Rezension

Mehr Autobiographie denn Reformvorschläge

(hpd) Winfried Ridder, der zwanzig Jahre lang als Auswerter im Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet hat, will in seinem Buch Position zur aktuellen Debatte über Reformen beziehen. Diese durchaus interessanten Ausführungen nehmen aber nur wenige Seiten des Buches ein, welches mehr eine Art berufliche Autobiographie über die Tätigkeit in den 1970er bis 1990er Jahren ist.

Mehr Analyse, weniger Polit-Kitsch

(hpd) Michael Hardt und Antonio Negri gelten als Theoretiker der globalisierungskritischen Protestbewegung und wollen in ihrem Buch ein entsprechendes Plädoyer für mehr Partizipation vortragen. Die durchaus zutreffenden gesellschaftskritischen Ausführungen hat man von anderen Autoren schon besser lesen können, die konkreten Forderungen bleiben blass und enden im Polit-Kitsch mit religionsähnlichen Zügen.

Warum Nationen scheitern

(hpd) Der Ökonom Daron Acemoglu und der Politikwissenschaftler James A. Robinson untersuchen die Ursachen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung unterschiedlicher Länder. In Demokratie und Rechtstaatlichkeit und nicht in Klima oder Kultur erblicken sie in ihrer gleichwohl stellenweise etwas einseitigen, insgesamt aber überzeugenden Arbeit die entscheidenden Bedingungsfaktoren für Armut und Reichtum.

Irrwege und Lügen der Alternativmedizin

(hpd) Auch in der Medizin gilt anscheinend immer häufiger nicht mehr der naturwissenschaftliche Grundsatz „Wissen statt Glauben!“ und evidenzbasierte Methoden, sondern Quacksalberei. Theodor Much hat dazu ein empfehlenswertes Buch mit vielen Informationen für kritische Leser verfasst.

Eine neue Marx-Biographie

(hpd) Der US-amerikanische Historiker Jonathan Sperber legt eine neue Marx-Biographie vor, welche den Denker nicht aus der Perspektive des 20., sondern des 19. Jahrhunderts sieht. Diese historisierende Perspektive steht für die Besonderheit und Qualität der Lebensbeschreibung auf neuestem Forschungsstand.

Eisenkinder

(hpd) Das Buch "Eisenkinder" von Sabine Rennefanz habe ich durch ein Interview kennengelernt, dass vor einigen Tagen in der FAZ erschien. In diesem Moment wußte ich, dass ich dieses Buch lesen muss. Denn – obschon etwas älter als die Autorin – weiß ich genau, was sie meint. Lebte ich doch nach der "Wende" eben­falls eine Weile wie im luft­lee­ren Raum.

Antisemitismus und Einwanderungsgesellschaft

(hpd) Antisemitismus findet man nicht nur bei den autochthonen Bürgern des Landes, Judenfeindschaft gibt es auch unter Menschen mit Migrationshintergrund, was die Beiträge des vorliegenden Sammelbandes veranschaulichen wollen. Manche Beiträge enthalten beachtenswerte Einschätzungen und Informationen, andere Texte ergehen sich leider in mitunter nebligen und unklaren Reflexionen zum jeweiligen Thema.

Philosophieren über Gerechtigkeit

(hpd) Der US-amerikanische Philosoph Michael J. Sandel ist mit seinen Vorlesungen zur Gerechtigkeit mittlerweile über Fernsehen und Internet ein weltweit geschätzter Denker geworden. Jetzt liegen seine sehr praxisnah orientierten Erörterungen auch in Buchform vor, weniger denkerisch, sondern mehr didaktisch originell.

Deschner: „Das Ganze heißt Christentum“

(hpd) Der Kirchengeschichtskritiker Karlheinz Deschner legt den zehnten und letzten Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ vor. Auch hier präsentiert er erneut ein anderes und kritischeres Bild der Geschichte von Christentum und Kirche, ohne dabei zwar auf bestimmte methodische Probleme näher einzugehen, doch „… niemand muss sich mehr täuschen lassen.“