DGHS zum Jahrestag des Suizidhilfe-Urteils des Bundesverfassungsgerichts
Sterbehilfe: Frei und ergebnisoffen sprechen
Foto: © Tobias Helfrich, Wikimedia CC BY-SA 3.0
Vor einem Jahr stellte das Bundesverfassungsgericht eindeutig fest, dass es zum Persönlichkeitsrecht des Menschen gehört, über das eigene Leben zu verfügen und dafür auch Hilfe anzunehmen, sofern sie angeboten wird.
Das bis dahin geltende Verbotsgesetz (Paragraph 217 StGB) hatte es faktisch unmöglich gemacht, eine professionelle Hilfe zum Suizid in Anspruch zu nehmen. "Dass nunmehr Menschen mit wohlüberlegtem, andauernden Sterbewunsch in Deutschland ein verfassungsrechtlich verbrieftes Recht haben, eine professionelle Freitodbegleitung in Anspruch nehmen zu können, ist ein großartiger Erfolg", sagt Prof. Robert Roßbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), anlässlich des ersten Jahrestages des Suizidhilfe-Urteils des Bundesverfassungsgerichts (Az. 2 BvR 2527/16 u. a.). "Ich möchte heute allen Beschwerdeführern, seien es Ärztinnen und Ärzte, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte oder betroffene Patienten, ausdrücklich danken, dass sie sich so beharrlich gegen eine Gesetzgebung gewehrt haben, die einseitig weltanschaulich und bevormundend das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen am Lebensende behindert hatte", so Roßbruch.
In den zurückliegenden zwölf Monaten habe es sich gezeigt, wie groß das Bedürfnis in der Bevölkerung ist, frei und ergebnisoffen über medizinische und soziale Fragen am Lebensende sprechen zu können. Mit den Angehörigen ist das mitunter schwer. Die Anfragen allein bei der DGHS, bei denen nach Hilfestellung zum Sterben abstrakt und konkret gebeten wird, seien seit dem Urteil stark gestiegen. DGHS-Präsident Roßbruch: "Es sollte ein flächendeckendes Netz von Beratungsangeboten geschaffen werden, das über bestehende palliativmedizinische Möglichkeiten aufklärt, aber auch die Vermittlung einer professionellen Freitodbegleitung nicht ausschließt." Gefragt seien jetzt insbesondere Ärztinnen und Ärzte, deren mehrheitliche Verweigerungshaltung nicht akzeptabel sei. Ob, wie und wann der Bundestag eine neue gesetzliche Grundlage schafft, um das vom Bundesverfassungsgericht festgestellte Freiheitsrecht des Einzelnen mit den gebotenen Schutzmechanismen in Einklang zu bringen, ist eine Herausforderung, die mit Blick auf den Bundestagswahlkampf nicht übereilt angegangen werden sollte, meint Roßbruch.
Als Patientenschutzorganisation mahnt die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben an, dass der weitere Ausbau der palliativmedizinischen Angebote, die Fürsorge gegen Einsamkeit im Alter, aber auch der Zugang zur professionellen Suizidhilfe im Fokus von Ärzteschaft, der Politik und des gesellschaftlichen Diskurses stehen sollten.

Kommentare (6)
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Wir alle sind als freie
Wir alle sind als freie Menschen geboren und wurden dann, durch die Kirchen, zu Untertanen gemacht, wir wollen wieder frei und selbstbestimmt leben, werte Gesetzgeber
und unwerte Kirchen!
Woher kommt eigentlich dieser
Woher kommt eigentlich dieser gesellschaftlich verbissene unbedingte Drang, einen anderen vom Tod abhalten zu wollen, wenn es doch dessen wohl überlegter Wunsch ist, zu sterben? Warum verhindert ein Gesundheitsminister die Umsetzung eines Gesetzes, das jedem die Autonomie - auch in diesem Punkt - einräumt? Für mich grenzt Jens Spahns Verhalten in dieser Sache an Selbstermächtigung und Zynismus Leidenden gegenüber.
Dies resultiert aus dem
Dies resultiert aus dem Glauben der Christen, nach dem Motto Wir haben die Macht und das Sagen in der Kirchenrepublik Deutschland, diese haben noch nicht bemerkt, oder wollen es nicht merken, dass das Blatt sich langsam in Richtung Vernunft wendet.
Auf Dauer wird sich diese erfundene Religion mit all ihren Lügen und Verbrechen nicht halten lassen.
Da sind einmal die Kirchen,
Da sind einmal die Kirchen, die ihre „Werte“ gerne als allgemeinverbindlich interpretieren und die ihre Leute in allen gesellschaftlich relevanten Funktionen untergebracht haben und dann ist es die sogen. Sterbehilfeverhinderungsindustrie, die alles daran setzt, das Milliardengeschäft mit alten, kranken und wehrlosen Menschen so lang und so umfangreich wie möglich fortzusetzen. Spahn gehört in beide Kategorien.
Wieso "ergebnisoffen sprechen
Wieso "ergebnisoffen sprechen"?
Mit der Nichtigkeit des verfassungswidrigen § 217 StGB ist die Situation von vor dem Dezember 2015 wiederhergestellt.
Es gab und gibt keinen Dammbruch.
Es ist unfassbar, wie sich
Es ist unfassbar, wie sich unsere "christlichen" Politiker, allen voran die Herren Spahn und Söder über höchstrichterliche Urteile hinwegsetzen. Gewaltenteilung ist ein Grundpfeiler des Rechtsstaates. Für mich sind solche "Kirchen-Volksvertreter" und die Parteien, die sie aufstellen, nicht mehr wählbar.