Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kommentiert
Papst: Keine „Freude der Liebe“ für Lesben und Schwule
Foto: © Mazur/catholicnews.org.uk, Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)
BERLIN. (lsvd) Die Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens "Amoris Laetitia" ("Freude der Liebe") von Papst Franziskus kommentiert Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD).
Das nachsynodale Papstschreiben ist eine Enttäuschung für alle, die sich mehr Akzeptanz und Wertschätzung von Lesben, Schwulen, ihren Beziehungen und Familien erhofft hatten. In knapp 15 Zeilen macht das 300seitige Schreiben klar, dass Lesben und Schwulen mit Respekt begegnet werden soll und sie nicht "in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen" seien, um gleich darauf festzustellen, dass die "Freude der Liebe" für sie nicht gilt. Stattdessen soll ihnen geholfen werden, den Willen Gottes ganz zu erfüllen, sprich enthaltsam zu leben und auf Liebe und Sexualität zu verzichten, Umpolungs- und Heilungsangebote inklusive.
Während mit Kolumbien gestern der 22. Staat weltweit die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet hat, kritisiert der Papst diese Entwicklungen zu gleichen Rechten, Vielfalt und Respekt. Stattdessen sorgt er sich, dass angeblich Entwicklungsgelder davon abhängig gemacht werden, ob Staaten die Eheöffnung ermöglichen. Das verkennt die Lage komplett. Wo die Frage nach der Konditionalität von Entwicklungsgeldern auftaucht, ging es ausschließlich um strafrechtliche Verfolgung bis hin zur Todesstrafe, um brutale Verfolgung und Gewalt. In vielen Ländern werden die grundlegenden Menschenrechte von Lesben und Schwule wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Meinungsfreiheit oder das Recht auf Privatsphäre massiv verletzt. Oftmals legitimiert die katholische Kirche vor Ort strafrechtliche Verschärfungen und trägt damit Mitverantwortung für schwere Menschenrechtsverletzungen. Dagegen hätte sich der Papst verwehren sollen, statt sich über Kritik an Ortskirchen zu empören.
Einzige Neuerung ist, dass die nationalen Bischofskonferenzen mehr Spielraum haben, wenn es um die praktische Auslegung moralischer Normen auf dem Gebiet der Sexualität geht. Der LSVD erwartet, dass sich die deutschen Bischöfe für eine Erweiterung des Familienbildes aussprechen, auch mit Blick auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. Die gesellschaftspolitische Debatte über die Öffnung der Ehe für alle hat dazu geführt, dass Bischöfe und Laien sich für eine veränderte Haltung ausgesprochen haben, so etwa das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in seiner Erklärung "Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen" vom 09.05.2015. Hier forderte das ZdK u.a. eine Weiterentwicklung von liturgischen Formen, insbesondere auch Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Die Bischofskonferenz muss endlich erkennen, dass auch die große Mehrheit der Katholiken in Deutschland für eine offene Gesellschaft steht und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare als wichtige Gerechtigkeitsfrage ansieht.
In der evangelischen Kirche werden Lesben und Schwule immer mehr als gleichberechtigte Gemeindeglieder akzeptiert. Aus einer modern-protestantischen Perspektive wird heute nicht mehr unbedingt nach der äußeren Form einer Partnerschaft, sondern nach den dort gelebten Werten gefragt. So diskutiert die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Wochenende, ob sie zukünftig die Liebe zweier Menschen traut – egal ob lesbisch, schwul oder heterosexuell. Das zeigt deutlich: Religion und Akzeptanz von Lesben und Schwulen können sehr wohl miteinander vereinbar sein.
Kommentare (5)
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"Das nachsynodale
"Das nachsynodale Papstschreiben ist eine Enttäuschung für alle, die sich mehr Akzeptanz und Wertschätzung von Lesben, Schwulen, ihren Beziehungen und Familien erhofft hatten."
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Naivität hat eben ihren Preis. Die Catholica ist nun mal keine demokratische Veranstaltung.
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"Das zeigt deutlich: Religion und Akzeptanz von Lesben und Schwulen können sehr wohl miteinander vereinbar sein."
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Na klar, Religion ist halt totale Beliebigkeit. Wenn man die Behauptung, "Gott will A" nicht so supi findet, behauptet man einfach, "Gott will nicht-A". Wer die Religionsfreiheit in Anspruch nimmt, muß ja nichts beweisen und auch nicht erklären, worin die normative Relevanz seiner unbelegten Annahmen besteht.
Die Vorschriften der
Die Vorschriften der Religionen betreffen immer nur die Mitglieder, das wird bei religiösen Artikeln nämlich nie erwähnt. Auch wenn die Macht der Religionen scheinbar wächst, darf man, zumindest in Deutschland, noch nach seinen eigenen Moralvorstellungen leben.
Dem kann ich so nicht
Dem kann ich so nicht beipflichten, denn viele Entscheidungen dieser Herren werden schon seit langer Zeit auch in die Politik getragen und somit betreffen diese nicht nur Mitglieder, §175 war auch ein Relikt dieser schwarzen Pfaffenkultur. Aber solange es eben Menschen gibt, die trotz besseren Wissens, alles mögliche "Glauben", wird der Boden dafür bereitet sein, um den Samen der Religion zum blühen zu bringen und das betrifft nun mal nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt. Mich interessiert schon seit längerer Zeit nicht mehr, was der Mann aus Rom in moralischer Hinsicht von mir möchte, gerade oder weil es die Herren unter ihren schwarzen Röcken es eben genauso wild und bunt treiben.
"Mich interessiert schon seit
"Mich interessiert schon seit längerer Zeit nicht mehr, was der Mann aus Rom in moralischer Hinsicht von mir möchte"
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Immerhin hat es der Mann aus Rom geschafft, selbst Nichtreligiösen den Eindruck zu vermitteln, sein Geschwätz habe etwas mit Moral zu tun. HÄTTE es etwas mit Moral zu tun, Behauptungen über "Gott" und seinen Willen aufzustellen und sich diesem Willen gemäß zu verhalten, müßte man JEDE mit "Gottes" Willen begründete Handlung oder Unterlassung als moralisch bezeichnen. Immerhin sind alle derartigen Begründungen gleichermaßen unprüfbar oder falsch, weil schon die Behauptung der Existenz "Gottes" unprüfbar oder falsch ist. Will sagen: der Mann aus Rom kennt keine Moral, weil er sie mit Gehorsam gegenüber einem erfundenen Wesen verwechselt. Daher ist ihm von vornherein jede ethische Autorität abzusprechen.
Die Verlautbarung aus Rom ist
Die Verlautbarung aus Rom ist nicht nur eine Klatsche für Lesben und Schwule, es gibt noch eine weitere Gruppe, der ein moralfernes, sündiges Leben bescheinigt wird: Wiederverheiratete Geschiedene.
Wie kann man so vielen Menschen so gründlich vor den Kopf stoßen?