Fremdenfeindlichkeit unter dem Deckmantel der Islamkritik

Zu den Pegida-Demonstrationen erklärt René Hartmann, Erster Vorsitzender des Bundes der Konfessionslosen und Atheisten:

Bei Pegida handelt es sich nicht um ein Eintreten gegen islamistische Gewalt und Intoleranz, sondern um schlecht verhüllte Fremdenfeindlichkeit.

Mit der Berufung auf das "Abendland", das es zu verteidigen gelte, wird eine Abwehrhaltung gegenüber als "fremd" empfundenen Religionen und Kulturen eingenommen. Es handelt sich folglich um das Gegenteil einer aufklärerischen und an Menschenrechten orientierten Religionskritik. Das ist auch insofern kein Zufall, als es sich um einen Versuch von Akteuren aus dem rechten Spektrum handelt, über ihre 'Szene' hinaus größere Bevölkerungskreise anzusprechen. Auch das verbale Bekenntnis zum Asylrecht für Flüchtlinge kann über die fremdenfeindliche Stoßrichtung von Pegida nicht hinwegtäuschen.

IBKA

Eine legitime Islamkritik muss wie jede Religionskritik vorrangig die Institutionen und Strukturen in den Blick nehmen. Hier gibt es durchaus einiges, das Grund zur Sorge gibt, wie etwa die Tendenz, die Privilegien der christlichen Kirchen auf islamische Organisationen auszuweiten. Eine Islamkritik jedoch, die Migranten aufgrund ihrer Herkunftsregionen als Gefahr für die eigene Kultur darstellt, entpuppt sich letztlich als kaum verhüllte rassistische Hetze und ist daher nachdrücklich abzulehnen.

 


Pressemitteilung des IBKA vom 07. Januar 2015

Quelle

Kommentare (3)

Wolfgang M. Fitz (nicht überprüft)

Mi. 7 Jan 2015 - 11:32

1. Zentrale Unlogik bei "Pegida": Die Flüchtlinge, gegen die sie sind, die jetzt aus dem Orient kommen, sind doch gerade vor islamistischer Gewalt geflohen! Wer also tatsächlich was gegen Islamisten hat, der müsste doch gerade diesen Opfern helfen, sie unterstützen wollen, wo sie doch nur knappstens islamistischem Terror, Krieg, Völkermord entkommen sind!
Das genaue Gegenteil betreiben diese rechten „Abendland-Verteidiger“!
Merkwürdig, dass ihnen das niemand vorhält.
2. Schaut Euch mal das Pegida-Emblem resp. Piktogramm an: Das mit dem Abfallkorb. Was soll da in den Mülleimer geworfen werden?: Der Islam. Staat, ok, 'n Hakenkreuz, ok, falls man's denen glaubt (aber da bin ich ein gänzlich Ungläubiger), ansonsten sind da nur noch zur Entsorgung vorgesehen: Die Banner der Sozialisten und das der Antifaschisten.
Und damit wissen wir, wer da demonstriert!

Daniel (nicht überprüft)

Mi. 7 Jan 2015 - 17:55

Antwort auf von Wolfgang M. Fitz (nicht überprüft)

Außerdem wurde die erste Pegida-Veranstaltung als Reaktion auf eine Demo für Waffenlieferungen an die kurdischen Widerständler gegen ISIS begründet. Alleine daran war schon offekundig, dass es hier nicht tatsächlich gegen den Islamismus und dessen Vertreter ging, sondern allgemeine fremdenfeindliche Ressentiments aufgegriffen werden sollten!

Daniel Gotthardt (nicht überprüft)

Mi. 7 Jan 2015 - 17:53

Vielen Dank für diese deutliche Stellungnahme! Man würde hoffen, dass auch weitere säkulare Verbände sich so deutlich gegen Pegida und ähnliche Trittbrettfahrer der Islamkritik äußern würden!

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