Rezensionen

Die Rote Armee Fraktion

(hpd) Der ehemalige Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft Klaus Pflieger legt in seinem Buch „Die Rote Armee Fraktion“ eine Geschichte des Linksterrorismus in Deutschland vor. Sie bringt einen juristischen und staatlichen Blick auf das Phänomen, welcher anderen Darstellungen mitunter fehlt, aber auch nicht verabsolutiert werden sollte.

„Eine neue Geschichte der Menschheit“

(hpd) Der US-amerikanische Psychologe Steven Pinker legt eine Studie von über 1000 Seiten vor, worin die tendenzielle Abnahme der Gewalt im historischen Verlauf konstatiert und nach den Bedingungsfaktoren dafür gefragt wird. Es handelt sich um eine beeindruckende Arbeit, die eine Fülle unterschiedlichen Materials nutzt und ohne „Schönschreibung“ gegen weit verbreitete kulturpessimistische Deutungen der Geschichte der Menschheit anargumentiert.

„Die Zeit der Weltkriege 1914 – 1945“

(hpd) Der Historiker Heinrich August Winkler legt den zweiten Band seiner „Geschichte des Westens“ vor, worin auf über 1300 Seiten die seinerzeitige politische Entwicklung in Nordeuropa und Westeuropa beschrieben wird. Es handelt sich um ein beeindruckendes Werk der Geschichtsschreibung, das aber den „Schattenseiten“ westlicher Politik nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt und dem die analytischen Ansätze bezüglich der westlichen Werte im Laufe der Darstellung etwas verloren gehen.

Eine Bilanz der Antisemitismusforschung

(hpd) Der Historiker Wolfgang Benz legt eine in sechs Aufsätzen enthaltene Gesamtbetrachtung zur Antisemitismusforschung vor. Insofern täuscht der Haupttitel „Antisemitismus und ‚Islamkritik‘“ über den tatsächlichen Inhalt hinweg, welcher unterschiedliche Aspekte dieses Wissenschaftsfeldes kenntnisreich, aber auch diskussionswürdig anspricht.

Auslaufmodell Menschenwürde?

(hpd) Der Historiker, Philosoph und Theologe Heiner Bielefeldt legt mit seinem Buch eine Stellungnahme zur Debatte um Menschenwürde im allgemeinen Sinne sowie bezogen auf Fallbeispiele vor. Sein Werk zeichnet sich durch den Verzicht auf ideologische und religiöse Begründungen zugunsten einer diskursethischen und rationalen Legitimation der Menschenwürde aus, welche die Individuen als Verantwortungssubjekte begreift.

„Herr oder Knecht?“ Israel und USA

(hpd) Der US-Soziologe James Petras spricht in seinem Buch von der angeblichen Dominanz einer „Israel-Lobby“ gegenüber der US-Regierung. Der Autor steigert sich in ein inhaltlich verzerrtes Bild vom Einfluss bestimmter Interessengruppen hinein, das mit nachvollziehbarer Kritik kaum noch etwas zu tun hat und stattdessen stereotype Auffassungen von verschwörerischem Agieren bedient.

Experiment Mensch

(hpd) Sind wir Menschen der große Wurf der Evolution? Oder eher ein misslungener Versuch? Über 98 Prozent unserer Entwicklungsgeschichte lebten wir als fellbehangene Steinzeitmenschen mit Wurfspeeren und Faustkeilen in primitiven Hütten. Plötzlich aber schufen wir Hochkulturen, entwickelten Maschinen und bauten Fabriken, begannen Forschung und Medizin zu betreiben. Heute verpflanzen wir Herzen und fliegen zum Mond. Dabei werden wir immer mehr – inzwischen fast sieben Milliarden. Ist das alles Teil des Plans? Fragt der Fachjournalist Daniel Knop.

Wissenschaft kann moralische Fragen beantworten

(hpd) In seiner Rede im Bundestag hat Papst Benedikt XVI. darauf abgehoben, dass die Naturwissenschaft nur das Sein ergründen kann, aber nicht das Sollen. „Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen.... Zwischen dem Sein und dem Sollen besteht ein unüberbrückbarer Graben“. Sam Harris zeigt in The Moral Landscape, dass genau das Gegenteil richtig ist.

Verständnis von Gerechtigkeit

(hpd) Der Berliner Politikwissenschaftler Bernd Ladwig legt mit „Gerechtigkeitstheorien“ einen Einführungsband vor, welcher sowohl über Grundlagen des Gerechtigkeitsverständnisses wie über die neueren Kontroversen im Anschluss an John Rawls informiert.

Blumig: Lob der Untreue. Eine Unverschämtheit.

(hpd) Nun, verschämt ist das Lob der Untreue wirklich nicht. Es geht um sexuelle Enge und Befreiung, um die Notwendigkeit der Lüge, ohne dabei die Lüge erlauben zu können, es geht um Liebe, Beziehungen und Unmöglichkeiten, es geht um Ekstase, Aggressionen und zwangsläufige Ambivalenz. Es geht, kurz, um eine neue Sexualkultur. Ein poetisches Sachbuch des Philosophen Franz Josef Wetz.