Podcast
Die "Beschneidung" von Jungen bleibt ein kontroverses Thema
Foto: © Frank Nicolai
BERLIN. (hpd) Das sog. “Beschneidungsurteil” des Landgerichts Köln vom 07. Mai 2012 hat im deutschsprachigen Raum eine Debatte ausgelöst, die seitdem nicht mehr verstummt ist. Mitglieder des "Beschneidungsforums haben mit dem interaktiven Internetradio RedeMit einen Podcast produziert, in dem direkt und indirekt Betroffene zu Wort kommen.
Befürworter und Verteidiger der umstrittenen Prozedur, bei der die Vorhaut des Penis mehr oder weniger vollständig entfernt und die Eichel dauerhaft freigelegt wird, verweisen auf religiöse oder kulturelle Traditionen oder auf angebliche medizinische oder hygienische Vorteile. Gern wird darauf verwiesen, dass sich “ja auch noch nie ein beschnittener Mann darüber beschwert hat”. Dieses “Argument” ist jedoch schon seit längerem nicht mehr haltbar.
Sicher, welcher Mann redet schon gerne in der Öffentlichkeit über sexuelle Probleme und Einschränkungen? Gerade wenn es mit seinem Penis, dem Symbol von Potenz und Männlichkeit schlechthin, zusammenhängt?
Noch immer müssen beschnittene Männer, die damit Probleme haben, damit rechnen, sich in der Öffentlichkeit Spott und Häme auszusetzen. So wird der öffentliche Eindruck fortgeschrieben, Beschneidung sei doch nur ein harmloser kleiner Eingriff. Und doch, seit dem Bekanntwerden des “Beschneidungsurteils”, das wie eine Initialzündung wirkte, trauen sich mehr und mehr Betroffene, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Mythos von der “Harmlosigkeit der Beschneidung” gerät ins Wanken.
Mitglieder des “Beschneidungsforums” – einer virtuellen Anlaufstelle für negativ Betroffene – Intaktivisten und Unterstützer haben mit dem interaktiven Internetradio RedeMit diesen Podcast produziert, in dem direkt und indirekt Betroffene zu Wort kommen.
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Ein junger Mann, der vor
Ein junger Mann, der vor islamisch-kulturellem Hintergrund beschnitten wurde und darunter leidet, brachte es im Podcast auf den Punkt:
"Eltern sollten ihr Kind schützen!"
Dass rührige Privatvereine in Deutschland für diese Selbstverständlichkeit gegen staatliche Interessen (Rechtsfrieden!) oder medizinische Ignoranz kämpfen müssen, ist ein ausgewachsener politischer Skandal.
Ist es mit der
Ist es mit der Zwangsbeschneidung nicht genau das Gleiche wie mit der Zwangstaufe? Wer die Macht hat (Erwachsene / Eltern) entscheidet. Wer ohnmächtig ist (weil noch zu klein) erleidet. Und so wird man mit der dazugehörigen Indoktrination von Elternhaus, Kirche, .Schule, Umwelt und Staat gleich in die richtige Form gepresst, mit dem guten Gefühl, "dazu"- zu gehören. Individualismus ist nicht gefragt, brave Bürger sind angesagt. Frage: warum tragen wir Männer eigentlich unsere Penisse nicht (vielleicht mit einer rosa Schleife geschmückt) öffentlich vor uns her? Dann weiß man doch gleich, in welche Schublade jeder gehört! Im Winter wäre sicherlich eine kleine Wollmütze angebracht, dann empfiehlt es sich, einen kleinen Judenstern oder ein Kreuz per Sicherheitsnadel daneben am Hosenschlitz anzubringen.
Es gibt einen qualitativen
Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen Beschneidung und Taufe und zwar einen nicht unerheblichen.
