Rezensionen

Fragmente einer anarchistischen Anthropologie

(hpd) Der Ethnologe David Graeber, ein Vordenker der Occupy-Bewegung, präsentiert „Fragmente einer anarchistischen Anthropologie“. Auch wenn es sich hier weder um eine entwickelte noch um eine überzeugende Theorie handelt, verdienen seine kritischen Aussagen inhaltliche Beachtung bei der Rechtfertigung von Grundprinzipien moderner demokratischer Verfassungsstaaten.

Sarrazin und der Extremismus der Mitte

(hpd) Der Erziehungswissenschaftler Klaus Ahlheim geht in seinem Buch davon aus, dass mit der Debatte um das Buch „Deutschland schafft sich ab“ eine Wiederkehr von Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus in der Gesellschaft einherging. Die in seinen Aufsätzen präsentierten empirischen Daten weisen in der Tat auf bedenkliche Tendenzen hin, können aber nicht pauschal die daraus abgeleiteten Grundthesen des Autors stützen.

Richter ohne Gesetz: Islamische Paralleljustiz

(hpd) Der Kriminologe Joachim Wagner, der vielen noch als ARD-Fernsehjournalist bekannt sein dürfte, stellt in seinem Buch das Problemfeld der schleichenden Einführung einer Schattenjustiz dar, die auf Scharia, Clanwirtschaft und archaischen Traditionen basiert. Besonders stellt er heraus, wie selbst bei schweren Gewalttaten Verbrecher der deutschen Justiz entzogen werden, präsentiert aber auch Lösungsmöglichkeiten.

„Die Austreibung des armenischen Volkes“

(hpd) Der Lyriker Armin T. Wegner war auch Zeuge der Vertreibung der Armenier zwischen 1915 und 1917, wobei bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben kamen. Der Germanist Andreas Meier hat mit der Edition einer seiner späteren Aufklärungsreden den Bericht eines Zeitzeugen eines der ersten Völkermorde des 20. Jahrhunderts dem Vergessen entrissen.

Antike und Christentum - eine Synthese?

(hpd) Immer wieder wird in der Öffentlichkeit und Politik das „christliche Abendland“ beschworen, eine Kontinuität seit der Antike behauptet, eine Synthese zwischen Antike und Christentum suggeriert. Sind derartige Auffassungen seriös zu belegen? Der Philosophiehistoriker Winfried Schröder kommt zu einer klaren Absage solcher Auffassungen und verweist auf die unterschiedlichen Glaubens-, Wunder- und Moralverständnisse.

Freidenker und Kultur in Deutschland

(hpd) Das am vergangenen Wochenende von Laizistinnen und Laizisten in der SPD ausgesandte „Roßdorfer Signal“ zielt darauf, „die 1919 stecken gebliebene Trennung von Staat und Religion zu vollenden.“ Passend zu diesem in letzter Zeit erneut häufiger geäußerten Ruf ist nun das Buch „Dissidenten“ wieder erschienen.

„Kampf bis in den Untergang“

(hpd) Der britische Historiker Ian Kershaw führt in seiner Arbeit die Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs bis zur totalen Niederlage auf die Fernwirkung der Mentalitäten und Strukturen charismatischer Herrschaft zurück. Es handelt sich in Beschreibung und Deutung um eine ausgezeichnete Arbeit, die aufgrund ihrer analytischen Qualität ein neues Licht auf ein erstaunliches historisch-politisches Phänomen wirft.

„Danebrog gegen Hakenkreuz“

(hpd) Matthias Bath beschreibt in seinem Buch den Kampf gegen die Besatzung des Landes während des Zweiten Weltkriegs. Das überaus informative und gut lesbare Buch konzentriert sich dabei auf eine Beschreibung der Ereignisse und verzichtet dabei über weite Strecken auf Analysen und Bewertungen.

Evolution: Die 101 wichtigsten Fragen

(hpd) Unkenntnis über die Evolutionstheorie wird problematisch, sobald es etwa um weltanschauliche und politische Diskussionen zur Intelligenz und Migration geht, zu Aggressionen, Moral und Willensfreiheit, in denen auf die (vermeintliche) Biologie des Menschen zurückgegriffen wird. Der Evolutionshistoriker Thomas Junker hat daher zur Klärung des „Streitfalls Evolution“ einige grundlegende Fakten zusammengetragen.