Wann kommt endlich "Praktische Philosophie" in die Grundschule?
Foto: pixabay.com, gemeinfrei
Der Humanistische Verband NRW fordert, die Einführung eines Ethik- oder Philosophieunterrichtes an den Grundschulen nicht halbherzig anzugehen und auf die lange Bank zu schieben. "Wir brauchen diesen Unterricht dringend, damit die große und wachsende Zahl konfessionsfreier Kinder nicht länger außen vor bleibt, wenn es um Fragen einer guten und sinnvollen Lebensführung geht", betont Erwin Kress, Präsident des Humanistischen Landesverbandes.
"Auch von den muslimischen Kindern erhält der allergrößte Teil keinen solchen Unterricht. Dies dient nicht der Verbesserung des Zusammenlebens." Gerade ein solcher Unterricht kann den Blick auf unterschiedliche Weltsichten und die gegenseitige Toleranz sehr befördern.
Der Ausschuss für Schule und Bildung im Landtag NRW wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch, den 21. Februar 2018 erneut mit der Einrichtung eines Ethik- oder Philosophieunterrichtes an den Grundschulen des Landes beschäftigen.
CDU und FDP haben sich im Koalitionsvertrag zur Einführung eines Ethikunterrichtes für Kinder verpflichtet, die nicht an einem Religionsunterricht teilnehmen. Die Grünen, nun von Koalitionszwängen befreit, fordern ebenfalls ein Fach, in dem sich die Kinder eine Lebensphilosophie erarbeiten können.
Auch wenn es im Schulbereich noch andere Baustellen gibt, muss die Schulministerin nun schnell einen Plan für die Einführung eines neutralen Werteunterrichtes in den Grundschulen vorlegen. Einen brauchbaren Lehrplanentwurf hat der Fachverband Philosophie bereits vorgestellt. Nun müssen die finanziellen Mittel für Lehrkräfte bereitgestellt werden und die Ausbildung dieser Lehrkräfte muss organisiert werden. Erfahrungen aus dem Bereich Praktische Philosophie in der Mittelstufe (Sek. I) liegen vor.
Dazu erklärt Erwin Kress, Präsident des Humanistischen Verband NRW:
"Mit vielen anderen gesellschaftlichen Kräften teilen wir allerdings den weitergehenden Wunsch, dass an einem Werte vermittelnden Ethik- bzw. Philosophieunterricht alle Schülerinnen und Schülern einer Klasse zusammen teilnehmen sollten. Die gegenwärtigen Erfahrungen in Berlin und Brandenburg zeigen uns, dass Philosophie-Unterricht für alle und religiöses Bekenntnis keinen Widerspruch darstellen müssen. Ein verpflichtender Werte-Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler dient dem Zusammenleben und nutzt auch Familien, die auf Wunsch weiterhin ein konfessionsgebundenes Unterrichtsangebot wahrnehmen könnten."
Kommentare (8)
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Laufend aktuelle Infos zum
Laufend aktuelle Infos zum Thema gibt es bei
www.Pro-Ethik-NRW.de
Eine im Grunde genommen
Eine im Grunde genommen völlig selbstverständliche Forderung.
Eigentlich, nicht wahr?
Finde ich überhaupt nicht,
Finde ich überhaupt nicht, Hans. Ganz im Gegenteil, ich lehne diese Forderung ausdrücklich ab. Sie entspricht voll der Taktik des HVD, Kirchenprivilegien zu sichern um selbst an ihnen teil zu haben.
Es ist grundfalsch, Kinder getrennt nach Weltanschauung zu unterrichten. So werden unterschiedliche, parallele Wertewelten geschaffen. Einzig sinnvoll ist ein verpflichtender Ethikunterricht für alle, so wie in Berlin.
Es ist auch nicht besser, das System Religöse in Religion, alle anderen in was anderes, als guten Zwischenschritt zu fordern. Bisher hatten die Nichtreligiösen einen Vorteil, sie hatten weniger Unterricht. Der fällt nun weg, was sicher insgesamt zu mehr Beteiligung an diversen religiösen Unterrichten führen wird.
Die Forderung geht genau in die falsche Richtung.
Wieso getrennt, Rüdiger?
Wieso getrennt, Rüdiger? Verstehe ich nicht so; es heißt doch ausdrücklich: "Ethik- bzw. Philosophieunterricht alle Schülerinnen und Schülern einer Klasse zusammen" - alle zusammen. Und der Unterricht muss ja auch nicht notwendigerweise vom HV erteilt werden.
