Frankfurter Erklärung der säkularen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten
60 Jahre nach Godesberg
Foto: © Frank Nicolai
Am 15. November 2019 jährt sich zum 60. Mal die Verabschiedung des Godesberger Programms. Am letzten Tag des Parteitages der SPD vom 13. bis 15. November 1959 in der Stadthalle von Bad Godesberg wurde es mit großer Mehrheit beschlossen.
Nach der Überwindung Nazi-Deutschlands ging es um den Aufbruch in eine neue Zeit, in der sich die SPD zu einer erfolgreichen linken Volkspartei entwickelte und sich der seinerzeit stark katholisch geprägten CDU/CSU entgegenstellen konnte.
In einer Grundsatzerklärung anlässlich ihres Jahrestreffens heute in Frankfurt, wenige Tage vor diesem Jubiläum, fordern die säkularen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die Partei auf, nicht nachzulassen in ihren Bemühungen, auch das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes zu verwirklichen, nach dem niemand – auch nicht wegen seines Glaubens, seiner religiösen Anschauungen oder weltanschaulichen Auffassungen – benachteiligt oder bevorzugt werden darf.
Neben vielen anderen bedeutenden Weichenstellungen wurde im Godesberger Programm das Verhältnis der SPD zu den Kirchen neu justiert. Damit hat die Partei nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur ein neues Verhältnis zu den Religionsgemeinschaften in Deutschland begründet. Mit ihrem Anspruch als Volkspartei sollten weitere Wählerschichten erschlossen werden.
Nach dem 2. Weltkrieg waren noch über 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands Mitglieder der protestantischen Kirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche. Aber schon setzte in den Kirchen, ganz besonders im Protestantismus, eine vorsichtige Annäherung an die Sozialdemokratie ein. Auch die Verunglimpfung der Sozialdemokratie und Beeinflussung der Wahlentscheidung von den Kanzeln herab, wie es in früheren Zeiten üblich war, wurde zunehmend vermieden.
In der weiteren Entwicklung unseres Landes gehen Kirchenmitgliedschaft und religiöses Interesse deutlich zurück, Großkirchen verlieren drastisch an Bindekraft. Die religiös-weltanschauliche Pluralität in Deutschland sollte Anlass sein, dass die SPD über eine zeitgemäße Politik zum Verhältnis des Staates zu den Religionen und Weltanschauungen nachdenkt. Dabei sind auch das Drittel Bürgerinnen und Bürger zu berücksichtigen, die nicht mehr in Glaubens- oder Wertegemeinschaften organisiert sind.
Als säkulare Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten werden wir uns innerhalb der Partei für eine stärkere Berücksichtigung gerade der religiös nicht gebundenen Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen und als Netzwerk oder endlich als Arbeitskreis die säkulare Tradition unserer Partei stärken
Kommentare (7)
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Wie bei den meisten Dingen im
Wie bei den meisten Dingen im Leben, glaub ich das erst, wenn ich es sehe. Sollte die SPD tatsächlich vom Projekt 5% abrücken und wieder richtige am Bürger und nicht der Kohle- oder sonst einer Lobby orientierte Politik machen, wäre das durchaus willkommen.
Genau so sehe ich das auch.
Genau so sehe ich das auch.
Schade, dass der "Kotzbrocken
Schade, dass der "Kotzbrocken" Stegner nicht mehr als Kandidat für den Parteivorsitz der SPD zur Verfügung steht, mit ihm wäre das Projekt >5% am schnellsten realisiert gewesen.
https://www.sueddeutsche.de/politik/forsa-chef-ueber-stegner-er-wird-als-kotzbrocken-wahrgenommen-1.372439!amp
Nachdem sich die SPD den
Nachdem sich die SPD den Kirchen gegenüber geöffnet hat, wurde sie flugs von Kirchengetreuen erst unterwandert, dann übernommen und auf kirchenkonformen Kurs gebracht. Folge: Statt emanzipatorischer Sozialpolitik wird heute nur noch paternalistische Sozialpolitik gemacht. In diesem Bereich hat sich die SPD den C-Parteien angenähert.
Selbst die säkularen Sozis
Selbst die säkularen Sozis sind nicht auf der Höhe der Zeit, wie sollte es da die SPD sein.
Inzwischen machen die Konfessionsfreien zwei Fünftel der deutschen Bevölkerung aus, während Katholiken und Protestanten auf 52 Prozent geschrumpft sind und bis 2030 (nach dem aktuellen Sachstand) auf 43 Prozent schrumpfen werden. Überdies ist ein Drittel der Protestanten und ein Viertel der Katholiken nichtreligiös und tritt zumeist nur deshalb nicht aus, weil ohnehin keine Kirchensteuer anfällt. Andererseits machen die absolut Kirchentreuen gerade noch acht Prozent der Wahlberechtigten aus, die fast durchwegs auf die Parteien mit dem C festgelegt sind.
Während die Grünen diese Veränderungen längst bemerkt haben, schläft die SPD tief und fest - und wundert sich, dass so viele Wähler*innen zu den Grünen übergelaufen sind.
Die Worte hör ich wohl.
Die Worte hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube.
"... endlich als Arbeitskreis
"... endlich als Arbeitskreis die säkulare Tradition unserer Partei stärken" - Glückauf!
Ähm, wer hatte doch gleich den Brauch initiiert, Gesetzentwürfe (wohlgemerkt, *vor* einer parlamentarischen Diskussion!) Kirchenbüros zur Kommentierung vorzulegen? Die Antwort darauf las ich erstmals (und zwar voll geplättet) in 'Kirchenrepublik Deutschland' von Carsten Frerk.