Rezensionen

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll

(hpd) Am 13. November 1989, nur vier Tage nach dem Fall der Mauer, erklärte der Chef des Ministeriums für Staatssicherheit Erich Mielke den Menschen in der DDR: „Ich liebe – ich liebe doch alle – alle Menschen!“ Jeder weiß, was mit Honecker, Mielke, Stoph und Konsorten geschehen ist. Zumeist wurden sie für nicht verhandlungsfähig erklärt und erfuhren Haftverschonung. Doch was ist mit den anderen – den Stasi-Mitarbeitern, Parteifunktionären, Mauerschützen, Richtern und IM’s?

Realitätsbezug in der politischen Philosophie

(hpd) Der in Cambridge lehrende Philosoph Raymond Geuss wendet sich gegen die Fixierung an Idealen und Moral und die Ignoranz gegenüber Interessen und Macht in der politischen Theorie. Demgegenüber plädiert er überzeugend für eine stärker realistisch ausgerichtete Perspektive, wenngleich er merkwürdige „Referenzklassiker“ dafür benennt und es an einem inhaltlich entwickelten Gegen-Modell mangelt.

Eine säkulare Gerechtigkeitstheorie

(hpd) Der US-amerikanische Sozialphilosoph John Rawls (1921-2002), bekannt durch den vertragstheoretischen „Klassiker“ der Moderne „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ (1971), beschäftigte sich sowohl in seiner Jugend wie im Alter in zwei Texten einmal affirmativ und einmal kritisch mit der Religion.

Was wir unseren Kindern in der Schule antun

(hpd) Leider ist der Untertitel ganz klein, „...und wie wir das ändern können“ kam zu kurz – dabei wäre die Frage die interessantere gewesen. Wie ich ein Buch nicht zu Ende lesen konnte, obwohl mich das Thema brennend interessierte. Und Alternativen fand.

Die mangelnde Legitimation des Islam

(hpd) Die Islamwissenschaftlerin Barbara Köster präsentiert die Ergebnisse einer neuen Forschungsrichtung, welche die historische Authentizität vieler Aussagen zur Frühgeschichte des Islam in Frage stellt. Auch wenn man der rigorosen Verwerfung nicht pauschal zustimmt, zeigt sich doch deutlich das mangelnde sichere Wissen über die Entstehungszeit dieser Religion und damit auch für die Legitimation von deren sozialen Geltungsansprüchen.

Muster islamfeindlichen Denkens

(hpd) Der Soziologe Achim Bühl will mit seinem Buch eine Gesamtdarstellung zum Thema mit der Hervorhebung einer Kontinuität von Vorurteilen vom Mittelalter bis in die Gegenwart vorlegen. So erhellend vor allem die gezielte Aufarbeitung von Mustern ist, so problematisch ist das Fehlen einer klaren Trennlinie von fremdenfeindlicher Islamfeindschaft und menschenrechtlicher Islamkritik.

Frauen in der Neonazi-Szene

(hpd) Die beiden Journalisten Andrea Röpke und Andreas Speit berichten in ihrem Buch „Mädelsache“ anhand von Fallbeispielen über die Rolle von Frauen im Rechtsextremismus. Die Stärken des Buches liegen im plastischen Eindruck als Ergebnis von investigativen Recherchen, die Schwächen im Fehlen differenzierter Einschätzungen zur Entwicklung des Frauenanteils in diesem politischen Lager.

Ein Jugendbuch für neugierige Erwachsene

(hpd) Ich fühle mich selber und sehe auch andere oft ausgeschlossen aus den wirklich wichtigen Debatten dieser Zeit, weil die „Geheimsprache“ der Philosophen vor uns vieles mehr versteckt denn erhellt. Das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon „Leibniz war kein Butterkeks“ hilft dem ab.

Die zentralen Gründe für politische Umbrüche

(hpd) Der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse beschreibt und vergleicht in seinem Buch „Systemwechsel in Deutschland. 1918/19 – 1933 – 1945/49 – 1989/90“ die im Titel genannten politischen Umbrüche. Das Werk zeichnet sich durch die konsequente Umsetzung eines Analyseprogramms und eine klare Systematisierung des Stoffs aus.