Außerdem habe ich eine Schwierigkeit damit zu bestimmen, wann "Wissensübergabe" aufhört und "Indoktrination" anfängt, da auch dieser Unterschied nur qualitativ ist. Es liegt in der Natur des Menschen in seiner frühen Lebensphase durch Nachahmung zu lernen und auf diese Weise auch das Wissen "der Alten" zu übernehmen ohne unbedingt alles rational nachzuvollziehen. So muss kein Mensch das Rad immer wieder neu erfinden. Diese Methode ist hocheffizient für ein sprachbegabtes Wesen. Ein Nebeneffekt dieser Methode ist allerdings, dass so in einer Gesellschaft nicht nur ein Konsens über das Wissen der Gesellschaft erreicht wird, sondern auch ein Konsens über Aberglaube und Ideologie. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und in autoritär strukturierten Gesellschaften, wie sie lange der Usus in der Menschheitsgeschichte waren, klappt das besser bis ins Erwachsenenalter hinein, als in pluralistisch strukturierten Gesellschaften mit einigen wohlbekannten inhumanen Nebeneffekten.
Aber eine Trennung zwischen Wissensübergabe und Indoktrination ist schwierig, insbesondere, wenn Menschen den Unterschied zwischen Wissen und ideologischen Interessen noch nicht einmal bewusst begriffen haben.
Skeptiker wird man in aller Regel erst in einem späteren Lebensabschnitt. Und durch Nachahmung leidet kein Kind. Durch eine überflüssige Taufe auch nicht.
Moin Herr Hertlein! Taufe und
Moin Herr Hertlein! Taufe und Beschneidung (sowie andere religiöse Riten, die an Kleinkindern vollzogen werden) sind insofern mit einander vergleichbar, da sie prägend sind für den Rest des Lebens, und das ist ja auch ganz bewußt so gewollt. Aber wäre es nicht viel ehrlicher von Seiten der Erwachsenenwelt, Kinder so weltoffen aufwachsen zu lassen, dass diese sich (z.B. im Alter von 14 oder 16 Jahren) selbst entscheiden können, ob sie zukünftig einer Religionsgemeinschaft angehören oder ein Leben unabhängig von Prägungen dieser Art führen wollen: Klar, dass die religiösen Gruppierungen dann wesentlich weniger Mitglieder hätten, aber die große Mehrheit dieser Mitglieder wären dann überzeugte und treue Anhänger ihrer Kirche, und nicht nur Mitläufer, weil "das schon immer so war"! Auch ein junger Mensch kann sich aus Überzeugung taufen lassen.
Beschneiden lassen wird er sich wohl eher nicht freiwillig, weil ihm bis dahin bekannt sein wird, dass es sich dabei um einen durchaus nicht ungefährlichen Eingriff handelt. Aber so eine (nach allen Seiten offene) Erziehung ist natürlich in einem religiös geprägten Staat wie (z.B.) Deutschland nicht möglich. Dafür müßte sich nicht nur zuersterst einmal eine freiere Denkweise im Elternhaus durchsetzen, sondern auch der staatlich bezahlte Religions-Unterricht in öffentlichen Schulen abgeschafft werden. Sonntagsschulen auf Kosten der Kirchen wären eine Alternative. Ein endloses Thema, Sie wissen es selbst. Aber das ist alles in Deutschland nicht vorgesehen und geplant. Trotz sinkender Mitgliederzahlen ist die Macht der Kirchen ungebrochen. Und so wird auch weiter zwangsbeschnitten und zwangsgetauft werden. Amen!
Tja, Taufe kann man ja
Tja, Taufe kann man ja rückgängig machen, Beschneidung nicht. So einfach sieht die Sache aus.
Hallo "Mein Name" (sehr
Hallo "Mein Name" (sehr witzig, hah ha ha!).
Möglicherweise irren Sie. mein Freund versucht seit über 20 Jahren, seine Taufe zu annulieren und aus dem Kircheregister gestrichen zu werden.
Bisher ohne Erfolg. Wenn Sie den gangbaren Weg wissen, wäre ich Ihnen sehr dankbar und würde den Tipp gerne weitergeben.
Mit gottlosem, aber freundlichem Gruß,
Kay Krause