Neue humanistische Schriftenreihe: Erster Band vorgestellt

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Diskutierten über das vorgestellte Buch (von links): Alexander Bischkopf, Kerstin Funk, Ralf Schöppner, Matthias Lindner, Dorothea Winter.
Buchvorstellung am 29. Mai 2026

Ein neues Buch der Humanistischen Akademie wurde am vergangenen Donnerstag in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Mit "Humanistischer Lebensbegleitung" befasst sich der erste Band einer neuen Buchreihe über humanistische Themen.

"Es ist schon eine gewisse Besonderheit, wenn eine private Hochschule für angewandte Wissenschaften eine eigene Buchreihe hat. Und das auch schon in ihren ersten Jahren, in denen sie existiert." Mit diesen Worten eröffnete der Herausgeber des Buches, Prof. Ralf Schöppner, die Buchvorstellung. Es sei für die Hochschule von Anfang an klar gewesen, dass eine humanistische Hochschule, "die nicht forschen würde, zumindest merkwürdig wäre". So sei die Schriftenreihe nach Aussage von Schöppner, "ein erster Schritt dazu, von unserer Forschungsarbeit und den Forschungsergebnissen zu berichten."

Prof. Dr. Ralf Schöppner
Prof. Dr. Ralf Schöppner, Foto: © Frank Nicolai

In einem bereits vor der Präsentation geführten Interview sagte er: "Die Reihe ist bewusst breit angelegt. Wir publizieren Monografien, also eigenständige Forschungsarbeiten, Sammelbände und Dokumentationen von Tagungen, Lehrbücher, Anthologien oder sogar Übersetzungen. Kurzum: alles, was dazu beiträgt, die Relevanz von Humanismus für eine moderne, globalisierte Gesellschaft weiterzudenken."

Am vergangenen Donnerstag waren vier Autor*innen versammelt und gaben kurze Einblicke in ihre Aufsätze im ersten Band.

Alexander Bischkopf
Alexander Bischkopf, Foto: © Frank Nicolai

Matthias Lindner lehrt an der Humanistischen Akademie Soziale Arbeit und vergleicht in seinem Aufsatz (gemeinsam mit Alexander Bischkopf) weltanschauliche beziehungsweise religiöse Sichtweisen und Überzeugungen und diskutiert die Frage, inwieweit diese die sozialarbeiterische Praxis beeinflussen. Im Gespräch vereinfachte er die Untersuchungsergebnisse und wies darauf hin, dass – anders als bei einer religiösen Lebensbegleitung, die sich dann immer auf irgendeine außerweltliche Form zurückziehen kann – in der humanistischen Sozialarbeit auf den Menschen – und nur auf ihn – abgestellt werden muss. "Humanistische Lebensbegleitung muss das Spannungsverhältnis aushalten, dass es für manche Dinge (und Situationen) gar keine Lösung gibt." Denn es sei "ein großer Unterschied, ob ich mich sozusagen in der Beratung auf etwas beziehe, das außerhalb dieser Welt ist (…) oder ob ich sage, wir haben ein Problem und wir gucken gemeinsam, wie wir mit diesem Problem umgehen im Hier und Jetzt und in dieser Welt." Dazu brauche es seiner Auffassung nach keinen "unsichtbaren Dritten".

Matthias Lindner
Matthias Lindner, Foto: © Frank Nicolai

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin des Rektors der Humanistischen Akademie Dorothea Winter hat für das vorgestellte Buch unter anderem einen Aufsatz mit dem Titel "Angepasst in Krisenzeiten?" verfasst. Darin geht es um die Frage, ob Resilienz tatsächlich als Antwort auf die vielfältigen Krisen der Gesellschaft unabdingbar ist. Oder ob es nicht vielmehr darum gehen sollte, die Gesellschaft so zu ändern, dass Menschen weniger resilient sein müssen. Resilienz wird verstanden "als ethisch-normatives und soziales Beziehungsphänomen (…) – als Ausdruck gelingender Ermöglichungsstrukturen. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern die Fähigkeit und Notwendigkeit zur Krisenbewältigung maßgeblich von gesellschaftlichen Bedingungen und Strukturen sowie von ökonomisch-politischen Rahmenbedingungen abhängt – und welche ethisch-normativen Forderungen sich daraus ergeben".

Dorothea Winter
Dorothea Winter, Foto: © Frank Nicolai

Kerstin Funk lehrt an der Hochschule als Dozentin für angehende Lehrkräfte der Humanistischen Lebenskunde. Für den ersten Sammelband hat sie den Text "Aus der Praxis des Philosophierens mit Kindern – eine Chance zur humanistischen Wertebildung in der Grundschule" beigesteuert. "Das Staunen", schreibt sie dort, "also die Verwunderung über die Dinge, ist (…) der erste Schritt, um zu fragen, warum etwas so ist, wie es ist, und damit ist es die Grundlage für philosophische Reflexion". Sie berichtete darüber, wie es Lebenskundelehrer*innen gelingen kann, vertrauensvolle Räume zu öffnen, damit Kinder angstlos und frei Fragen stellen können. Das sei ein Anleiten "zum demokratischen Gespräch". Die Kinder lernten, "dass sie miteinander reden können, dass sie Argumente haben – aber der oder die andere auch, und dass man das aushalten" und im besten Falle gemeinsam Antworten entdecken könne.

Kerstin Funk

Kerstin Funk, Foto: © Frank Nicolai

In der abschließenden Diskussion wurde viel über ein in den Vorträgen nur sehr kurz angeschnittenes Thema diskutiert: Den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Im Buch gibt es einen Text mit dem Titel "Semantik im Zeitalter von ChatGPT: Die Philosophie und das Ringen um Wahrheit" von Dorothea Winter. In der Diskussion wurde erörtert, ob KIs wie ChatGPT menschliche Beratung ersetzen können. Eine schnelle Umfrage im Publikum ergab, dass sich die Anwesenden sehr uneinig darüber waren, ob KI helfen kann, Menschen in Ausnahmesituationen zu beraten. Es gebe zu wenige Stellen, "wo Personen die Hilfe bekommen, die sie gerne hätten." Dann sei es erst einmal gut, dass "zum Beispiel Jugendliche oder Personen, die keinen Therapieplatz bekommen, KI-Tools nutzen können und sich erstmal Informationen holen können." Andererseits gebe es inzwischen auch viele Studien dazu, dass es einen großen Unterschied mache, ob man einem menschlichen Gegenüber seine Sorgen anvertraue oder einer Künstlichen Intelligenz, die ja nur das antworten könne, was sie im Netz dazu gefunden hat und nicht auf echte, persönliche Probleme reagieren könne.

Prof. Ralf Schöppner (Hrsg.), Humanistische Lebensbegleitung in Krisenzeiten, Erster Band der Schriftenreihe "Perspektiven des zeitgenössischen Humanismus", eine Kooperation der Humanistischen Akademie und der Humanistischen Hochschule. Berlin 2026, de Gruyter, 173 Seiten, 21,95 Euro, eBook: kostenlos

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