"Freedom of Thought Report" 2019

Noch immer Todesstrafe für Gotteslästerung

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"Gotteslästerung" kann einen Menschen auch im Jahr 2019 noch das Leben kosten. Nicht weniger als zwölf Länder halten bis heute an der Todesstrafe für Blasphemie fest, erbitterten Protesten säkularer Organisationen weltweit zum Trotz.

Auch anderswo tut man sich schwer mit dem Abschied von diesem Anachronismus. In nicht weniger als 69 Staaten ist Gotteslästerung strafbar, so Bob Churchill von der Organisation Humanists International. Doch es gibt auch Lichtblicke: Immerhin acht Länder haben seit 2015 den "Gotteslästerungsparagrafen" aus den Gesetzbüchern gestrichen: Norwegen, Island, Malta, Dänemark, Kanada, Neuseeland, Griechenland und eine französische Provinz. In Irland hatte bei einem Referendum eine Mehrheit der Bürger für eine Abschaffung des Verbots gestimmt. Kürzlich sprach sich auch Griechenland, drei Jahre nach Abschaffung des Blasphemieverbots, gegen eine erneute Kriminalisierung der Gotteslästerung aus.

Einen aktuellen Überblick über die Lage vermittelt der "Freedom of Thought Report 2019", der kürzlich von Humanists International veröffentlicht wurde. Der jährliche Bericht zeigt anhand von Tabellen und Karten, wie es in 196 Ländern der Erde um die gesetzliche Gleichstellung von konfessionsfreien Menschen bestellt ist.

Spitzenreiter sind demnach, wie bereits im Vorjahr, Belgien, die Niederlande und Taiwan. Am anderen Ende der Skala steht Saudi-Arabien, dessen Gesetzgebung weitestgehend auf religiösen Vorschriften beruht und jede Abweichung drakonisch bestraft. Jegliches Engagement für säkulares Denken ist streng verboten, auf Gotteslästerung und Abwendung vom Glauben steht die Todesstrafe.

Deutschland ist erst auf Platz 145 zu finden, hauptsächlich weil der Gesetzgeber bislang trotz heftiger Proteste am anachronistischen Blasphemieverbot festhält.

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Wer hierzulande "öffentlich oder durch Verbreiten durch Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören", so Paragraf 166 des Strafgesetzbuches, muss mit Geldstrafe oder Haft bis zu drei Jahren rechnen. Damit landet Deutschland auch diesmal nur auf Platz 145 von 196 gelisteten Staaten.

Warum eine Änderung hier not tut, betont Andrew Copson, Präsident von Humanists International: "Gesetze gegen Blasphemie und Apostasie bewirken nichts Gutes und bewahren niemanden vor Schaden. Sie unterbinden vielmehr die offene Diskussion. Vor allem aber vermitteln sie eine bestimmte Deutung und Respekt gegenüber konservativen Glaubensvorstellungen der radikalsten und stärksten extremistischen Gläubigen."

Kommentare (5)

Unechter Pole (nicht überprüft)

Fr. 22 Nov 2019 - 20:51

Leider scheint die Kriteriendefinition viel zu schwammig und insgesamt die tatsächliche Lage eher oberflächlich recherchiert. Dass es unter den beiden Ländern die ich gut kenne Polen auf einen besseren Platz als schafft hat halte ich für ein Anzeichen dafür. Grade dass Polen in der Kategorie "Gesellschaft" besser abschneidet ist ein Witz. So wird für Deutschland geltend gemacht, dass die "Amtskirchen" ein Großteil der Daseinfürsorge besetzt haben. Dass in Polen die entsprechenden Institutionen, zwar in öffentlicher Hand, eine regelrechte Zwangschristianisierung durchführen (passiert in manchen deutschen Kindergärten mit öffentlichem Träger zwar auch, aber wohl seltener) steht in keinem Gesetz und scheint daher keinen zu interessieren.

Carola Gabriel… (nicht überprüft)

Fr. 22 Nov 2019 - 21:00

Wegen des wichtigtuerischen Gezänks um die Datenbasis und Interpretation des Freedom of Thought Reports haben die Diskutanten den Inhalt des Artikels von Frau Hüsgen aus den Augen verloren. Die dort genannten Informationen sind das, worum es eigentlich geht.
Horrende Strafen, bis hin zur Todesstrafe, für "Blasphemie" oder "Apostasie".

A.S. (nicht überprüft)

Mo. 25 Nov 2019 - 15:12

Heute, 25.11.2019, ist im "Handelblatt" einen Infografik zur Religionsfreiheit:

https://www.handelsblatt.com/infografiken

Schaut mal, welche Länder dort fehlen bzw. welche Länder zu Feinden der Religionen erklärt werden. Alles klar? Wer wohl erklärt wen zum Feind?

Peter (nicht überprüft)

Di. 26 Nov 2019 - 12:45

Die Karte oben zeigt nicht die Staaten, in denen man für die Gotteslästerung die Todesstrafe erhält, sondern irgendwas anderes namens "Gedankenfreiheit" (als ob man jemandem das Denken verbieten könnte...).

Fällt schon dadurch aus, dass da China dunkelrot ist. Ich wüsste nicht, dass man in China wegen Gotteslästerung hingerichtet würde.

So jedenfalls, ist das richtig mieser Journalismus. :/

Kai aus HH (nicht überprüft)

Fr. 29 Nov 2019 - 17:16

hammmed-Knall ging es ja bergab mit diesen Staaten. Es wurde nichts Eigenständiges mehr entwickelt, wg Intoleranz und Märchenglaube statt Wissenschaft.
Zum "Ausgleich" die ständige Bedrohung des Einzelnen durch sadistische Strafen. Alles, was in diesen Ländern außer Pflugscharen, Gebetsteppichen & Grundnahrung produziert wird kommt aus der bösen ungläubigen Welt.. Ok, war im Detail vielleicht etwas überzogen..
Aber wenn Staaten immer noch dem (Religions-)Führer-Glauben anhängen, ist dies nichts weiter als eine religiöse Variante von Faschismus.
Und der kennt statt Kreativität vor allem Brutalität.

Inge Hüsgen

Die Autorin ist die Chefredakteurin des "Skeptiker", der Vierteljahreszeitschrift der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie Redakteurin beim Humanistischen Pressedienst.

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