Rezension

Menschenfeindlichkeit in Deutschland, Folge 9

(hpd) Das Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung legt den Jahresbericht 2010 zur Verbreitung von Einstellungen im Sinne „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ vor. Darin konstatieren die Sozialwissenschaftler einen Anstieg der Muslimenfeindlichkeit und eine stärkere Verbreitung von Vorurteilen auch in höheren gesellschaftlichen Schichten.

Dauerhunger auf Schweinefleisch: Broder

(hpd) Der eine nimmt zu, der andere ab. Am Ende ihrer 30.000 Kilometer langen Deutschland-Safari sind sich die zwei Beute-Deutschen näher gekommen, der Jude Henryk M. Broder und der Moslem Hamed Abdel-Samad, beide vollkommen integriert. Und Wilma. Und Kurt. Und ich.

Politische Philosophie: Grenzen der Gerechtigkeit

(hpd) Die Philosophin Martha C. Nussbaum, die als Protagonistin eins „aristotelischen Sozialdemokratismus“ gilt, erörtert Themen bezüglich einer Gerechtigkeitstheorie. Dabei arbeitet sie sich vor allem kritisch an den diesbezüglichen Auffassungen von John Rawls ab, wobei sie auf inhaltliche Lücken derartiger Theorien verweist, ohne aber ganz mit ihrem Fähigkeitsansatz als Alternative überzeugen zu können.

Warum wir kooperieren

(hpd) Der Entwicklungspsychologe und Primatenforscher Michael Tomasello präsentiert eine Zusammenfassung seiner Forschungsergebnisse zum Sozialverhalten von Menschen und Schimpansen. Er kann dabei durch eine multi-perspektivische Blickrichtung anschaulich belegen, dass Homo sapiens offensichtlich eine naturbedingte Neigung zu gegenseitiger Hilfe eigen ist, welche erst durch bestimmte soziale Erfahrungen selektiv weiter entwickelt wird.

Wählerschaft rechtspopulistischer Parteien

(hpd) Der Politikwissenschaftler Tim Spier fragt danach, inwieweit rechtspopulistisches Wahlverhalten durch immaterielle und materielle Deprivation erklärbar sei. Nach einer hochkomplexen sozialwissenschaftlichen Untersuchung bejaht er die damit verbundene Frage einschränkend, hätte aber den eigenständigen Anteil von rechtsextremistischen Einstellungen noch stärker berücksichtigen können.

Eine neue Erklärung des Universums

(hpd) Stephen Hawking ist als genialer Astrophysiker und Buchautor weltweit bekannt. Seine allgemeinverständlichen Bücher „Eine kurze Geschichte der Zeit“ und „Das Universum in der Nussschale“ waren Bestseller. Falls die nach ihm benannte „Hawking-Strahlung“ von Schwarzen Löchern noch zu seinen Lebzeiten experimentell bestätigt werden sollte, würde er sicherlich sofort den Nobelpreis für Physik bekommen.

Violettbuch Kirchenfinanzen

(hpd) Dieses Buch kommt genau zur rechten Zeit. Angesichts der seit dem Sommer angeschobenen Debatten um die sogenannten Staatsleistungen, so in Schleswig-Holstein durch die FDP oder in Sachsen durch die LINKE und die GRÜNEN, liefert Carsten Frerk mit seinem „Violettbuch“ ein überaus fundiertes Argumentationsmaterial für eine sachliche Auseinandersetzung in der Frage der Kirchenfinanzierung.

„Barack Obama. Leben und Aufstieg“

(hpd) Der Pulitzer-Preisträger David Remnick liefert eine voluminöse Biographie des 44. US-Präsidenten. Das gut geschriebene, überaus informative, aber auch weitschweifig angelegte Portrait hätte hier und da noch ein paar Tupfer mehr an politischen Aspekten enthalten und um ein gutes Drittel gekürzt werden können.

Stalin und der Genozid

(hpd) Der US-amerikanische Historiker Norman M. Naimark legt eine Abhandlung zu den Verbrechen des sowjetischen Diktators vor, welche er als Ausdruck eines Völkermordes einschätzt. Weitet man das Verständnis von „Genozid“ auch auf politische und soziale Gruppen aus überzeugt dies, für die zur Einordnung allerdings nötigen Belege für eine gezielte Absicht eines Massenmordes mangelt es in einigen Fällen aber an historischen Quellen.