Islamisches Zentrum für interreligiösen Dialog?

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Palais Sturany am 25.11.2012 / Fotos © Evelin Frerk

WIEN. (hpd) Anlässlich der heutigen Eröffnung des „König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ veröffentlichen der Freidenkerbund, der Verein für ägyptische Familien und die Initiative Liberaler Muslime Österreich Proteste. Kritiker sehen das Zentrum vor allem als PR-Kampagne für den Wahabismus, als „Wiener Glamour für saudische Fundis“.

Am 6. Juli gab es die Unterschriftenzeremonie mit den Außenministern Saudi-Arabiens, Österreichs und Spaniens anlässlich des Verkaufes des Palais Sturany, für 8,5 Millionen Euro, der damit verbundenen Gründung des „König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“, das durch Parlamentbeschluss gebilligt worden war. Das Medienecho war breit und der Standard zitierte Amer Albayati, den Gründer der Initiative liberaler Muslime in Österreich, der meinte: „Eine Farce“.

Außer den Grünen hatten im Nationalrat SPÖ, ÖVP und BZÖ zugestimmt, was die Menschenrechtssprecherin der Grünen, Alev Korun kritisierte, als „Persilschein“ für die islamische Diktatur in Saudi-Arabien bezeichnete und sagte, die Zustimmung sei „einer Mischung aus Naivität, Desinteresse und wirtschaftlichem Interesse" geschuldet. Und zusätzlich pointiert: „Die heutige Unterzeichnung des Abkommens zur Gründung des ‚König Abdullah Bin Abdulaziz-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog‘ erhebt den König eines Landes, in dem Religions- und Meinungsfreiheit ein Fremdwort ist, zum glorreichen Namensgeber einer internationalen Organisation.“

Mittlerweile gehört auch der “Holy See“ – der Heilige Stuhl der römisch-katholischen Kirche - zu den offiziellen Unterstützern des Zentrums.

Bildunterschrift: Flaggen für die Unterstützer des Zentrums an der Fassade: (v.l.n.r.) Königreich Spanien, Königreich Saudi-Arabien, (das Zentrum selber), Republik Österreich, der „Heilige Stuhl“.

Flaggen für die Unterstützer des Zentrums an der Fassade: (v.l.n.r.) Königreich Spanien, Königreich Saudi-Arabien, (das Zentrum selber), Republik Österreich, der „Heilige Stuhl“.

Was dort an Dialog stattfinden soll, das fragt man sich auch angesichts eines der größten Stände auf der gestern zu Ende gegangenen Buchmesse Wien 2012, dem Stand des Königreich Saudi-Arabiens, auf dem außer Büchern und CD’s auf Arabisch kaum anderes zu finden war – allerdings wurde der Koran kostenlos auf Deutsch verteilt. Ein ungewöhnliches Verhalten auf einer Buchmesse, auf der normalerweise keine Bücher verschenkt werden. Dazu passte jedoch auch, dass nach dem Einlass auf der Buchmesse in Wien, jedem, der es nicht ablehnte, eine Broschüre mit dem Titel „Die wahre Liebe zum heiligen Propheten“ in die Hand gedrückt wurde. Auf Nachfrage, in Zusammenarbeit mit dem Messestand des Königreichs Saudi-Arabien.

Messestand

Messestand

Heute wird das „König Abdullah-Zentrum“ in dem als Denkmal geschützten repräsentativen Palais Sturany, Schottenring 21, Wien, erster Bezirk, gegenüber der Börse, eröffnet. Anlass auch für den Freidenkerbund Österreichs, den Verein für ägyptische Familien und Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ dazu Stellung zu nehmen.

 

C.F.

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Folgende Seite:

  • Protestnote des Freidenkerbundes Österreichs und der Plattform KAFIR zur Eröffnung des König Abdullah Dialog-Zentrums.
  • Auszug aus der Erklärung des Verein für ägyptische Familien.
  • Aufruf zur Mahnwache der Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ.

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