Blasphemieprozess in Griechenland

Gerichtsverfahren gegen griechischen Pastafari beendet

Elder Pastitsios
Screenshot der originalen "Elder Pastitsios"-Facebookseite vor ihrer Löschung 2012

Ein Anhänger der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Griechenland war 2014 wegen Blasphemie verurteilt worden, weil er auf seiner Facebook-Seite einen griechisch-orthodoxen Mönch mit einem traditionellen Nudelgericht gekreuzt hatte.

Philippos Louizos ist Pastafari – ein Anhänger der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, die häufig als Religionsparodie bezeichnet wird. 2012 eröffnete der damals 27-jährige Grieche eine Facebook-Seite unter dem Namen "Elder Pastitsios" – eine Kombination aus "Elder Paisios", dem Namen eines bekannten griechisch-orthodoxen Mönchs, und "Pastitsios", einer lokalen Pasta-Spezialität. Für einen Pastafari ein ganz normaler Akt, denn häufig geben sich die Anhänger des Fliegenden Spaghettimonsters Namen, die an Nudelgerichte erinnern. Auf dem Titelbild seiner Facebook-Seite verlieh Louizos dieser Namenskombination auch grafisch Ausdruck, indem er das Bild eines griechisch-orthodoxen Mönches mit der beliebten Pasta-Spezialität kombinierte.

Als Administrator dieser Facebook-Seite wurde Louizos im September 2012 verhaftet. Das ihm vorgeworfene Vergehen: Ein Verstoß gegen die Blasphemie-Gesetzgebung Griechenlands. In Griechenland, wo das orthodoxe Christentum Staatsreligion ist, stellen Gesetze nicht nur den humoristischen Umgang mit dem christlichen Gott, sondern auch mit der griechisch-orthodoxen Kirche unter Strafe. Im Januar 2014 wurde Louizos zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Sein Fall fachte in der griechischen Politik eine Diskussion über die Blasphemiegesetzgebung des Landes an, die bis jetzt allerdings noch nicht zu Ergebnissen geführt hat.

Laut der "Blasphemiegesetze abschaffen!"-Kampagne der International Humanist and Ethical Union und der European Humanist Federation hob das Berufungsgericht Louizos Urteil Anfang März auf. Allerdings nicht aus rechtlichen oder politischen Gründen, sondern lediglich, weil das Gericht zwecks Arbeitsentlastung ein Gesetz zur Anwendung brachte, das es ermöglicht, Urteile in Fällen mit geringfügigen Verbrechen, bei denen das Verfahren bereits zu lange dauert, aufzuheben.

Laut der Kampagne zur Abschaffung von Blasphemiegesetzen äußerte sich die Humanistische Union Griechenlands einerseits erleichtert über die Beendigung der Strafverfolgung von Louizos, anderseits jedoch auch enttäuscht:

"Philippos und die Humanistische Union Griechenlands, die ihm kostenlose rechtliche Unterstützung angeboten hat, sind nicht zufrieden, weil man ihm keine Chance gegeben hat, während des Berufungsverfahrens in der Sache selbst freigesprochen zu werden. Sie bedauern ferner, dass die internationale Kampagne humanistischer Organisationen 2016 sowie die UN CERD Empfehlungen im August 2016 zur Abschaffung der diskriminierenden Artikel 198 und 199 des griechischen Strafgesetzbuches, durch die Blasphemie unter Strafe gestellt wird, nicht zur Aufhebung der Anklagepunkte geführt habe – entgegen wiederholter Beteuerungen der griechischen Regierung, dass dies geschehen würde, vor drei UN-Gremien und in öffentlichen Stellungnahmen. Wieder mal ist die angeblich progressive SYRIZA geführte Regierung vor dem aggressiven öffentlichen Widerstand der griechisch-orthodoxen Bischöfe eingeknickt. Sogar das Gegenteil ist passiert: die griechische Polizei berichtet von häufigen Inhaftierungen und neuen Anklagen wegen Blasphemie, die jüngsten im Dezember 2016 und im Januar 2017. Die Kampagne zur Abschaffung der Blasphemiegesetze in Griechenland wird nun neue Formen annehmen."

Kommentare (3)

Martin Mair (nicht überprüft)

Mo. 13 Mär 2017 - 12:43

Aha, auch der Tsipras vermag da nichts zu ändern. Eine Enttäuschung ...

Wat? Das is doch ein Artikel aus dem Postillion... Nich???
Ich brech zusammen was ein riesen Haufen Mist!
Blaspemie! Das ist tiefstes Mittelalter.

Dieter Bach (nicht überprüft)

Di. 14 Mär 2017 - 12:10

Wie kann es sein, dass es in der EU einen Staat mit einer Staatsreligion gibt. Da können wir doch gleich den Erdogan in die EU aufnehmen.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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