"CDU und FDP haben sich im
"CDU und FDP haben sich im Koalitionsvertrag zur Einführung eines Ethikunterrichtes für Kinder verpflichtet, die nicht an einem Religionsunterricht teilnehmen."
Ich gehe eher davon aus, dass es so wie im Koalitionsvertrag festgelegt umgesetzt wird.
Übrigens ist auch das Zitat des HVD-Präsidenten nicht ganz stimmig. Nur in Berlin müssen wirklich auch Religiöse am Ethikunterricht teilnehmen. Vom LER-Unterricht in Brandenburg kann sich befreien lassen, wer in Reli geht. Das wird auch viel praktiziert. Auch deshalb, weil Reli-Unterricht nie in den Randstunden liegen darf, LER schon.
Siehe http://fsm-uckermark.blogspot.de/2017/07/das-wort-zum-freitag-rechtsbruch-im.html
In dem Zusammenhang sollte
In dem Zusammenhang sollte man unbedingt dies ansehen:
Kinder philosophieren http://bit.ly/2C93zzl und die Akademie Kinder philosophieren!
http://bit.ly/2BG547c
Philosophieunterricht sollte
Philosophieunterricht sollte für alle, auch mit Konfession, gelten!
Ein Land, was sich für die offene Auslebung unterschiedlichster Kulturen einsetzt, welches Religionsfreiheit in seiner Verfassung hat; solch ein Land, sollte zu Erreichung dieser -(erstrebenswerter) Ziele darauf bedacht sein, dass alle – in Ihm vertretenen – Kulturen mit einander friedlich und koexistent leben. Grundlage dieser Zusammenlebens, ist Verständnis Füreinander und was kann da besser helfen wenn Mohammed etwas übers Lisa christlichen Glauben lernt und Andersrum.
Des Weiteren sollte – im Sinne der Aufklärung – jedes Kind zu einem mündigen Bürger herangezogen werden. Dazu gehört auch die freie Wahl der eigene Religion oder der eigenen Philosophischen Verortung; und was hilft da besser, als eine offene Darlegung aller möglicher Wahlmöglichkeiten?
Wertebildung heißt:
Wertebildung heißt: Wertekompetenz vermitteln. Das umfasst Lebenskunst, Lebens-, Medien-, Sozial-, Internet-, Politik-, ökologische und ökonomische Kompetenz. Das Fach Ethik leistet das seit 1985 in BaWü. Der Religionsunterricht leistet das noch länger. Beides sind sehr anspruchsvolle, interessante Fächer, breit angelegt, schülernah. Sonst würde keine/r mehr hingehen. Für Konfessionsfreienkindern wird diese Bildung bewußt eingeschränkt - den Kirchen zu Liebe. Das geht gar nicht: entweder nicht an Grundschulen, oder nicht an Oberstufen. Schon gar nicht an Universitäten (dort ginge es um Humanistik, Philosophie, Religionskunde, Menschenrechte). Dies ist ein Skandal bzw. Wertebildung ab dem Kindergarten sollte Konfessionsfreienkindern nicht länger vorenthalten bleiben. Lebenskompetenz (-kunst) lernen hat nichts mit Kirchenprivilegien zu tun. Gut, die Kirchen haben sich den Erziehungs- und Sozialbereich unter den Nagel gerissen. Diese Bereiche sind jedoch l e b e n s n o t w e n d i g für Individuum und Staat. Nichts ist naheliegender, als diese Erziehung - und zwar in säkularer Form ohne "Religion durch die Hintertür" - unseren Kindern zu gönnen. Schön wäre ein gemeinsamer Werteunterricht - der dürfte nur Religionskunde implizieren. Leider, Gott'seis'geklagt, sperren sich die Kirchen und übereifrige Christen aller Parteien. Gut, sollen sie ihr religiöses Ding machen (Art. 7 GG) - aber dann eben parallel und gleichberechtigt säkulare Werteerziehung. Unsere Kinder ohne Wertegrundlagen dieser Welt auszusetzten wollen, ist nicht hinnehmbar. Es ist unchristlich, es ist einfach erbärmlich. Es schadet allen. Es befördert Rechtsradikalismus, Autoritarismus und Populismus. Werteerziehung für alle - säkulare für säkulare Kinder! Selbstverständlich juristisch gleichgestellt und nicht minderwertig. Sind wir minderwertige Menschen? Diesseitige Humanität kann getrost auf Religion verzichten! Sie gehört in die Schule/n. Wohin sonst? Humanistische Grüße, Karin Resnikschek, Tübingen