Rezensionen

Islamdebatte: Polemik gegen Polemik

(hpd) Patrick Bahners, Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, kritisiert die Auffassungen und Schriften von angeblichen „Islamkritikern“ wie Henryk M. Broder, Necla Kelek oder Thilo Sarrazin. Dabei setzt er deren Dramatisierung, Einseitigkeit und Polemik leider eine eigene Dramatisierung, Einseitigkeit und Polemik entgegen, ohne den Unterschied zwischen dieser „Islamkritik“ und einer aufklärerischen Islamkritik zu berücksichtigen.

Rechtsextremismus im ländlichen Raum

(hpd) Der von den Politikwissenschaftlern Hubertus Buchstein und Gudrun Heinrich herausgegebene Sammelband präsentiert eine Reihe von Fallstudien zur Interaktion von demokratischen Akteuren und rechtsextremistischen Kräften. Daraus lassen sich zwar keine Musterlösungen aber wertvolle Erkenntnisse zur Entwicklung von Gegenstrategien ableiten, was aber jeweils eine Analyse der Mobilisierungsstrategien von Akteuren aus diesem Lager voraussetzt.

„Letzte Bekenntnisse eines heiligen Ketzers“

(hpd) Religionskritik ist einfach. Denn die Wirklichkeit ist auf der Seite von jedem, der sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen möchte. Aber wie ist es möglich, ein leicht verständliches und empfindsames Plädoyer für eine säkulare und humanistische Lebensperspektive zu formulieren? Adam Hieronymos ist es jedenfalls gelungen.

Die sieben Kardinal-Untugenden der Kirche

(hpd) Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf spricht in seinem Buch von den sieben Kardinal-Untugenden der Kirchen: Sprachlosigkeit, Bildungsferne, Moralismus, Demokratievergessenheit, Selbstherrlichkeit, Zukunftsverweigerung und Sozialpaternalismus. Auch wenn es sich dabei nur um eine Sammlung von Essays handelt, verdient diese interne Kritik Beachtung, auch und gerade hinsichtlich solcher Aspekte wie der konstatierten mangelnden Bereitschaft der Kirchen zur Akzeptanz der Normen und Regeln des demokratischen Diskurses.

Herrschaftssicherung und Sturz autoritärer Regime

(hpd) Nahezu zeitgleich zum politischen Sturz autoritärer Regime im Vorderen Orient erscheint ein von den Politikwissenschaftlern Holger Albrecht, Rolf Frankenberger und Siegfried Frech herausgegebener Sammelband. Die darin enthaltenen Beiträge beschreiben und analysieren die Mechanismen zur Aufrechterhaltung diktatorischer Regime und werfen dabei einen kritischen Blick auf die pseudo-demokratischen Legitimationsformen.

Biographie eines „freischaffenden Nazis“

(hpd) Der Journalist Willi Winkler präsentiert die Biographie eines „freischaffenden Nazis“, der nach 1945 aus einem dubiosen Netzwerk heraus nationalsozialistische Kriegsverbrecher ebenso wie palästinensische Terroristen unterstützte. Der gut lesbaren und strukturierten Lebensbeschreibung fehlt es leider an einer erörternden Deutungen dieser politisch etwas absonderlichen Konstellation im „Zeitalter der Extreme“.

Atheismus im Mittelalter

(hpd) Die Historikerin Dorothea Weltecke verweist in ihrer Studie darauf, dass es auch in der vor-aufklärerischen Zeit des Mittelalters Artikulationsformen des Glaubenszweifels und Unglaubens gab. Damit handelt es sich um eine wichtige Ergänzung der wenigen Studien zur Geschichte des Atheismus mit differenzierter Bewertung und innovativer Forschungsmethode, die gleichwohl mit einer anderen Darstellungsform die Inhalte deutlicher hätte transportieren können.

Der Mensch: Empathie und Kooperation

(hpd) Der Primatenforscher Frans de Waal präsentiert eine Fülle von Beobachtungen und Forschungsergebnissen, welche die biologisch und evolutionär bedingte Neigung des Menschen zu Empathie und Kooperation belegen. Zwar werden im Text die einzelnen Beispiele etwas strukturlos aneinandergereiht, die präsentierten Einsichten decken sich aber mit einer Fülle von neueren Publikationen zum Thema.

Rechte heile Welt im Alltag

(hpd) Die Journalisten Astrid Geisler und Christoph Schultheis präsentieren neun Fallstudien, die Rechtsextremismus im Alltag in unterschiedlicher Ausdrucksform schildern. Hierbei entsteht ein anschauliches Bild von diesem Lager aus der Perspektive der alltagskulturellen Entwicklungen, wobei sich allerdings gesamtgesellschaftliche Verallgemeinerungen verbieten würden.

Der Aufstieg des politischen Islam im Westen

(hpd) Der Journalist und Politikwissenschaftler Stefan Meining erzählt in seinem Buch wie der Islamismus im Sinne der „Muslimbruderschaft“ als Kraft gegen die Sowjetunion vor und nach 1945 nach Deutschland kam. Er beschreibt die Ereignisse von 1941 bis in die Gegenwart nüchtern anhand von Archivfunden und Medienberichten, unterlässt aber weitergehende Analysen, veranschaulicht aber die fatalen Folgen einer „Doppelmoral“ westlicher Politik.