier setzt die Forderung an, denn ein Rechtsanspruch verliert seinen Wert, wenn die notwendige medizinische Versorgung faktisch nicht mehr möglich ist.

Der Beschluss der kfd zeigt, dass selbst innerhalb der katholischen Kirche die Bereitschaft wächst, die Realität anzuerkennen. Während Papst Leo XIV. noch vor wenigen Monaten behauptete, Abtreibungen würden den Frieden zerstören, machen katholische Frauen auf ein sehr viel konkreteres Problem aufmerksam: den Mangel an medizinischer Versorgung und die Einschränkung weiblicher Selbstbestimmung. Nicht die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs gefährdet den gesellschaftlichen Frieden, sondern der Versuch, Frauen aus religiösen Gründen den Zugang zu einer legalen medizinischen Leistung zu erschweren.

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