Oranus Mahmoodi

Die Autorin arbeitet als freie Journalistin in Berlin und Hamburg.

Artikel der Autorin

Regenbogenflagge unerwünscht

Es sollte die feierliche Einweihung des neuen Erzbischöflichen Bildungscampus Köln-Kalk werden, doch es endete in einem Eklat. Der umstrittene Kardinal Rainer Maria Woelki war geladen, die Schulleitung wollte nicht, dass er mit "gesellschaftlichen Kontroversen" konfrontiert wird und verbot das Zeigen der Regenbogenflagge. Sie sei ein "Kampfsymbol gegen das Erzbistum" und gegen die katholische Kirche. Dem Verbot zum Trotz trugen Eltern, Kinder und Lehrer:innen Regenbogen-Sticker, selbst die Canapés am Buffet waren mit Regenbogenfähnchen geschmückt.

Johannes Volkmann, MdB

CDU-Politiker stänkert gegen "Tagesschau"

Das Enkelkind von Helmut Kohl, der CDU-Politiker Johannes Volkmann, hat Beschwerde gegen den NDR eingelegt: In einem Social Media-Video der "Tagesschau" wurde über Fußballer berichtet, die sich offen zu Jesus bekennen, teilweise evangelikal, homophob und frauenfeindlich sind. Die öffentlich-rechtliche Redaktion habe "gezielt christliche Bekenntnisse mit einem negativen Werturteil versehen", findet Volkmann. Ein Kommentar über religiöse Gefühle, rechtsradikale Narrative und einen beleidigten CDU-Politiker.

Die Tempelanlage Besakih

Bali und die "reinen" Tempel

Frauen auf Bali dürfen schon seit Jahrhunderten die hinduistischen Tempel nicht betreten, wenn sie menstruieren. Menstruationsblut gilt auf Bali als "unrein". Dieses Verbot soll nicht etwa gestrichen, sondern auf Touristinnen ausgeweitet werden. Kritiker:innen argumentieren, dass solche Regelungen auf überholten und patriarchalischen Ansichten basieren, die Frauen diskriminieren und stigmatisieren.

"Theo Bros" träumen vom Gottesstaat

"America first" verschmilzt mit "Christ above all" – sie rebellieren gegen die moderne Welt, sie verachten demokratische Prinzipien, sie träumen offen von einer Theokratie: die sogenannten "Theo Bros". Die christlichen Gotteskrieger haben Frauen- und Minderheitenrechte im Visier. "Gehören Frauen in einer christlichen Nation überhaupt an die Wahlurne?", fragt einer ihrer Pastoren. Die Antwort heißt: "Nein". Die christlichen Fundis sind keine Randerscheinung: Sie haben einen direkten Draht ins Weiße Haus.

Symbolbild

Pakistans Blasphemiegesetze: Parfüm löst Eklat aus

Der beliebte pakistanische YouTuber Rajab Butt mit Millionen Followern war schon wieder gotteslästerlich. Er hat seine neue Duftkreation vorgestellt: das Parfüm "295". Die Zahl steht für §295 im pakistanischen Strafgesetzbuch für Blasphemie. Die religiös-extremistische Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) erstattete sofort Anzeige. Der Fall wirft ein grelles Licht auf Pakistans anhaltenden Konflikt zwischen digitaler Jugendkultur und religiösem Radikalismus.

Jesus mit langen Haaren

Gottesstaat mit WLAN

Es ist wieder soweit, der indonesische Blasphemie-Hammer hat zugeschlagen. Die muslimische Transfrau und TikTok-Influencerin Ratu Thalisa hat es gewagt, Jesus Christus in einem albernen Scherzvideo darauf hinzuweisen, dass er sich mal einen anständigen Haarschnitt zulegen solle, um "wie ein richtiger Mann" auszusehen. Ein Witz, der ihr nun fast drei Jahre Gefängnis beschert. Eine Glosse über ein Land, in dem Gotteslästerung schwerer geahndet wird als Korruption und Umweltverschmutzung.

Mohammad Sher Abbas Stanikzai

Talib kritisiert Bildungsverbot von Frauen

Mohammad Sher Abbas Stanikzai ist aus Afghanistan geflohen. Der ranghohe Taliban hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und das Bildungsverbot für Mädchen kritisiert. Stanikzai sollte dafür in Haft genommen werden, bekam Reiseverbot. Er schaffte es zu fliehen. Exil-Afghaninnen wissen, Stanikzai kann gar kein richtiger Taliban sein, er war mal Funktionär in der kommunistischen Partei, die seit Ende der 1970er bis zum Zusammenbruch der Sowjets in Afghanistan geherrscht hat. Hat ihn dann doch sein altes Gewissen gebissen?

Südafrika: Erster offen schwuler Imam ermordet

Der weltweit einzigartige schwule Imam, Muhsin Hendricks, wurde in Südafrika ermordet. Die Nachricht hat Bestürzung in der gläubigen LGBTQ+-Szene ausgelöst. Hendricks Moschee in Kapstadt galt als sicherer Ort für queere und ausgegrenzte Muslime. Südafrikas Regierung möchte die Täter schnell dingfest machen, die Menschenrechtskommission SAHRC verurteilte die Tat.

Faisal-Moschee in Islamabad

Wie Kriminelle mit "Gotteslästerung" Geld machen

Eigentlich sollen "religiöse Gefühle" geschützt werden, aber auch Kriminelle haben entdeckt, wie man mit Pakistans strengen Blasphemie-Gesetze Menschen erpressen kann. Seit auch "Online-Blasphemie" unter Strafe steht, werden die islamistischen Gesetze zunehmend für persönliche Fehden, politische Verfolgung und kriminelle Machenschaften benutzt.

Muss ich Deutschland jetzt verlassen?

Lange bevor Friedrich Merz mit Rechtsaußen paktiert hat, haben Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ihre Koffer gepackt. Sie wollen Deutschland verlassen. Der Grund: Der Aufstieg der AfD. Unsere Autorin Oranus Mahmoodi fragt sich, ob sie Deutschland lieber auch verlassen sollte. Nicht wegen der AfD, sondern wegen Friedrich Merz und seinem (rechten) "Politikwechsel für Deutschland".