20. Jahrestag der Terroranschläge von 9/11

War der "Krieg gegen den Terror" erfolgreich?

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Die Zwillingstürme des New Yorker World Trade Centers vor dem 11. September 2001.

Die Bilder der islamistischen Terroranschläge vom 11. September 2001 haben sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingegraben. Die Anschläge veranlassten den Westen zum "War on Terror", dessen Auswirkungen wir bis heute spüren.

Mit strahlend blauem Himmel verspricht der 11. September 2001 in New York ein angenehm sonniger Spätsommertag zu werden. Doch während sich am Morgen zwischen 8 und 9 Uhr die Büros in den Zwillingstürmen des World Trade Centers langsam füllen, besteigen an den Flughäfen von Boston, Washington und Newark insgesamt 19 Islamisten vier Passagierflugzeuge. Einige von ihnen sind im Besitz einer Pilotenlizenz. Wenige Minuten nach dem Start bringen sie die Maschinen in ihre Gewalt und ändern den Kurs.

Um 8:46 Uhr schlägt American-Airlines-Flug 11 mit einer Geschwindigkeit von rund 750 Stundenkilometern in den Nordturm des World Trade Centers in New York City ein. Zu diesem Zeitpunkt vermuten viele zunächst einen tragischen Unfall. Doch als 17 Minuten später United-Airlines-Flug 175 auch den Südturm trifft, ist klar, dass es sich um einen Terroranschlag handelt.

Während in New York die Evakuierung des World Trade Centers in vollem Gange ist, schlägt American-Airlines-Flug 77 vor den Toren der Hauptstadt Washington D.C. in das Pentagon ein, den Sitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. Kurz darauf stürzen in New York die brennenden Zwillingstürme in sich zusammen.

Allein United-Airlines-Flug 93, der vermutlich das Weiße Haus treffen sollte, erreicht sein Ziel nicht, weil die Passagiere sich zur Wehr setzen. Das Flugzeug wird von den Entführern bei Shanksville in Pennsylvania zum Absturz gebracht.

Vor allem die Bilder der brennenden Türme des World Trade Centers haben sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingegraben. Knapp 3.000 Menschen sterben an diesem Tag durch die Anschläge – mehr als bei jedem anderen terroristischen Anschlag der Weltgeschichte. Doch durch die Reaktionen, die der Terror von 9/11 hervorruft, werden noch viele weitere Menschen ihr Leben verlieren.

Zum ersten und bisher einzigen Mal wird der NATO-Bündnisfall ausgerufen

Präsident George W. Bush erklärt nach dem 11. September umgehend den "Krieg gegen den Terror". Als Urheber der Anschläge ist schnell das Terrornetzwerk Al-Qaida ausgemacht. Da Al-Qaida in Afghanistan unter dem Schutz der Taliban-Regierung Ausbildungslager betreibt, gerät das Land am Hindukusch in den Fokus des "War on terror". Weil die USA die Anschläge des 11. September als kriegerischen Akt gegen ihr Land werten – was eine äußerst fragwürdige Sichtweise ist – wird zum ersten und bisher einzigen Mal der NATO-Bündnisfall ausgerufen. Unter dem Schock der Ereignisse unterstützen die NATO-Partner den Militäreinsatz der USA in Afghanistan, der unmittelbar nach 9/11 im Oktober 2001 beginnt. Zwei Jahre später erklären die USA als weiteren Akt des "War on terror" dem Irak den Krieg. Die Opfer dieser beiden militärischen Aktionen übertreffen die Zahl derer der Anschläge vom 11. September 2001 um ein Vielfaches.   

Doch hat der Anti-Terror-Krieg wenigstens sein Ziel erreicht und den Terror besiegt? Nein. Eher das Gegenteil. Wie sich jüngst gezeigt hat, konnten die islamistischen Taliban Afghanistan sogar noch vor dem vollständigen Abzug der NATO-Truppen mit Leichtigkeit wieder an sich reißen. Und nicht nur das. Die Kriege in Afghanistan und im Irak führten laut Fachleuten für Islamisten zu Rekrutierungseffekten. Auch der kollektive Generalverdacht, unter den Muslime im Westen nach dem 11. September 2001 gestellt wurden, ist der Bekämpfung islamistischer Rekrutierungsbestrebungen wohl nicht sonderlich zuträglich gewesen.

Dabei haben doch schon die Anschläge von 9/11 eines der Hauptprobleme aufgezeigt: Radikalisiert haben sich die Leitfiguren der 19 Selbstmordattentäter, von denen 15 übrigens aus Saudi-Arabien stammten, nicht in den kargen Bergen Afghanistans, sondern in Hamburg. Und zwar während ihres Studiums. Eine effektive Terrorbekämpfung sollte also nicht zuletzt danach fragen, wie es sein kann, dass eine islamistische Radikalisierung von Menschen stattfindet, die mitten unter uns leben. Und natürlich auch, wie diese verhindert werden kann.

Eine Frage, die umso wichtiger ist, als die Terrorbekämpfung ausgerechnet durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors nach 9/11 heute noch schwieriger geworden ist. Als durch die militärischen Maßnahmen der USA die großen Strukturen des Terrorsnetzwerks Al-Qaida zerschlagen wurden, zogen sich Islamisten immer häufiger in kleinere zurück. Kleine terroristische Zellen oder gar durchs Internet radikalisierte Einzeltäter sind seitdem die moderne Form des Terrors – was eine Überwachung durch Sicherheitsbehörden und die Verhinderung von Anschlägen noch schwieriger macht.

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