Rezensionen

Die Geschichte des Rassismus in den USA

Der US-amerikanische Historiker Ibram X. Kendi legt mit "Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika" eine neue Darstellung zum Thema vor, wobei sich die historische Beschreibung an einzelnen Persönlichkeiten orientiert. Der Autor nimmt in seinem auch literarisch geprägten Buch dabei einige neue Deutungen vor und wählt auch einen ungewöhnlichen Vermittlungsansatz, wobei beides zu weiteren Reflexionen anregen kann.

Einseitigkeiten gegen andere Einseitigkeiten

Der Psychologe Rolf Verleger, früher Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland, kritisiert in seinem Buch "Hundert Jahre Heimatland? Judentum und Israel zwischen Nächstenliebe und Nationalismus" eine angeblich unkritische Sicht auf die Politik des israelischen Staates. Das Buch selbst wirkt etwas fragmentarisch und unstrukturiert, sowohl in Form und Inhalt, und setzt der Einseitigkeit einer kritiklosen Sicht auf die Politik der israelischen Regierung seine eigene Einseitigkeit der Ignoranz gegenüber den politischen Kontexten entgegen.

Einfache Wahrheiten finden nicht nur Populisten gut

Der Jurist und Philosoph Felix Ekardt fragt in seinem Buch "Kurzschluss. Wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben" nach den Gründen für die gegenwärtige Akzeptanz von "einfachen Wahrheiten", die nicht nur Populisten gut finden. Denn er macht anschaulich verständlich, dass derartige Neigungen weit verbreitet sind und in der Tat angesichts einer immer komplexer werdenden Welt auch eine Gefahr für die Akzeptanz von Demokratie darstellen.

Wie rechte Populisten Politik machen

Der Politikwissenschaftler Johannes Hillje legt mit "Propaganda 4.0. Wie rechte Populisten Politik machen" ein erstes Buch zum Kontext von Medien und Rechtspopulismus vor. Es handelt sich eher um eine argumentativ reflektierende, weniger um eine streng wissenschaftliche Arbeit, die aber gleichwohl viele beachtenswerte Analysen und Reflexionen zur Medienstrategie von Rechtspopulisten enthält.

Tierethik: Ein Sach-Comic zur Einführung

Die Lektorin Julia Kockel und der Grafiker Oliver Hahnlegen mit "Tierethik. Der Comic zur Debatte" eine Einführung zu den ethischen Aspekten des Mensch-Tier-Verhältnisses vor. Angesichts von Konzeption und Umfang kann es sich dabei nur um eine Überblicksdarstellung handeln, gleichwohl enthält sie eine Fülle von Anregungen zur Reflexion – auch für Kenner der Materie.

Entwicklung in der Endlosschleife

Um Intrigen aus dem Weg zu gehen, zog er sich aus Athen zurück auf die Insel Lesbos. Dort beobachtete der erste Philosophieprofessor der Geschichte die Seeigel im Hafenbecken und an der Lagune im Osten des Eilands die Vögel auf ihrer Durchreise in den Süden und begründete gleich noch die Biologie. Neun biologische Werke hat er verfasst. Carl von Linné und Georges Curvier haben ihn gelesen und seine Systematik übernommen. Es fehlt nicht viel, und Aristoteles wäre noch auf das Prinzip der Evolution gekommen.

Absurde Pauschalisierungen zur Bewertung von Kritik an der israelischen Regierung

Der Publizist Abraham Melzer will in seinem Buch "Die Antisemiten-Macher. Wie die neue Rechte Kritik an der Politik Israels verhindert" die angebliche Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs gegen Kritiker der israelischen Regierung problematisieren. Auch wenn der Autor in Einzelfällen dafür Fallbeispiele benennen kann, versteigt er sich teilweise zu absurden Pauschalisierungen – und verschenkt damit ein wichtiges Thema.

Eine "freihändige" Geschichte des Kommunismus

Der Historiker Gerd Koenen legt mit seinem Buch "Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus" eine voluminöse Veröffentlichung zum Thema vor. Sie ist allerdings – wie er selbst sagt – etwas zu "freihändig" geraten: Die Proportionen der Themen stimmen nicht so ganz, analytisch hätte man sich mehr an systematischen Einschätzungen gewünscht.

Das Gefühlsleben der Trump-Wähler

Die Soziologin Arlie Russell Hochschild berichtet in ihrem Buch "Fremd in ihrem Land. Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten" über die "Tiefengeschichten" vieler Trump-Wähler. Durch Berichte von Gesprächen werden die Binnenwahrnehmung von rechten Konservativen und deren paradoxe Weltsicht deutlich veranschaulicht.

Gottlos glücklich

Wer die vorhergehenden Bücher "Isch geh Schulhof", "Bin isch Freak?" und "Isch hab Geisterblitz" von Philipp Möller kennt, weiß, was ihn mit "Gottlos glücklich" erwartet: Entlang persönlicher Erfahrungen und weiterführender Gedanken eine humorvolle, zuweilen auch bissige Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema – hin zu einem Plädoyer für "ein erfülltes Leben ohne Gott!".